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So schreibt man Bestseller: Ein Blick hinter die Kulissen mit Autorin Sonja Kaiblinger

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24.11.2025
4 Min.

Die Schüler des Alpen-Adria-Gymnasium Völkermarkt hatten kürzlich die besondere Gelegenheit, die bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin Sonja Kaiblinger live zu erleben. In ihrer Lesung für die ersten Klassen präsentierte sie Ausschnitte aus ihrer beliebten Reihe "Scary Harry" und begeisterte rund siebzig junge Zuhörer mit Spannung, Humor und Einblicken in das Leben einer Autorin.

Wer sie so sieht, ahnt kaum, welche überraschenden Gedanken sie im Interview teilt. (Foto: sonjakaiblinger.com)

Kaiblinger erzählte nicht nur von ihren Geschichten, sondern auch von ihrem ungewöhnlichen Weg zur Schriftstellerin: Von der Hauptschule bis zu mehr als fünfzig veröffentlichten Büchern, die international gelesen werden. Dabei ließ sie die Kinder teilhaben an ihrer Leidenschaft fürs Schreiben, ihren Inspirationsquellen und auch an den lustigen und überraschenden Momenten, die das Autorenleben mit sich bringt.

Im Anschluss daran beantwortete Kaiblinger in einem Interview Fragen zu ihrem Schreiballtag, ihren Büchern und Plänen für die Zukunft.


Kilian: Frau Kaiblinger, Sie waren heute zu einer Lesung an unserer Schule. Wie hat es Ihnen gefallen?

Sonja Kaiblinger: Es war großartig! Ich hatte gleich zwei Lesungen für die ersten Klassen – rund 70 Kinder, also richtig viel Publikum. Besonders schön finde ich, dass ich schon das zweite Jahr bei euch zu Gast bin. Meistens komme ich an Schulen, wo die Kinder meine Bücher noch gar nicht kennen. Bei euch ist das anders – ihr lest sie im Unterricht! Da muss ich nicht mehr so viel erklären, sondern kann gleich eintauchen.

Kilian: Lesen Sie hauptsächlich an Schulen oder auch an anderen Orten?

Kaiblinger: Ich lese überall, wo man mich lesen lässt – in Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen oder auf Buchmessen wie in Frankfurt oder Leipzig. Am liebsten aber wirklich in Schulen, weil man da direkt beim Publikum ist. Jede Lesung ist anders, aber immer ein bisschen Abenteuer.

Kilian: Warum wollten Sie Kinder- und Jugendbuchautorin werden?

Kaiblinger: Eigentlich wollte ich das zuerst gar nicht. Ich war in Deutsch wirklich schlecht – das ist kein Scherz! Ich war in der Hauptschule, und meine beste Note war eine Drei. Niemand hat geglaubt, dass aus mir einmal eine Autorin wird – nicht einmal meine Eltern. Aber ich habe einfach angefangen zu schreiben, und irgendwann hat es funktioniert. Heute habe ich über 50 Bücher veröffentlicht. Das zeigt: Es ist nie zu spät, etwas Neues anzufangen.

Kilian: Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Kaiblinger: Meistens aus dem echten Leben – und oft auch von den Kindern selbst. Bei Lesungen bekomme ich viele Rückmeldungen. Einmal meinte ein Schüler, in „Scary Harry“ fehle noch ein bestimmter Charakter. Da dachte ich: Stimmt eigentlich! Solche Anregungen inspirieren mich total.

Kilian: Haben Sie bestimmte Rituale beim Schreiben?

Kaiblinger: Leider nein – oder zum Glück. Ich schreibe überall, wo es gerade geht: im Zug, im Hotel, manchmal sogar zwischen zwei Terminen. Zuhause ist es mit meinem zweijährigen Sohn nämlich nicht immer ruhig (lacht). Ich nutze die Zeit, die ich finde – und manchmal schreibe ich auch Last Minute. Kurz vor der Abgabefrist bin ich am produktivsten!

Kilian: Wer gestaltet eigentlich die Cover Ihrer Bücher?

Kaiblinger: Das machen wunderbare Illustratoren, die vom Verlag ausgesucht werden. Ich arbeite zum Beispiel mit dem Zeichner des „Kleinen bösen Buchs“ zusammen – das ist wirklich ein Star unter den Kinderbuch-Illustratoren. So entstehen Cover, die perfekt zur Geschichte passen.

Kilian: Spielen Werte in Ihren Büchern eine Rolle oder steht der Spaß im Vordergrund?

Kaiblinger: Ich schreibe keine moralischen Bücher mit erhobenem Zeigefinger – das merken Kinder sofort und verlieren die Lust am Lesen. Aber natürlich sind Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt oder Mut wichtig. Ich versuche, solche Werte natürlich in spannende Geschichten einzubauen. Zum Beispiel eine Figur, die gerne Physik oder Biologie mag – weil Mädchen eben auch Wissenschaft cool finden dürfen.

Kilian: Ihre Bücher handeln oft von Geistern oder Magie. Woher kommt das?

Kaiblinger: Das kommt tatsächlich aus meiner Kindheit. Ich bin in einem alten Haus in Niederösterreich aufgewachsen, das den Ruf hatte, ein Geisterhaus zu sein. Dieses Haus ist direkt in mein erstes „Scary Harry“-Buch eingeflossen – und seither bin ich irgendwie bei den Geistern hängen geblieben.

Kilian: Sie wurden auch mehrfach ausgezeichnet. Welche Preise bedeuten Ihnen am meisten?

Kaiblinger: Besonders freue ich mich über Publikumspreise, zum Beispiel den Leserstimmenpreis oder den Leipziger Lesekompass. Denn da stimmen echte Leser ab – und das ist für mich die schönste Auszeichnung

Kilian: Ihr erfolgreichstes Buch ist also „Scary Harry“?

Kaiblinger: Genau. Vor allem der erste Band verkauft sich bis heute richtig gut, auch international. Die Reihe wurde in viele Sprachen übersetzt – unter anderem ins Koreanische, Afrika, Spanische und sogar in Mexiko veröffentlicht. Das passt wunderbar, weil sie dort den Día de los Muertos feiern – das passt perfekt zu Geistern!

Kilian: Wie geht es bei Ihnen weiter?

Kaiblinger: Ich bleibe dem Schreiben auf jeden Fall treu, aber ich suche auch nach neuen Herausforderungen. Im Moment arbeite ich an meinem ersten Roman für Erwachsene – humorvoll, mit Wiener Kaffeehaus-Flair. Und natürlich träume ich davon, dass eines meiner Bücher irgendwann verfilmt wird. Das wäre schon ein großer Wunsch.

Kilian: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Kaiblinger: Etwas mehr Ruhe und wieder mehr Freude beim Schreiben. In den letzten Jahren war es oft ein bisschen Fließbandarbeit. Jetzt will ich lieber Klasse statt Masse – und Geschichten schreiben, die mir wirklich am Herzen liegen.

Kilian: Vielen Dank für das schöne Gespräch!

Kaiblinger: Ich danke euch – es ist toll, wenn sich Schüler so für Bücher interessieren.

Die Stimme eines Schülers:

Selina: Also, wie ist dein Name?

Schüler: Mein Name ist Konstantin.

Selina: Und Konstantin, wie hat dir die Lesung der Autorin Sonja Kaiblinger gefallen?

Konstantin: Sehr gut.

Selina: Welcher Charakter aus dem Buch ist dein Lieblingscharakter?

Konstantin: Scary Harry.

Selina: Warum ist das dein Lieblingscharakter?

Konstantin: Weil er sehr cool aussieht.

Selina: Hast du das Buch schon ein bisschen gelesen?

Konstantin: Ja, ein bisschen, aber ich freue mich darauf, es fertig zu lesen.

Selina: Was würdest du dazu sagen?

Konstantin: Das Buch ist sehr spannend und lustig.

Selina: Vielen Dank, Konstantin!







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