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So stelle ich mir die SCS im Jahr 2045 vor

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
21.09.2026
4 Min.

Wie sieht die Shopping City Süd aus, wenn ich dort im Jahr 2045 durch die Türen gehe? Ich stelle mir ein Einkaufszentrum vor, in dem ich nicht nur einkaufe, sondern meine Kopfhörer reparieren lasse, Freunde treffe, lerne oder auf dem Dach ein Konzert besuche. Vieles davon klingt heute noch nach Zukunft, doch erste Zeichen gibt es schon jetzt.

Noch bestimmen Verkaufsflächen und Parkplätze das Erscheinungsbild der Shopping City Süd. Doch bis 2045 wird sich vieles ändern. (Foto: shutterstock)

Die Türen gleiten auf, aber dahinter wartet keine typische Einkaufspassage. Gleich beim Eingang befindet sich eine große digitale Übersicht. Sie zeigt nicht nur Geschäfte und Angebote, sondern auch freie Lernplätze, Veranstaltungen und die Wartezeit in der Reparaturhalle. Wer möchte, kann sich eine Route zusammenstellen lassen. Wer keine persönlichen Daten preisgeben will, verwendet die Anzeige wie einen gewöhnlichen Lageplan.

So könnte mein erster Besuch in der SCS im Jahr 2045 beginnen.

Erste Zeichen gibt es schon

Ganz bei null beginnt diese Zukunft nicht. Nach Angaben der SCS stammt der für die allgemeinen Bereiche eingekaufte Strom bereits vollständig aus erneuerbaren Quellen. Solaranlagen erzeugen zusätzlich Strom vor Ort, Regenwasser wird für Pflanzen und Toiletten genutzt und Bioabfälle werden zu Biogas verarbeitet. Auch Fahrradabstellplätze und öffentliche Verkehrsverbindungen ermöglichen bereits eine umweltfreundlichere Anreise. Beim „Good Festival“ 2025 gab es sogar schon Reparaturstationen und einen Markt für gebrauchte Kleidung. Meine Vorstellung für 2045 geht aber weiter: Solche Angebote sollen keine vorübergehende Aktion mehr sein, sondern dauerhaft zum Einkaufszentrum gehören.

Anprobieren statt alles mitnehmen

Viele Geschäfte werden in Zukunft vermutlich weniger Ware lagern. Statt zwanzig fast gleiche Pullover auf Kleiderstangen zu hängen, zeigen sie einzelne Modelle zum Anprobieren. Farbe, Größe und Material wählen Kundinnen und Kunden anschließend auf einem Bildschirm aus. Das fertige Produkt wird später nach Hause geliefert oder direkt vor Ort hergestellt.

Besonders spannend wäre das bei Schuhen. In einem Geschäft könnte ein Scanner die Füße vermessen. Danach probiert man das Modell mithilfe einer digitalen Projektion an und verändert Farbe oder Muster. Produziert wird erst, wenn wirklich jemand bestellt. Dadurch müssten Händler weniger unverkaufte Ware wegwerfen.

Die langen Reihen voller Fast Fashion könnten deshalb langsam verschwinden. Nicht weil 2045 niemand mehr Kleidung möchte, sondern weil sich die Frage verändert: Wollen wir etwas möglichst billig und sofort haben oder soll es länger halten und wirklich zu uns passen?

Die Reparaturhalle wird zum wichtigsten Geschäft

Im Zentrum meiner SCS der Zukunft befindet sich kein Luxusladen, sondern eine Werkstatt. Dort werden Handys, Kopfhörer, Fahrräder, Küchengeräte und Kleidung repariert. Durch Glasscheiben kann man dabei zusehen. Vielleicht lässt sich sogar lernen, wie man einen kaputten Reißverschluss selbst austauscht oder einen Laptop öffnet, ohne ihn zu beschädigen.

Daneben liegt eine Tauschbörse. Wer ein Computerspiel, eine Jacke oder ein Sportgerät nicht mehr braucht, kann es abgeben und Guthaben erhalten. Aus dem Einkaufszentrum wird damit teilweise ein Kreislaufzentrum: Produkte werden verkauft, benutzt, repariert und weitergegeben, alles unter einem Dach.

Für Jugendliche wäre das praktisch. Nicht jeder kann sich ständig neue Technik oder Markenkleidung leisten. Gebrauchte und reparierte Produkte wären günstiger, ohne dass man dafür stundenlang verschiedene Plattformen durchsuchen müsste.

Ein Ort zum Bleiben

Schon heute bestellen viele Menschen Dinge im Internet. Bis 2045 könnte das noch einfacher werden. Ein Einkaufszentrum wird deshalb kaum überleben, wenn es nur Regale, Kassen und einen Foodcourt anbietet. Es muss etwas ermöglichen, das ein Onlineshop nicht kann: echte Begegnungen.

Ich wünsche mir Räume, in denen Jugendliche kostenlos lernen, gemeinsam Projekte machen oder einfach Zeit verbringen können, ohne etwas kaufen zu müssen. Dazu könnten Musikstudios, Gamingräume, kleine Bühnen und Werkstätten gehören. Auf einer Dachfläche wären Sportplätze und ein Garten denkbar. Im Sommer könnte dort ein Freiluftkino stattfinden.

Auch Ruheräume wären wichtig. Einkaufszentren sind oft laut, hell und voll. Abgetrennte Bereiche mit Pflanzen, gedämpftem Licht und wenigen Geräuschen könnten besonders für ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern oder Personen hilfreich sein, denen der Trubel schnell zu viel wird.

Was bis 2045 verschwinden könnte

Wahrscheinlich wird es weniger klassische Kassen geben. Bezahlt werden könnte direkt über das Smartphone oder automatisch beim Verlassen eines Geschäfts. Auch riesige Parkflächen könnten kleiner werden, wenn mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrädern oder selbstfahrenden Shuttles anreisen.

Verschwinden könnten außerdem Läden, die sich kaum voneinander unterscheiden und ausschließlich Produkte verkaufen, die online billiger und bequemer erhältlich sind. Ein Geschäft braucht 2045 einen Grund, warum man es persönlich besucht: Beratung, Reparaturen, Maßanfertigungen oder ein Erlebnis, das sich nicht herunterladen lässt.

Trotz aller Technik darf die SCS aber nicht zu einem Ort werden, an dem Kameras jede Bewegung verfolgen und Programme über unsere Einkäufe entscheiden. Fortschritt wäre für mich nicht, wenn ein Bildschirm schon weiß, welche Schuhe ich kaufen soll. Fortschritt wäre, wenn ich selbst entscheiden kann, welche Technik mir hilft und welche Daten privat bleiben.

Als ich die SCS 2045 in meiner Vorstellung wieder verlasse, trage ich keine fünf neuen Einkaufstaschen. Meine Kopfhörer funktionieren wieder, in meinem Rucksack liegt eine ausgeliehene Jacke und auf dem Dach beginnt gerade ein Konzert. Vielleicht ist genau das die Zukunft eines Einkaufszentrums: ein Ort, an dem nicht mehr der Einkauf, sondern der Besuch in Erinnerung bleibt.

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