Sechs Anbieter im Check: Was wir über unseren Pizzakarton nicht erfahren

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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25.08.2026
4 Min.

Ob Mittagspause, Lernabend oder Hunger nach dem Training: Eine Pizza ist schnell bestellt. Seit August begrenzt die EU bestimmte langlebige Chemikalien in ihrer Verpackung. Meine Recherche bei sechs Anbietern zeigt, dass wir bei fünf davon nicht nachvollziehen können, wie ihre Kartons die neuen Regeln erfüllen.

Sechs Anbieter im Check, doch nur einer zeigt einen Beleg für die neuen Grenzwerte: Wie viel wissen wir wirklich über den Karton direkt unter unserer Pizza? (Foto: pixabay)

Zwischen Schulheften und Trinkflaschen klappt der Deckel auf. Dampf steigt hoch, Käse zieht Fäden und Fett sickert in den Karton. Seine Unterseite bleibt trocken.

Dafür setzten Hersteller lange auch PFAS ein. Hinter der Abkürzung stecken über 10.000 künstliche Chemikalien, die Fett und Wasser abweisen und in der Umwelt oft kaum zerfallen. Seit 12. August 2026 dürfen neue Lebensmittelverpackungen nur auf den EU-Markt kommen, wenn sie drei vorgeschriebene Höchstmengen unterschreiten. Ab einem dieser Werte darf ein Karton nicht mehr neu auf den Markt. Kleine Spuren darunter bleiben erlaubt.

„Wenn ich mir in der Mittagspause schnell etwas Billiges hole, will ich nicht auch noch Chemikalien mitessen, die meiner Gesundheit schaden können“, sagt Christian, 17, aus meiner Klasse.

Für die Pause praktisch, für Jahrzehnte ein Problem

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Der Name klingt kompliziert, die Wirkung ist einfach: Fett, Wasser, Hitze und Schmutz können diesen Stoffen wenig anhaben. Im Karton halten sie das Pizzaöl auf. Gelangen sie in Böden und Gewässer, bleiben viele dort über Jahrzehnte erhalten. Daher heißen sie „Ewigkeitschemikalien“.

Über Trinkwasser und Lebensmittel können sie in unseren Körper gelangen. Auch Verpackungen, die unser Essen berühren, können eine Quelle sein. Der Chemiker Christopher Gerner von der Universität Wien nennt die neuen Grenzen „absolut notwendig, richtig und überfällig“. Vor allem Kinder und junge Menschen hätten bisher viel zu viel davon aufgenommen, erklärt er.

Forschende bringen einzelne Vertreter unter anderem mit Schäden an Leber und Immunsystem sowie mit Fruchtbarkeitsproblemen in Verbindung. Umweltwissenschaftler Thilo Hofmann von der Universität Wien sagt: „Die Bandbreite der negativen gesundheitlichen Wirkungen ist groß.“

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit untersuchte vier bekannte Stoffe. Wir sollten davon zusammen höchstens 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche aufnehmen. Ein Nanogramm ist ein Milliardstel Gramm. Eine Pizza macht uns nicht krank. Kleine Mengen aus verschiedenen Quellen können sich aber über Jahre summieren.

Sechs Tabs, fünfmal kein sichtbarer Beleg

Auf meinem Bildschirm stehen sechs Angebotsseiten nebeneinander. Am 25. August prüfte ich Anbieter für den österreichischen Markt. Entscheidend waren drei Fragen: Wird PFAS erwähnt? Werden die neuen Höchstmengen genannt? Ist ein Beleg für ihre Einhaltung verlinkt?

Pizzakarton.at nennt Wellpappe und Lebensmitteleignung. Kartona verspricht Kartons für heiße und fettige Speisen. FoodPack wirbt mit umweltfreundlichen, abbaubaren Boxen, Dekora mit Logodruck und Preis. Transgourmet nennt Österreich als Herkunft. Auf keiner dieser fünf Seiten finde ich Angaben zu den Chemikalien, den Höchstmengen oder ihrer Einhaltung.

Rausch verlinkt als einziger Anbieter Erklärungen für einzelne Kartongrößen. Laut Unternehmen bestätigen sie, dass die Kartons den neuen EU-Regeln sowie den gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit entsprechen.

Das Ergebnis steht fest: Auf fünf von sechs geprüften Seiten bleiben die neuen chemischen Vorgaben für uns unsichtbar. Das beweist keinen Verstoß. Es zeigt aber, dass wir Farbe, Größe und Stückzahl vergleichen können, nicht jedoch den Nachweis für die Schachtel direkt unter unserem Essen.

Was die Unternehmen jetzt belegen müssen

Das EU-Gesetz für Verpackungen legt drei Werte fest. Sucht ein Labor nach einem bestimmten Stoff, gelten 25 Mikrogramm pro Kilogramm Verpackung. Für mehrere einzeln gemessene Stoffe zusammen gelten 250 Mikrogramm. Ein breiter Test, der auch größere chemische Formen erfasst, setzt die Grenze bei 50 Milligramm.

Ein Mikrogramm ist ein Millionstel Gramm, ein Milligramm ein Tausendstel. Der dritte Wert ist höher, weil dieser Test mehr erfasst. Die Zahlen messen daher nicht dasselbe.

Hersteller und Importeure müssen mit Prüfunterlagen belegen, dass ihre Kartons die Werte unterschreiten. Behörden können diese Nachweise kontrollieren. Für uns bleibt die Prüfung beim Bestellen unsichtbar: Auf der Schachtel steht weder ein Messwert noch ein Hinweis darauf.

Aaron, 16, eine Schulstufe unter mir, blickt zuerst auf die Pizza. „Von diesem Zeug sollte man ohnehin die Finger lassen, egal, was in der Verpackung steckt. Im Essen selbst ist schon genug drin, das uns nicht guttut“, sagt er. Das Fett sehen wir auf dem Käse glänzen. Die Stoffe im Karton hinterlassen weder Geschmack noch Geruch.

Was der Fettfleck nicht verrät

Nach dem Essen bleibt ein Karton mit einem dunklen Kreis zurück. Darauf liegt ein Öltropfen wie eine glänzende Perle. Das zeigt eine fettabweisende Oberfläche, beweist aber keine Belastung. Auch Silikon kann diesen Effekt erzeugen. Nur ein Labor kann einzelne Chemikalien messen und nach Fluor suchen, das in PFAS steckt.

Die AGES prüfte 2025 insgesamt 24 Papier- und Kartonprodukte ohne besondere Beschichtung. Sie beanstandete keine Probe, untersuchte aber keine eigene Auswahl aktueller Pizzakartons. Für alle Schachteln in Österreich liefert das keine Entwarnung.

Die Pizza ist schnell gegessen. Wenn der Karton sicher sein soll, warum bleibt der Beweis ausgerechnet für uns unsichtbar?


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