Als ich neulich durch die Innenstadt von Sofia ging, zeigte eine Countdown-Uhr noch die letzten Tage bis zum Beginn der Volleyball-Europameisterschaft an. Inzwischen ist die Zeit abgelaufen und das Turnier hat begonnen. Schon in den Tagen davor war kaum zu übersehen, dass ein großes Sportereignis bevorstand: Überall in der Stadt begegneten mir Plakate und Aushänge, die für die Europameisterschaft warben.
Auch die Menschen auf den Straßen von Sofia sind Feuer und Flamme. Sie tragen Trikots der Nationalmannschaft und zeigen die bulgarischen Farben – Weiß, Grün und Rot. Immer wieder sehe ich Kinder mit kleinen bulgarischen Flaggen auf den Straßen. Und natürlich darf eines bei einem bulgarischen Volleyballspiel nicht fehlen: die fröhlichen Anfeuerungsrufe. In etwa bedeuten sie auf Deutsch „Herz und Seele für Bulgarien!“ und „Bulgaren, ihr Helden!“. Auch diese Rufe habe ich neulich in der Nähe der Arena gehört.
Die Stimmung ist euphorisch. Alle scheinen es kaum erwarten zu können, endlich die Arena zu betreten und das nächste Spiel zu sehen. Ich selbst hatte leider noch keine Gelegenheit, eines der bisherigen Spiele live zu verfolgen. Da ich jedoch nur wenige Minuten von der Arena entfernt lebe, bekomme ich trotzdem viel von der Aufregung mit.
Bulgarien startet mit einem Sieg
Am Mittwoch, dem 9. September, fand in Sofia das Auftaktspiel der Männer-Volleyball-Europameisterschaft statt. „Die Löwen“, wie wir unsere Nationalmannschaft gerne nennen, traten gegen das Team unseres Nachbarlandes Nordmazedonien an und gewannen mit 3:0. Das Turnier läuft bis zum 26. September. In Sofia findet das letzte Spiel allerdings bereits am 22. September statt. Der Volleyball wird also noch einige Zeit Teil unseres Alltags bleiben.
Der Volleyball-Hype nimmt zu
In meinem Heimatland ist Volleyball seit der Weltmeisterschaft im vergangenen September noch populärer geworden. Auf den Philippinen erreichte unser Team das Finale und holte die Silbermedaille. Obwohl Volleyball in Bulgarien schon immer eine sehr beliebte Sportart war, scheinen sich seitdem noch mehr Menschen für die Erfolge unserer Nationalmannschaft zu interessieren.
Doch jetzt, wo der Volleyball plötzlich direkt vor unserer Haustür stattfindet, ist die Atmosphäre noch einmal eine andere.
Ganz neu ist die Volleyballbegeisterung in Sofia allerdings nicht. Schon 2015 wurde hier die Europameisterschaft ausgetragen. Damals war ich gerade einmal sechs Jahre alt und zu jung, um wirklich zu verstehen, was in meiner Stadt passierte. Heute kann ich selbst erleben, wie es sich anfühlt, wenn ein so großes Turnier nach Sofia kommt.
Ich zweifle stark daran, dass es in Bulgarien noch viele Menschen gibt, die die Namen der Spieler der bulgarischen Männermannschaft nicht kennen. Falls das bei jemandem bisher tatsächlich so war, dürfte sich das in den vergangenen Wochen geändert haben. Überall in Sofia sehe ich die Gesichter der Spieler auf Aushängen und Plakaten. Bestimmt ist das auch in anderen Städten unseres Landes so.
Manchmal fällt mir erst im Vorbeigehen auf, dass wieder irgendwo für die Europameisterschaft geworben wird. Dadurch fühlt sich das Turnier nicht wie eine Veranstaltung an, die irgendwo in einer Arena stattfindet, sondern wie etwas, das die ganze Stadt mitbekommt. Gerade weil die Europameisterschaft über mehrere Wochen läuft, wird dieses Bild noch einige Zeit zum Alltag in Sofia gehören.
Was ist Volleyball für mich?
Ein Hobby mit Sicherheit. Aber auch meine Lieblingssportart im Sportunterricht. Ich könnte von mir selbst wahrscheinlich nicht behaupten, dass ich ein richtiger Volleyballfan bin. Ich war noch nie bei einem Spiel live dabei. Aber immer wenn ich weiß, dass ein Spiel ansteht, schaue ich es. Ich mag die Sportart sehr und spiele immer wieder gerne mit Freunden.
Besonders im Sommer sehe ich in den Sofioter Parks viele Menschen, die einen Volleyball dabeihaben. Wenn ich mitspielen möchte, darf ich meistens einfach dazukommen. Deshalb bin ich positiv überrascht, wie sehr alle aufgeregt sind und wie herzlich Bulgarien das Volleyballturnier willkommen heißt.
Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie aufregend es für mich ist zu wissen, dass gerade in der Arena meiner Stadt ein Volleyballspiel der Europameisterschaft stattfindet. Und auch wenn ich selbst nicht in der Halle sitze, bekomme ich etwas davon mit: Wenn unser Team einen Satz für sich entscheidet, höre ich die glücklichen Ausrufe der Nachbarn. Mein Hund ist dabei drinnen und bekommt von der ganzen Aufregung vermutlich deutlich weniger mit als ich.
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