Neun Wochen - klingt besser, als es ist
Der letzte Schultag ist für mich einer der besten Tage im Jahr. Die Schultasche landet in der Ecke, der Wecker wird abgeschaltet und plötzlich gibt es keine Hausübung, keinen Test und keinen Stundenplan mehr.
Am Anfang sind neun Wochen deshalb großartig.
Aber irgendwann passiert etwas Komisches: Man steht auf und weiß nicht mehr, welcher Tag ist. Man trifft sich weniger, manche sind auf Urlaub, andere arbeiten oder haben Ferienbetreuung. Nach sieben oder acht Wochen freut man sich teilweise sogar wieder darauf, die eigenen Mitschüler zu sehen.
Trotzdem würde ich nicht einfach drei Wochen streichen. Ich würde sie anders verteilen.
Mein Vorschlag: sechs Wochen im Sommer, dafür mehr Pausen im Schuljahr
Mein Modell wäre ziemlich einfach: Der Sommer bleibt mit sechs Wochen lang genug für Urlaub und Erholung. Die drei zusätzlichen Wochen werden auf das Schuljahr verteilt. Eine Woche könnte zu den Semesterferien dazukommen, eine zu den Osterferien und eine als zusätzliche freie Woche rund um den Herbst.
Der Vorteil wäre, dass Schülerinnen und Schüler nicht neun Wochen am Stück ohne Schule haben, dafür aber öfter eine richtige Pause bekommen.
Das wäre auch für Familien interessant. Österreich hat derzeit bereits Herbst-, Weihnachts-, Semester-, Oster- und Pfingstferien. Die konkreten Termine sind je nach Schuljahr und Bundesland unterschiedlich.
Natürlich löst eine andere Verteilung nicht plötzlich jedes Betreuungsproblem. Aber sie könnte den Sommer zumindest etwas entschärfen.
„Neun Wochen sind für uns jedes Jahr ein organisatorisches Problem“
Um zu verstehen, wie das für Familien aussieht, habe ich mit meiner Tante Julia gesprochen. Sie ist Mutter von zwei Kindern im Volksschulalter und arbeitet fünf Tage pro Woche.
„Meine Kinder haben neun Wochen frei, ich habe fünf Wochen Urlaub“, erzählt sie. „Das geht sich einfach nicht aus.“
Bei ihr beginnt jedes Jahr dieselbe Planung. Zuerst werden die Urlaubstage zwischen ihr und ihrem Mann aufgeteilt. Danach kommen ein paar Tage bei den Großeltern dazu. Für die restliche Zeit werden Feriencamps und Betreuung organisiert.
„Alleine für zwei Wochen Feriencamp für beide Kinder zahlen wir mehrere hundert Euro“, sagt sie. „Und selbst dann müssen wir schauen, wie wir die restlichen Tage schaffen.“
Genau hier zeigt sich das Problem: Sechs Wochen Sommerferien wären für ihre Familie nicht automatisch perfekt. Aber drei Wochen weniger im Sommer würden zumindest einen Teil der Betreuungszeit reduzieren.
Aber neun Wochen haben auch Fans
Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Meine Mitschülerin Lena sieht das komplett anders.
„Sechs Wochen sind viel zu wenig“, sagt sie. „Im Sommer will ich mit meiner Familie auf Urlaub fahren und trotzdem noch genug Zeit mit Freunden haben. Wenn die Schule früher anfängt, ist der Sommer einfach schneller vorbei.“
Sie hat einen Punkt.
Nicht jede Familie kann den Urlaub problemlos in andere Ferienzeiten verschieben. Außerdem haben viele Eltern selbst nur ungefähr fünf Wochen Urlaub. Wenn eine zusätzliche Ferienwoche im Herbst kommt, muss auch dafür jemand zu Hause sein.
Eine reine Verschiebung würde das Betreuungsproblem deshalb tatsächlich nur teilweise verlagern.
Die drei Wochen dürfen nicht einfach verschwinden
Genau deshalb würde ich die Ferien nicht bloß kürzen und sagen: „Problem gelöst.“ Das wäre zu einfach.
Wenn Österreich auf sechs Wochen Sommerferien umstellen würde, müsste gleichzeitig die Betreuung in den anderen Ferien besser funktionieren. Schulen, Gemeinden und Vereine könnten mehr Angebote schaffen. Auch Arbeitgeber müssten stärker berücksichtigen, dass Eltern nicht neun Wochen Urlaub nehmen können.
Schon heute werden Ferienbetreuung und Sommerschule als Möglichkeiten genutzt, um Familien zu entlasten. Das Bildungsministerium organisiert etwa die Sommerschule in den letzten beiden Ferienwochen.
Der nächste Schritt wäre also nicht weniger Freizeit, sondern eine bessere Verteilung davon.
Warum ich trotzdem für sechs Wochen bin
Ich würde mich selbst wahrscheinlich zuerst darüber ärgern, wenn plötzlich drei Wochen Sommerferien fehlen. Wer freut sich schon über einen früheren Schulbeginn?
Aber wenn ich wählen müsste zwischen neun langen Wochen am Stück und einem Schuljahr mit sechs Wochen Sommerferien plus zusätzlichen Pausen, würde ich mich für die zweite Variante entscheiden.
Sechs Wochen reichen für einen Sommerurlaub, für Freibadnachmittage, Reisen, Freunde und Tage, an denen man einfach nichts macht. Gleichzeitig hätten Familien weniger lange Betreuungszeiträume zu überbrücken, und Schülerinnen und Schüler würden nicht neun Wochen auf den nächsten Schulbeginn warten.
Ich will nicht weniger Freizeit - ich will Ferien, die besser über das Jahr verteilt sind. Sechs Wochen Sommer und dafür öfter eine echte Pause dazwischen wären für mich deshalb der bessere Deal.
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