Social Media – Die dunkle Seite der Unterhaltungsapps

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
11.09.2026
4 Min.

Von Motivationsreden zu süßen Tiervideos bis Lifehacks gibt es auf Instagram, Tik-Tok und vielen weiteren Plattformen eine unfassbare Menge an Inhalten. Doch so unterhaltsam wir unsere Zeit beim Scrollen auch empfinden, so hinterlässt der Feed bei vielen von uns auch ein mulmiges Gefühl: man ist hinten nach. Daraus entstehen bei vielen Jugendlichen tiefgründige Selbstzweifel, die in manchen Fällen auch zu Niedergeschlagenheit und selbst Depression führen können. Aber wie schaut die Realität aus?

Junge Influencer prahlen mit teuren Autos - doch ist der Erfolg real? (Foto: WangAron)

Erfolg auf Dauerschleife


Eigentlich wollte ich nur kurz abschalten. Ein bisschen durch Instagram oder TikTok scrollen, den Kopf nach einem langen Schultag freibekommen. Doch nach ein paar Minuten frage ich mich plötzlich, was ich eigentlich falsch mache.

Ein 16-Jähriger zeigt seinen neuen BMW M4. Ein anderer erklärt, wie er in 30 Tagen seinen Traumkörper bekommen hat. Der nächste behauptet, er kenne den einzigen Weg, um 2026 reich zu werden.

Scroll.

Noch ein Erfolg. Noch ein perfekter Körper. Noch jemand, der scheinbar genau weiß, wie man es im Leben zu etwas bringt.


Ich würde lügen hätte ich nicht schon unzählige solcher Videos auf Insta oder Tik-Tok sehen müssen. War das ursprüngliche Vorhaben sich eine kurze Auszeit von Alltag und Schule zu nehmen und sich von Verpflichtungen zu distanzieren, so bekomme ich durch solche Videos jedoch immer ein mulmiges Gefühl. Warum habe ich nicht schon so eine Uhr, Handy oder gar Auto? Warum verdient dieser 16-Jährige schon so viel wie meine Eltern? Bin ich wirklich so hinten nach?


Es wirkt auf uns so, als würden wir etwas falsch machen, als strengen wir uns nicht genug an. Als hätten wir unsere bisherige Lebenszeit einfach verschwendet, während alle anderen mit Mut und Disziplin sich ihre Zukunft aufbauen. Der Rat dieser Influencer lautet oftmals: "Es hängt alles von dir ab. Wenn du noch nicht reich, fit und glücklich bist, ist das deine Schuld". Und es klingt ja so einfach! Doch wie viel dieses Erfolgs ist tatsächlich Realität?


Alles eine große Lüge


Social Media verschleiert in den meisten Fällen die Wahrheit. Selbstverständlich gibt es echten Erfolg. Jugendliche, die regelmäßig hart in der Kraftkammer trainieren. Junge Erwachsene, die ein Unternehmen mit Substanz aufbauen. Doch das ist in Wahrheit nur der geringste Teil von dem Erfolgs-content, den wir auf unserer For-you-page sehen.

Die kranken Instaposts von Oberkörpern, die griechischen Götterfiguren gleichkommen, ist mit der allerbesten Belichtung, nach dem heftigsten Pump und unter Anweisungen von einem Bodybuilder geschossen. Es ist nicht ein Foto, das man einfach mal so nach dem Training schießt.

Der Screenshot vom Monatseinkommen der "Self-made-Millionäre" auf Tik-Tok zeigen oftmals gefakte Zahlen oder die Summe des allerbesten Verkaufsmonat im letzten Jahrzehnt. Nicht ihr durchschnittliches monatliches Einkommen nach Steuern.

Und die Creator, die auf social media so reif, gelassen, optimistisch und gesammelt wirken, die, die dich davon überzeugen wollen, dass diese ganze Produktivitätsbewegung Schwachsinn ist und du dich darauf konzentrieren solltest, ein glückliches Leben mit Freunden und Familie zu führen - Tja, auch sie müssen irgendwo als angestellte 40,5 Stunden die Woche in ihrem Job verbringen, der lang nicht so erfüllend ist, wie sie tun.


Doch wie damit Umgehen?


Es ist wirklich wichtig zu begreifen, dass es immer auch eine andere Seite des Erfolges gibt. Dass das, was auf Social Media gepostet wird, nur die allerbesten Momente des Lebens dieser Menschen sind. Egal ob der Erfolg real oder gar gefaked ist - man postet nur das, wofür man Views bekommt.

Wenn man die Wahrheit ausspricht, wenn man zeigt, wie viel eigentlich gerade im Leben schief läuft, dann ist das nunmal nicht der Content, mit dem man viral geht. Das sind die Clips vom neuen Porsche, der Rolex oder dem Traumkörper - und das wird auch lange so bleiben. Wer will schon Schmerz und Leid sehen müssen?

Selbst wenn man sich dieser Tatsachen bewusst ist, bleibt es schwierig, nicht in Selbstzweifel zu verfallen. Wir werden pausenlos mit Erfolg konfrontiert, und deshalb schließen wir unbewusst, dass wir hinten nach sind. Dass andere gegenüber uns einen Riesen Vorsprung haben. Während dem Scrollen denkt man nicht darüber nach, wie viel dieses Erfolgs real ist und dass es noch eine anderer Seite der ganzen Geschichte gibt.

Doch es hilft, sich seiner eigenen Erfolge bewusst zu werden. Jedem von uns wird ein Moment in kürzester Vergangenheit einfallen, den man zu einem triumphierenden Erfolgsreel machen könnte – egal ob es die 5 Seiten waren, die man vor dem Schlafengehen gelesen hat, ob es das Aufstehen um 6 Uhr, um sich für die Schule fertig zu machen oder der spontane Lauf mit einem Freund. Jeder von uns könnte genauso seine glücklichsten Momente festhalten und die traurigsten verbergen – doch die Realität schaut anders aus.






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