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Neuer Hervis-Eigentümer und Snipes-Gründer Sven Voth im Interview über Geld und Star-Allüren

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Volontär · Wiener Mittelschule mit ökologischem Schwerpunkt
27.01.2026
6 Min.
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Sven Voth ist der Gründer des global erfolgreichen Streetwear- und Sneaker-Retailers Snipes, den er 1998 in Essen startete und über mehr als 25 Jahre zu einer Marke mit über 750 Filialen in Europa und den USA und knapp zwei Milliarden Euro Jahresumsatz ausbaute. Gegenüber campus a college erzählt Voth, wie er Unternehmer wurde, welche Herausforderungen er auf seinem Weg meistern musste und welche Erkenntnisse er jungen Menschen mitgibt.

Die drei campus a college Redakteure trafen Sven Voth, den Gründer von Snipes, in seinem Büro in Wien. (Foto: privat)

Campus a college: Wie bist du dazu gekommen, Unternehmer zu werden?

Sven Voth:  Grundsätzlich ist Verkaufen ein Talent. Das hast du, oder du hast es nicht. Ich habe sehr früh angefangen, Dinge verkaufen zu wollen. Das heißt, ich habe mir immer so eine Decke genommen, mich irgendwo an die Straße oder vor den Supermarkt gesetzt und habe meine Spielsachen verkauft. Das war natürlich nicht im Sinne meiner Eltern, dass ich all meine Spielsachen verkaufe, aber Verkaufen war immer das große Thema

Welche Jobs hattest du, bevor du erfolgreich warst?


Voth: Eigentlich fast alle. Meine Eltern hatten nicht die Möglichkeiten, mir sehr viel zu ermöglichen. Also egal, ob es mein erstes Fahrrad oder mein erstes Mofa war, das habe ich mir alles selbst erarbeitet, weil meine Eltern halt nicht viel Geld hatten. Dementsprechend habe ich mit 13 angefangen zu arbeiten. Der erste Job war Rasenmähen. 

Und was war der schlimmste Job?

Voth: Das war auf einem Schlachthof, in einer Gummischürze und Gummistiefeln. Da musste ich mit einem Schlauch das Blut und die Innereien der Tiere in Tanks zu spülen und Fleischerhaken reinigen. Da muss ich zugeben, das habe ich nicht lange durchgehalten.

Wie kamst du dann in den Verkauf?

Voth: Ich habe mit 15 begonnen als Verkäuferaushilfe zu arbeiten. Dort hat mich der Eigentümer quasi als Schüler zum Filialleiter gemacht. Das heißt, ich bin nach der Schule dahin und hatte da schon was zu Sagen. Das war natürlich toll. 

Studieren war für dich nie ein Thema?

Voth: Doch. Nach dem Abitur bin ich bei meinem Chef gesessen und der hat gesagt: „ hör mal, warum willst du das machen?“ Als junger Mann hatte ich immer große Pläne: ich will ganz viel Geld verdienen, ich will reich werden, ich will Millionär werden, was auch immer. Dann habe ich ihm gesagt, was ich verdienen möchte im Monat, wenn ich dann studiert habe. Darauf hat er gesagt: „pass mal auf, du bleibst bei mir, machst mit mir Filialen auf und du kriegst das Geld direkt jetzt, ohne zu studieren.“

Sven Voth im Gespräch mit campus a college.

Sven Voth im Gespräch mit campus a college.privat

Schulzeit

Würdest du noch einen Tag normaler Schüler sein, was würdest du am meisten genießen?

Voth: Ich würde die Freiheit und die Drucklosigkeit genießen. Ich habe das Schulgame relativ schnell durchschaut. Viele jammern über zu viele Hausaufgaben oder zu viel Vorbereitung auf eine Arbeit oder auf einen Test. Aber Lehrer sind auch nur Menschen. Das heißt, wenn du im Unterricht nicht die ganze Zeit irgendeinen Blödsinn machst, sondern aufmerksam zuhörst, dann erzählt der Lehrer dir eigentlich alles, was in dem nächsten Test kommt. 

Welche Schulen hast du besucht und in welchen Fächern hattest du schlechte und gute Noten? 

Voth: Ich bin zur Grundschule gegangen und nach der 4. Klasse ins Gymnasium. In Englisch, Erdkunde, Geschichte,  musst du eigentlich nur ganz gut aufpassen und halbwegs konzentriert sein, dann klappt das schon. Fächer wie Chemie zum Beispiel, wo du nur lernen musst, da war ich ein Albtraum. Physik war immer schwierig, auch da musstest du viele Formeln lernen und all diese ganzen Dinge und das war nicht so einfach. 

Und Mathe? 

Voth: Mathe ist das spannendste Thema gewesen, ich kann gut rechnen. Meine Mitarbeiter nennen mich Texas Instruments, weil ich nie einen Taschenrechner brauche, ich rechne alles im Kopf.

"Im Moment merkt man aber gerade, dass die zweite große E-Commerce Welle kommt. Also Leute bestellen wieder mehr und gehen wieder weniger ins Geschäft."

"Im Moment merkt man aber gerade, dass die zweite große E-Commerce Welle kommt. Also Leute bestellen wieder mehr und gehen wieder weniger ins Geschäft."privat


Die Zukunft des Einzelhandels und in Österreich

Wenn du von neu anfangen würdest du nur E-Commerce machen oder lieber selbstständig eine Geschäftsmarke? 

Voth: Das ist ja tatsächlich Geschmackssache. Wenn du mich persönlich jetzt fragst, ich mag halt diese physischen Momente mit Menschen, ich mag mich gerne austauschen mit Leuten, ich mag gerne, dass Leute zu mir ins Geschäft kommen und ich bin quasi der Gastgeber für ihren Einkauf. Im Moment merkt man aber gerade, dass die zweite große E-Commerce Welle kommt. Also Leute bestellen wieder mehr und gehen wieder weniger ins Geschäft.

Worauf muss man achten, wenn man Stores international eröffnet?

Voth: Du musst Dinge verstehen, die in Ländern anders sind. Alles, was in Deutschland funktioniert, funktioniert wahrscheinlich auch in Österreich und der Schweiz. Es funktioniert wahrscheinlich auch in Polen und in abgewandelter Form auch in Holland. Aber es funktioniert zum Beispiel sicher nicht in Frankreich. Wir reden immer von dem French Code.

Was sind die Besonderheiten in Österreich?

Voth: Österreich ist recht konservativ, so dass der Kunde hier mehr auf Tradition setzt als auf den neuesten Trend. 

„Wir treffen uns um vier bei Snipes!“ Das war mein Ziel. Das stand über jedem Geld, über jeder Zahl, über jedem Turnschuh, über allem. “

"„Wir treffen uns um vier bei Snipes!“ Das war mein Ziel. Das stand über jedem Geld, über jeder Zahl, über jedem Turnschuh, über allem. “privat


Ziele, Träume, Geld

Viele in meiner Klasse träumen davon, einmal viel Geld zu haben. Würdest du sagen, dass das ein gutes Ziel ist? 

Voth: Grundsätzlich ist es wichtig, überhaupt ein Ziel zu haben. Viel Geld zu verdienen, ist kein schlechtes Ziel. Mein Ziel war von Anfang an glasklar. Ich wollte, dass die Kids aus der Schule rauskommen und sich noch kurz zurufen: „Wir treffen uns um vier bei Snipes!“ Das war mein Ziel. Das stand über jedem Geld, über jeder Zahl, über jedem Turnschuh, über allem. Wenn du das schaffst, kommt das Geld von alleine.

Würdest du sagen, Geld ist wichtig? 

Voth: Geld ist immer wichtig. Ich falle tot um, wenn mir jemand erzählt, ich soll für einen Ofenkartoffel zwölf Euro bezahlen. Es gibt viele Menschen, die heutzutage sagen, Geld ist nicht das Wichtigste. Spätestens wenn sie Hunger haben, wird es gerade wieder wichtig. Ich glaube, Geld ist immer ein wichtiges Thema, um sich einen Lebensstandard ermöglichen zu können.

Das ist mein vorletztes Jahr in der Mittelschule. Was würdest du mir raten, wenn ich auch Unternehmer werden möchte, so wie du?

Sven Voth: Für mich geht es immer um „Dream Big“. Ich glaube nicht, dass man erfolgreich wird mit Dingen, die man nicht liebt und an die man nicht glaubt. Es gibt ein holländisches Sprichwort, was mich und meine Mitarbeiter sehr lange schon begleitet und was uns sehr hilft. Dieses Sprichwort heißt: „Nein haben wir schon, Ja können wir kriegen!“

Kannst du uns ein Beispiel nennen?

Voth: Das heißt, wir fragen alles. Beispielsweise hat Michael Jordan meinen Store in Hamburg aufgemacht und jeder auf der ganzen Welt hat gesagt, Michael Jordan wird niemals deinen Store eröffnen. Aber deswegen wird er auch von niemandem jemals gefragt, weil alle denken, der sagt ja sowieso nein. Mir ist das egal, ich frage halt.

Ich bin ein großer Fan von Kanye West und Eminem. Wer hat Sie am meisten beeindruckt und warum?

Voth: Ich hatte nie Idole. Der eine kann super Basketball spielen, der nächste kann super rappen, der nächste ist ein super Schauspieler, aber vielleicht kann einer von euch besonders gut schwimmen oder besonders gut turnen oder irgendwas. Ich mag die am liebsten, die normale Leute geblieben sind. Macklemore oder DJ Khaled wären ein Beispiel. Es gibt aber auch bekannte Musiker:innen, die nicht einmal „Hallo“ sagen würden. 

Wem vertraut Sven?

Auf wen kannst du dich dein Leben lang verlassen?

Voth: Mir fällt jetzt als allererstes Claudia Scharnhop (Anmerkung: General Manager von Svens Unternehmen) ein. Claudia ist jetzt seit 29 Jahren bei mir. Sie ist durch jeden Job immer mitgegangen und hat mit mir Snipes aufgebaut. Als das Snipes Kapitel zu Ende war, habe ich gesagt, ich gehe nach Wien. Dann sagt sie: „Alles klar, wir gehen nach Wien.“ Sowas gibt es nicht so oft. Vertrauen und Loyalität ist das Wichtigste bei so etwas. Das kannst du weder kaufen noch trainieren. Claudia hat den Zugang zu allem von mir, auch zu meinem Privatkonto.

Nach welchen Kriterien entscheidest du, wem du vertraust?

Voth: Bauch. Das ist keine Sicherheit, aber das eine oder andere Risiko musst du nehmen und es wird dich auch mal jemand enttäuschen. Damit musst du dann leben. Du musst Vertrauen schenken bis zu einem gewissen Grad. Vertrauen ist auch etwas, was immer wächst. Also was ich eben mit Claudia gesagt habe, nach 29 Jahren gibt es halt blindes Vertrauen. Aber nach fünf Jahren hat sie noch nicht den Zugang zu meinem privaten Konto gehabt. Das wächst mit der Zeit. 

Vielen Dank für deine Zeit!




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