Das ganze Schuljahr über sage ich denselben Satz: „Ich freue mich so auf die Sommerferien.“ Kein Wecker, keine Schularbeiten, keine Abgaben. Einfach ausschlafen und in den Tag hineinleben. Und dann sind die Ferien da.
Die ersten Tage sind super. Man schläft aus, trifft Freunde, fährt vielleicht ein paar Tage weg. Aber sobald nichts mehr fix geplant ist, kippt bei mir die Stimmung.
Dieses Jahr ist mir das besonders aufgefallen. Ich war schon im Urlaub, habe Freunde getroffen, war unterwegs, habe ausgeschlafen und auch einfach einmal gar nichts gemacht. Eigentlich genau das, worauf ich mich das ganze Schuljahr gefreut habe.
Trotzdem sitze ich an manchen Tagen auf der Couch, scrolle durch TikTok oder Instagram, laufe zum Kühlschrank, obwohl ich gar keinen Hunger habe, schaue aus dem Fenster, lege mich wieder ins Bett und denke die ganze Zeit: Eigentlich müsste ich irgendetwas machen.
Weil ich es nicht aushalte, wenn gar nichts passiert.
Der Moment, in dem es mir aufgefallen ist
Vor ein paar Tagen war so ein Tag. Ich bin spät aufgewacht, habe ewig am Handy gehangen und immer wieder gedacht, dass ich doch eigentlich Ferien habe und diese Zeit genießen sollte. Aber je länger der Tag wurde, desto schlechter wurde meine Laune.
Irgendwann habe ich meinen Freund angerufen. Eigentlich ohne besonderen Grund. Wir haben einfach telefoniert und am Ende beschlossen, die nächsten Tage gemeinsam zu verbringen. Das Lustige daran: Wir haben gar nichts Besonderes gemacht. Kein Ausflug, keine große Unternehmung. Wir waren einfach zusammen. Mal spazieren, mal irgendwo etwas essen, mal einfach nur zusammengesessen und geredet. Und trotzdem war dieses Gefühl sofort weg. Da ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich gar nicht ständig Action brauche. Ich brauche einfach das Gefühl, dass ich den Tag mit jemandem teile oder mich auf etwas freuen kann.
Freizeit ist nicht gleich Erholung
Früher dachte ich immer, je mehr Freizeit ich habe, desto glücklicher bin ich. Mittlerweile weiß ich, dass das bei mir gar nicht stimmt. Ich brauche gar keinen komplett durchgeplanten Tag. Aber ich brauche etwas, worauf ich mich freuen kann. Ein Treffen, einen Spaziergang, einen Kaffee oder einfach jemanden, mit dem ich Zeit verbringe. An Tagen ohne Plan fühlt sich alles gleich an. Der Vormittag geht in den Nachmittag über, irgendwann ist es Abend und ich frage mich, was ich eigentlich gemacht habe. Die Antwort lautet meistens: nichts Besonderes. Und genau dieses „nichts Besonderes“ macht mich viel unruhiger als ein voller Tag.
Ich bin damit nicht allein
Als mir das aufgefallen ist, habe ich meine drei besten Freundinnen gefragt, ob sie das auch kennen.
Vanessa erlebt die Ferien im Moment ganz anders. Sie macht gerade einen Ferialjob im Krankenhaus und arbeitet jeden Vormittag. Deshalb kommt dieses Gefühl von Leere bei ihr momentan gar nicht auf. Sie hat einen geregelten Tagesablauf und danach bleibt trotzdem noch Zeit für Freunde oder zum Entspannen. Sie sagt aber auch, dass sie mich total versteht. In Ferien ohne Arbeit geht es ihr ähnlich , nur eben nicht ganz so extrem.
Liv ist das komplette Gegenteil von mir. Sie kann drei Tage hintereinander einfach zu Hause sein, Serien schauen, schlafen oder gar nichts tun und ist dabei vollkommen zufrieden. Als sie mir das erzählt hat, war ich fast ein bisschen neidisch. Ich glaube, ich kenne niemanden, der so gut entspannen kann wie sie.
Mathilda liegt irgendwo zwischen uns beiden. Sie kann mehrere Tage richtig abschalten und genießt das auch. Gleichzeitig liebt sie Tage, an denen von morgens bis abends etwas los ist. Sie meinte, dass sie beides braucht , Ruhe und Action. Je länger wir darüber gesprochen haben, desto mehr dachte ich, dass sie wahrscheinlich die beste Balance von uns allen gefunden hat.
Mein Ferien-Paradox
Eigentlich ist es verrückt. Monatelang wünsche ich mir möglichst viele freie Tage. Und wenn sie dann da sind, wünsche ich mir plötzlich wieder, dass etwas passiert. Mir ist aufgefallen, dass ich gar nicht die Schule vermisse. Ich vermisse das Gefühl, einen Grund zu haben, aufzustehen. Nicht, weil ich beschäftigt sein muss, sondern weil ich mich auf etwas freuen möchte. Das Überraschende ist: Dieses „Etwas“ muss gar nichts Großes sein. Oft reicht schon ein Anruf, eine ausgemachte Verabredung oder ein Mensch, mit dem ich den Tag verbringe. Seit dieser Beobachtung freue ich mich zwar immer noch auf die Ferien. Aber ich weiß jetzt auch, warum sie sich manchmal so leer anfühlen: Nicht, weil zu wenig passiert, sondern weil ich merke, wie viel schöner selbst ein ganz gewöhnlicher Tag wird, wenn man ihn mit jemandem teilen kann.
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