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"Soziale Medien beeinflussen uns in der Meinung, die wir schon haben"

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24.06.2026
3 Min.

Social-Media-Feeds sind nicht zufällig! Algorithmen entscheiden, welche Nachrichten, Meinungen und Werbungen wir sehen. Im Gespräch mit Annie Waldherr wurde deutlich, wie stark diese Auswahl unsere politische Wahrnehmung beeinflussen kann. Doch woran erkennt man seriöse Inhalte und wie schützt man sich vor Fake News auf TikTok oder in Reels?

Politische Informationen sind heute nur einen Swipe entfernt. Doch wer entscheidet eigentlich, welche Nachrichten in unserem Feed landen? (Foto: Shutterstock)

Wenn ich TikTok oder Instagram öffne, dauert es meistens keine Minute, bis mir ein politischer Beitrag angezeigt wird. Mal geht es um Wahlen, mal um Klimapolitik oder internationale Konflikte. Oft sehe ich zuerst ein kurzes Video mit einer extremen Meinung, bevor ich überhaupt weiß, worum es bei einem Thema genau geht. Mir fällt dabei auf, dass ich viele Informationen gar nicht aktiv suche, sondern dass sie einfach in meinem Feed auftauchen.

Im Gespräch mit der Kommunikationswissenschaftlerin Annie Waldherr wurde deutlich, welche Rolle Algorithmen dabei spielen. Sie sagte: „Die Hauptwirkung, kann man sagen, ist, dass es einen eigentlich meistens bestärkt in der Meinung, die man schon hat.“ Dieses Zitat hat mich besonders zum Nachdenken gebracht. Wenn ich mich für ein Thema interessiere und mehrere ähnliche Videos anschaue, bekomme ich oft noch mehr Beiträge mit derselben Sichtweise angezeigt. Dadurch entsteht leicht das Gefühl, dass fast alle Menschen so denken. Erst wenn ich bewusst andere Quellen nutze, merke ich, dass es oft ganz unterschiedliche Perspektiven gibt.

Wie ich seriöse Inhalte erkenne

In meinem Feed wirken politische Inhalte vor allem dann seriös, wenn nachvollziehbare Quellen genannt werden und Fakten überprüfbar sind. Wenn ein Video erklärt, woher die Informationen stammen, wirkt das auf mich deutlich glaubwürdiger. Ich merke aber auch, wie einfach es ist, von professionell wirkenden Videos überzeugt zu werden, obwohl man die Quelle gar nicht kennt.

Besonders skeptisch werde ich, wenn Beiträge sehr emotional wirken oder einzelne Gruppen für komplexe Probleme verantwortlich machen. Solche Videos tauchen erstaunlich oft auf. Gerade auf TikTok werden politische Themen häufig in weniger als einer Minute erklärt. Das ist praktisch, aber oft bleiben wichtige Hintergründe auf der Strecke.

Warum extreme Inhalte so präsent wirken

Eine Beobachtung aus meinem eigenen Feed passt gut zu den Aussagen von Annie Waldherr. Die Beiträge, die mir am häufigsten angezeigt werden, sind oft die, die starke Reaktionen auslösen. Videos mit provokanten Aussagen haben meist tausende Kommentare, während sachliche Erklärungen deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Ich ertappe mich manchmal selbst dabei, bei kontroversen Beiträgen länger hängen zu bleiben als bei nüchternen Nachrichten. Genau deshalb fand ich die Aussage aus dem Interview spannend, dass emotionale Inhalte häufiger verbreitet werden. Wenn ich durch meinen Feed scrolle, habe ich manchmal das Gefühl, dass extreme Meinungen überall sind. Wahrscheinlich liegt das aber auch daran, dass sie mehr Aufmerksamkeit erzeugen und deshalb häufiger ausgespielt werden.

Politische Werbung in meinem Feed

Politische Werbung begegnet mir regelmäßig, besonders vor Wahlen. Manche Anzeigen finde ich sinnvoll, weil sie konkrete Inhalte vorstellen und klar zeigen, wer dahintersteht. Andere wirken eher wie normale Beiträge und versuchen vor allem, Emotionen auszulösen.

Mir ist aufgefallen, dass Werbung oft sehr stark vereinfacht. Komplexe politische Themen werden auf wenige Schlagworte reduziert. Das macht die Botschaft zwar verständlich, kann aber auch dazu führen, dass wichtige Zusammenhänge verloren gehen.

Der richtige Umgang mit Desinformation

Eine Information aus dem Interview ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Viele Menschen glauben, dass sie auf Social Media einfach die wichtigsten Nachrichten sehen. Tatsächlich entscheiden Algorithmen darüber, welche Inhalte sichtbar werden und welche nicht.

Dadurch hinterfrage ich Inhalte heute stärker als früher. Wenn ich ein überraschendes oder schockierendes Video sehe, versuche ich herauszufinden, ob andere Medien ebenfalls darüber berichten. Gerade auf TikTok und in Reels stoße ich immer wieder auf Beiträge ohne Quellenangaben. Für mich sind das die akutesten Warnsignale.

Desinformation zu erkennen wird außerdem immer schwieriger. Künstliche Intelligenz ermöglicht mittlerweile täuschend echte Bilder, Videos und Stimmen. Deshalb reicht es nicht mehr, etwas einfach zu glauben, nur weil es professionell aussieht. Fehlende Quellen, sensationelle Behauptungen oder angebliche Geheiminformationen machen mich sofort misstrauisch.

Kritik statt Doomscrolling

Social Media ist für mich eine wichtige Informationsquelle geworden. Gleichzeitig merke ich, wie stark Algorithmen beeinflussen, welche Themen ich wahrnehme und welche nicht. Das Gespräch mit Annie Waldherr hat mir gezeigt, dass mein Feed kein neutrales Abbild der Realität ist.

Deshalb versuche ich, politische Informationen nicht nur aus sozialen Medien zu beziehen, sondern verschiedene Quellen zu vergleichen. Nur weil ein Beitrag oft angezeigt wird, muss er nicht besonders wichtig oder richtig sein. Kritisch zu bleiben ist für mich der beste Weg, um mir eine eigene politische Meinung zu bilden.



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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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