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Sollen die Sommerferien früher beginnen? Das sagen Ärzte und Experten

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Volontär · Ferrarischule Innsbruck
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13.07.2026
4 Min.

Wie können Schulen die Gesundheit ihrer Schüler*innen fördern und wie reagieren Ärzte und Vertreter der Arbeiterkammer und der Gesundheitskasse auf die Forderung, die Sommerferien vorzuverlegen? Wir waren bei den "Praevenire Gesundheitsgesprächen" in Alpbach und fragten nach.

Interview bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen mit den Schoolnurses Karina Klenk und Franziska Rumpf. (Foto: Krisztian Juhasz)

Wenn im Klassenzimmer die Luft steht und der Schweiß rinnt, ist die Diskussion nicht weit: Sollen die Sommerferien einfach früher beginnen? Die Einschätzungen von Expert*innen erfuhren wir bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen im Böglerhof in Alpbach, die heuer bereits zum 13. Mal stattfanden. Am Podium: Kinderärzte, Schulärztinnen, Schulgesundheitspflegerinnen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Eltern, Gesundheitskasse, Arbeiterkammer und Jugendrotkreuz.

Braucht es Hitzefrei und die Vorverlegung der Ferien?

Bildungsminister Christoph Wiederkehr plädierte in seiner Videobotschaft für möglichst frühe Gesundheitsbildung. Sein Ministerium beschäftigt derzeit aber eine im wörtlichen Sinn hitzigere Frage. Ein gesetzlich geregeltes Hitzefrei gibt es in Österreich nämlich nicht. Schulen orientieren sich stattdessen an Hitzewarnstufen, ab denen sie künftig selbst über Erleichterungen entscheiden können. Dazu haben wir nach dem Panel den Kinderneurologen Dr. Christian Lechner von der Kinderklinik Innsbruck und Elternvertreter Benedikt Treml gefragt. Lechner findet die Pläne des Bildungsministeriums grundsätzlich gut, aber noch lange nicht ausdiskutiert:

"Die vom Bildungsministerium geplanten Maßnahmen zum Schutz vor Hitze in den Schulen sind sicherlich zu diskutieren, einiges aus diesem Vorschlagskatalog ist schon sehr gut. Das muss man aber breiter mit Umweltmedizinern, Kinderärzten und Schulärztinnen und -ärzten diskutieren." Elternvertreter Treml sieht die Sache klarer getrennt: Für ihn hat Hitzeschutz mit den Sommerferien eigentlich gar nichts zu tun. "Aus meiner Sicht hat der Hitzeschutz nichts mit einer Verlegung der Sommerferien zu tun – sonst müssten wir ja auch im Winter die Schulen zusperren, wenn es zu kalt ist."

Christian Lechner (Mitte) und Benedikt Treml (links) glauben nicht an eine Vorverlegung der Sommerferien.Krisztian Juhasz


Beide sind sich aber einig: Die Politik darf das nicht einfach der einzelnen Schule überlassen und sich nicht nach der nächsten Schlagzeile richten. Stattdessen bräuchte es eine breite Diskussion mit Lehrpersonal, Schülerinnen, Schülern und Direktionen. Und kommt die Vorverlegung wirklich bald? "Eher nicht", glauben beide. Treml bringt es auf den Punkt: "Für das nächste Schuljahr halte ich das persönlich für gar nicht umsetzbar."

Einheitliches Schulessen und ein Werbeverbot für "Dreck"

Doch Hitze war nur eines der Themen des Nachmittags. Karin Hofer von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) richtete den Blick auf etwas, das Kinder jeden Tag betrifft: das Schulessen. Warum, fragte sie, gibt es in Österreich, anders als in Frankreich oder Großbritannien, kein einheitliches, gesundes Angebot? Beim Essen selbst hörte ihre Kritik aber nicht auf, auch zur Werbung fand sie klare Worte:

"Warum lassen wir eigentlich diese Werbung zu für diese ganzen sogenannten Kinderlebensmittel, die – Entschuldigung – Dreck sind? Man darf, finde ich, auch über Regulierungen nachdenken, aber man sollte zumindest über Werbeverbote nachdenken. Das tun wir aber nicht, sondern wir appellieren nur an die Verantwortung des Einzelnen."

Auch Benedikt Treml, der bei den Gesundheitsgesprächen die Eltern vertritt, fordert klarere Strukturen direkt an der Schule. Denn jede Schule brauche eine zentrale Ansprechstelle für Gesundheitsfragen. "Den Schülerinnen und Schülern ist es, glaube ich, relativ egal, ob das ein Schulpsychologe, eine Sozialarbeiterin oder eine Schoolnurse ist. Wir brauchen Anlaufstellen, die in der Lage sind, das zu vernetzen."

Für Barbara Strigl vom Jugendrotkreuz Tirol beginnen die Probleme bei Festivals und Konzerten: "Wenn ich auf ein Festival gehe, dann muss der Becher Wasser kostenlos sein oder 50 Cent kosten. Es kann nicht sein, dass ich für ein alkoholfreies Getränk gleich viel zahle wie für ein großes Bier." Die gesunde Wahl muss die einfachste sein, sonst greift kaum jemand freiwillig zu ihr, so Strigl.

Zu wenig Daten, vor allem bei jungen Frauen

Und dann wäre noch das Dauerthema des Nachmittags: Daten. Oder eher: fehlende Daten. AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser, den der Saal liebevoll als "Mr. All-inclusive" ankündigte, lieferte dazu die aktuellsten Zahlen zu den Burschen: Bei der Stellung hatten rund 11 Prozent der jungen Männer einen BMI über 30, mehr als 23 Prozent gelten wegen starken Übergewichts oder psychischer Probleme als untauglich.

Klingt nach viel, ist aber nur die halbe Wahrheit, findet Kinderneurologe Lechner. Denn diese Zahlen gibt es nur, weil Burschen zur Stellung müssen. Bei Mädchen und jungen Frauen fehlt ein Fixpunkt komplett. Über die Jahre dazwischen weiß laut Lechner sowieso kaum jemand genug: "Wir wissen nicht, wie viele übergewichtig sind mit 11, 12, 13 Jahren. Wir sehen das nur im klinischen Alltag."

Die Tiroler Landesschulärztin Dr. Claudia Langer-Mark zeigte, dass es auch anders geht: Allein im Schuljahr 2024/25 führten Tirols Schulärztinnen und Schulärzte rund 45.000 Schuluntersuchungen durch, etwa 19.000 davon an Bundesschulen. Das eigentliche Problem: Das fertige Datentool "Schuldok" liegt seit 2023 einfach in der Schublade, nicht weil es nicht funktioniert, sondern weil die Umsetzung an der Politik hängt.

Was von den Gesundheitsgesprächen bleibt

So sind wir aus Alpbach mit der Erkenntnis nach Hause gefahren, dass Schule längst mehr sein muss als nur ein Ort zum Lernen. Für viele Kinder und Jugendliche ist sie der einzige Ort, an dem überhaupt noch jemand systematisch auf ihre Gesundheit schaut. Ob es dafür wirklich vorverlegte Sommerferien braucht? Selbst die anwesenden Ärzte glauben das eher nicht, zumindest nicht, solange die Debatte Hitzeschutz und Ferienplanung in einen Topf wirft. Eines zeigte der Nachmittag aber deutlich: Ohne bessere Daten, mehr Schulärztinnen und Schulärzte, mehr Schulgesundheitspflege und mutigere Entscheidungen bei der Werbung für ungesunde Lebensmittel wird sich an der Gesundheit der nächsten Generation nicht viel ändern.



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