Eine Geschichte erzählt mein Opa Norbert besonders gerne, weil sich dabei ein Lehrer selbst ein bisschen ausgetrickst hat. In seiner Klasse gab es einen Burschen, der während des Unterrichts ständig dazwischenredete. Eines Tages forderte ihn der Lehrer auf, sich für eine Stunde ganz vorne hinsetzen und „ordentlich mitzuarbeiten“.
„Der hat sich dann hingesetzt, als wäre er der bravste Schüler der ganzen Schule“, erzählt Norbert. Die Klasse musste lachen, aber danach wurde es noch lustiger. Der Lehrer drehte sich zur Tafel, bemerkte nicht, dass die Kreide ausgegangen war, und schickte ausgerechnet den neuen „Musterknaben“ zur Tafel, um die nächste Aufgabe aufzuschreiben. Der stellte sich hin und wusste plötzlich selbst nicht mehr weiter. „Wir haben uns kaum noch eingekriegt“, erinnert sich Norbert. Am Ende musste sogar der Lehrer lachen.
Norbert meint, solche Momente habe es früher öfter gegeben. Der Unterricht sei meistens strenger gewesen, aber nicht jede Situation habe gleich mit einer großen Strafe geendet. Manchmal habe auch ein gemeinsames Lachen gereicht, damit sich die Stimmung wieder beruhigte.
Die Klassenfahrt, bei der plötzlich der Bus weg war
Auch an eine Klassenfahrt erinnert sich Norbert noch ziemlich genau. Die Klasse war mit dem Bus unterwegs und machte irgendwo auf dem Land eine längere Pause. Einige Schülerinnen und Schüler gingen ein Stück spazieren, andere blieben beim Bus. Als die Gruppe wieder zurückkam, war der Bus plötzlich nicht mehr dort.
„Wir haben zuerst geglaubt, die Lehrer machen einen Scherz“, erzählt Norbert. Das war aber nicht der Fall. Der Busfahrer war ein Stück weitergefahren, weil er dachte, alle wären wieder eingestiegen. Einige Minuten lang wusste niemand genau, was jetzt passieren würde. Die Lehrer versuchten, die Situation zu klären, während die Schülerinnen und Schüler zwischen Aufregung und Schadenfreude schwankten.
Zum Glück war der Bus nicht weit entfernt und kam kurze Zeit später wieder zurück. Für Norbert war das Ganze trotzdem aufregend. Heute würde wahrscheinlich sofort jemand anrufen oder eine Nachricht schicken. Damals musste man einfach warten und darauf vertrauen, dass die Erwachsenen die Situation lösen.
Der Streich, den niemand vergessen hat
Am meisten lachen muss Norbert bei seiner dritten Geschichte. Gemeinsam mit zwei Freunden hatte er sich in der Schule einen Streich ausgedacht. Sie wussten, dass ein Lehrer immer denselben Weg ins Klassenzimmer nahm. Also beschlossen sie, kurz vor dem Unterricht einen Stapel leerer Kartons so vor die Tür zu stellen, dass es beim Öffnen aussah, als würde alles umfallen.
„Wir dachten, das wäre genial“, sagt Norbert. Ganz so genial war die Idee dann aber doch nicht. Der Lehrer öffnete die Tür, sah die Kartons und blieb einfach stehen. Danach schaute er die drei Verdächtigen der Reihe nach an. Gesagt habe er zuerst gar nichts. „Das war eigentlich schlimmer, als wenn er uns angeschrien hätte.“
Die drei mussten die Kartons wieder wegräumen und bekamen eine ordentliche Standpauke. Norbert erinnert sich trotzdem gerne daran. Nicht, weil der Streich besonders spektakulär gewesen wäre, sondern weil die ganze Klasse noch wochenlang darüber gesprochen habe.
Und dann klingelt es wieder
Zum Schluss frage ich Norbert, woran er sich aus seiner Schulzeit am liebsten erinnert. Er schaut kurz aus dem Fenster und sagt: „Eigentlich an die Pausen.“ Nicht an die großen Prüfungen, nicht an die Noten, sondern an die zehn Minuten dazwischen. An Gespräche, Blödsinn, Rennen über den Gang und an das Gefühl, dass die nächste Stunde noch ein bisschen warten kann.
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