Das Lenkrad dreht sich wie von Geisterhand. Keine Menschenseele sitzt auf dem Fahrersitz, während der Jaguar sanft durch die steilen Straßen von San Francisco manövriert. Wir sitzen auf der Rückbank unseres ersten Waymo, so heißen die vollautonomen Taxis von Google, die in einigen US-Metropolen bereits völlig ohne Fahrer am normalen Straßenverkehr teilnehmen und per App wie ein Uber bestellt werden.
Während wir gebannt auf den Screen in der Mittelkonsole schauen, erfassen die Sensoren des Autos Passanten, Radfahrer und Ampeln in Echtzeit. Das Auto blinkt, wartet geduldig an einer Kreuzung und biegt geschmeidig ab, völlig ohne menschliches Zutun.
„Das fühlt sich so surreal an, aber irgendwie auf eine vollkommen entspannte Art“, meinte meine Schwester, während sie fasziniert das leere Lenkrad filmte. Man sitzt einfach nur drin, schaut aus dem Fenster und lässt die Stadt an sich vorbeiziehen.
Von der High-Tech-Metropole ins Naturwunder
Der Kontrast zu dieser futuristischen Taxifahrt folgte nur wenige Tage später mitten in der Wüste von Arizona. Im Lower Antelope Canyon fiel das Sonnenlicht in schmalen, goldenen Bahnen durch die engen Felsspalten weit über uns. Die geschwungenen Sandsteinwände leuchteten in tiefem Orange und Rot. Unten auf dem weichen Sandboden herrschte eine Stille, die man nach den lauten Tagen in der Stadt erst einmal verarbeiten musste. Kein Motorengeräusch, keine Hektik, einfach nur gewaltige Natur.

Warum Strandurlaub oft überschätzt wird
Sonne, Strand und Meer sind natürlich schön für ein paar Tage Faulenzen. Aber so richtig den Kopf frei kriegt man vom reinen Herumliegen auf einer Liege selten. Für mich muss ein Urlaub etwas anderes können: Er muss dich komplett aus dem Alltag reißen und dir das Gefühl geben, dass Zeit für ein paar Wochen keine Rolle spielt.
Genau das ist auf den Highways zwischen Kalifornien, Nevada und Arizona passiert. Stundenlang auf schnurgeraden Straßen fahren, die Lieblingsplaylist aufdrehen, den Blick über die flirrende Hitze am Horizont schweifen lassen und abends schließlich im bunten Lichtermeer von Las Vegas ankommen.

Das Gefühl von absoluter Freiheit
Ein perfekter Urlaub besteht nicht daraus, eine Sehenswürdigkeit nach der anderen auf einer Liste abzuhaken oder hunderte Fotos für Social Media zu schießen. Es sind die Momente, in denen man im Hier und Jetzt ankommt.
Das Gefühl, an einer einsamen Tankstelle im Nirgendwo zu stehen, den heißen Wüstenwind zu spüren und zu wissen, dass man heute absolut nichts erledigen muss. Der Weg ist das Ziel, der Tank ist voll, und vor einem liegt einfach nur die Straße. Es sind genau diese Erlebnisse, das fahrerlose Auto in San Francisco, die magische Ruhe im Canyon und die endlosen Fahrten durch die Wüste, die im Kopf hängen bleiben und einen selbst Monate später noch durchatmen lassen.
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