Depressionen und Essstörungen: Die Auswirkungen der ästhetischen Ideale in den sozialen Medien auf Frauen
Auf Instagram, TikTok oder YouTube wiederholen sich ständig die gleichen Bilder von Frauen, schlank, makellos und selbstbewusst. Diese Darstellungen spiegeln gesellschaftliche Ideale wider, die für die meisten Menschen unerreichbar bleiben. Social Media verstärkt diese Bilder und beeinflusst damit, wie Frauen sich selbst sehen und wie andere sie wahrnehmen. Die Plattformen sind Spiegel gesellschaftlicher Vorstellungen über Schönheit und Erfolg.
Bewusst ist das aber den wenigsten Mädchen und Frauen. Sie eifern diesen falschen Idealen blindlings nach. Besonders leicht lassen sich junge Frauen verunsichern. Das kann zu mangelndem Selbstbewusstsein bis hin zu Depressionen führen.
Laut einer aktuellen Studie der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention leiden etwa drei bis zehn Prozent aller Jugendlichen zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr an einer Depression. Bei insgesamt sogar 21,9 Prozent der Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren, die den „SCOFF-Fragebogen“ im Rahmen von „KiGGS“ schriftlich beantwortet haben, finden sich Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten. Erschreckenderweise steigen diese Prozentsätze stetig an, was sich auf die vermehrte Nutzung der sozialen Netzwerke zurückführen lässt.
Vor allem Frauen sind betroffen
Das Augenmerk sollte in Hinsicht auf die mentale Gesundheit vor allem auf Mädchen und Frauen liegen, da die gesellschaftlichen Anforderungen an das weibliche Geschlecht meist höher sind als an das männliche. Überwiegend sind es männliche Persönlichkeiten, die sich erlauben, über Frauen zu urteilen und nahezu unerreichbare Maßstäbe zu setzen.
Diese Maßstäbe führen neben Depressionen bis hin zu Suizidgefahr auch zu Essstörungen und selbstverletzendem Verhalten. Viele junge Menschen, besonders Frauen, sind von diesen psychischen Erkrankungen betroffen oder haben schon einmal Erfahrungen in diesen Bereichen gemacht. Dies belegt auch eine Studie der Med-Uni Wien, der zufolge sich 25 bis 35 Prozent der Jugendlichen, meist zwischen dem 15. und 16. Lebensjahr, ritzen, wobei der Frauenanteil deutlich größer ist.
Social Media triggert dieses Verhalten zudem verstärkt. Das bestätigt wiederum eine aktuelle Studie des Forschungsteams um den Psychiater John Torous von der US-Universität Harvard. Aus dieser geht hervor, wie rasch sich Angstsymptome, Depressionen und Schlafprobleme bei jungen Erwachsenen verringern, wenn sie für eine Woche fast gänzlich auf soziale Netzwerke verzichten.
Besonders bedenklich sind Schönheitsideale auf TikTok und Instagram, da sie oft nur „Trends“ sind, die sich ununterbrochen verändern. Auf TikTok gibt es beispielsweise die Unterordnung „#skinnytok“, in der sich alles um sehr schlanke und teilweise besorgniserregende Körper dreht. Um diese Körper zu erlangen, setzen Menschen auf schädliche Strategien wie Hungern, Erbrechen und Schönheitsoperationen.
„Menschen, die den Schönheitsidealen entsprechen, haben es im Leben leichter“, sagt Christina Ritter, Sportprofessorin an der HLW Braunau, die sich gegen Gewalt an Frauen einsetzt. Auch auf Ihren Accounts häuft sich Werbung zu den Themen Abnehmen und Schönheitsoperationen an. Umso wichtiger ist es, Schönheitsnormen zu hinterfragen und bewusst Vielfalt statt Perfektion zu fördern.
Vorprogrammierte Rolle der Hausfrau
Ein weiterer Faktor besteht in den Anforderungen an Frauen von manchen Männern, welche sie beispielsweise in von ihnen moderierten antifeministischen oder abwertenden Podcasts teilen. Dabei sprechen sie über ihr Idealbild der perfekten Hausfrau, welche sich um den Haushalt sowie die Erziehung der Kinder kümmern sollte. In den Augen dieser Männer gehören Frauen in die Küche, sollten die Finger von angesehenen Berufen mit Karrierechance lassen und spaßige Abende unter Freunden sind ein „No-Go“. Eine sehr konservative Einstellung, die mehr Menschen vertreten als erwartet.
Schließlich verbreiten auch Podcasts gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit, nur in sprachlicher Form statt über Bilder oder Videos. Denn sowohl perfekt inszenierte Bilder als auch abwertende Aussagen schränken das Rollenverständnis von Frauen ein und festigen traditionelle Erwartungen. Social Media erweist sich damit als Spiegel gesellschaftlicher Wertvorstellungen.
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