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Schulschluss vor der nächsten Hitzewelle

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
08.07.2026
3 Min.

Wenn das Thermometer im Klassenzimmer höher steht als am Strand, ist etwas grundlegend falsch gelaufen. Genau das passiert inzwischen jeden Juni in Österreich. Die Sommerferien um zwei Wochen vorzuverlegen wäre keine Verwöhnung, sondern längst überfällige Anpassung an ein Klima, das sich verändert hat, während der Stundenplan stehen geblieben ist.

Hitze im Klassenzimmer: Bei Temperaturen von bis zu 39 Grad wird konzentriertes Lernen zur Belastungsprobe. (Foto: Alexander Höbe)

Am 23. Juni wurden in Wiener Klassenzimmern Temperaturen von bis zu 39 Grad gemessen, in einer oberösterreichischen Klasse mit Glasfront kletterte das Thermometer sogar auf 41 Grad. Die Personalvertretung der Wiener Pflichtschullehrer erhielt allein in einer einzigen Woche mehr als 350 Meldungen über zu hohe Temperaturen aus Schulen. Das sind keine Einzelfälle mehr, sondern ein Muster, das sich Jahr für Jahr wiederholt und dabei immer früher im Kalender beginnt. Wer glaubt, es handle sich um eine vorübergehende Ausnahmesituation, ignoriert, dass genau diese Ausnahme inzwischen zur Regel geworden ist.

Konzentration braucht kühle Räume

Hitze im Klassenzimmer ist kein Komfortproblem, sondern ein handfestes Lernproblem. Eine Befragung von mehr als 1.500 Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften im Rahmen des Forschungsprojekts Climate Ready Schools von AIT und TU Wien zeigt, dass 74 Prozent bei hohen Temperaturen Konzentrationsschwierigkeiten angeben, ebenso viele klagen über Müdigkeit und Erschöpfung, 66 Prozent können dem Unterricht kaum noch folgen, 58 Prozent leiden unter Kopfschmerzen. Wer unter diesen Bedingungen noch ernsthaft Vokabeltests oder Schularbeiten verlangt, bewertet nicht mehr Wissen, sondern Hitzeresistenz. „Junge Menschen reagieren besonders empfindlich auf Hitzebelastung, weil sie schneller Flüssigkeit verlieren und ihr Körper schlechter abkühlt im Vergleich zu Erwachsenen“, sagt Daniela Haluza, Umweltmedizinerin an der Medizinischen Universität Wien. Dieser Satz verdeutlicht, dass es hier nicht um verwöhnte Ansprüche geht, sondern um einen medizinisch begründeten Schutzbedarf, den die Schule bislang schlicht ignoriert.

Zwei Wochen früher, spürbar kühler

Der Vorschlag ist dabei alles andere als radikal. Salzburgs Bildungsdirektor Rudolf Mair hält angesichts der spürbaren Erwärmung eine Vorverlegung der Sommerferien um rund drei Wochen für überlegenswert, Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling argumentiert ähnlich. „Wenn die Hitze im Juni massiv steigt und wir gleichzeitig sehen, dass ab Mitte August zum Beispiel die Tage kürzer werden und auch die Nächte kühler, was auch eine effektivere Kühlung der Räume ermöglichen würde, dann kann man darüber nachdenken und eine Diskussion darüber führen, ob wir die Sommerferien nicht vorverlegen“, sagt Emmerling. Dieser Satz verdeutlicht die einfache Logik dahinter: Zwei Wochen früher im Sommer bedeuten kühlere Nächte am Ende der Ferien und ein deutlich erträglicheres Ende des Schuljahres, ganz ohne teure Bauinvestitionen, die ohnehin Jahre dauern würden.

Ein Gesetz aus einer kühleren Zeit

Dass es hierzulande überhaupt kein automatisches „hitzefrei“ gibt, liegt schlicht daran, dass das Schulzeitgesetz aus einer Epoche ohne verlässlich heiße Juni-Wochen stammt. Schulfrei ist rechtlich nur bei „Unbenützbarkeit des Schulgebäudes“ vorgesehen, ein Klassenzimmer mit 39 Grad zählt formal nicht dazu, auch wenn es sich für alle Betroffenen genauso anfühlt. Statt weiterhin auf Ventilatoren, verschobene Schularbeiten und improvisierten Unterricht im Freibad zu setzen, sollte die Politik den naheliegenden Schritt gehen und den Kalender an die Realität anpassen, anstatt die Realität an einen veralteten Kalender.

Der Einwand mit der Betreuung zählt, aber er überzeugt nicht

Kritiker wie Paul Kimberger von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst wenden ein, dass frühere Ferien das Grundproblem nicht lösen, weil auch Ende August wieder eine Hitzewelle kommen könnte, und verweisen stattdessen auf notwendige Investitionen in Beschattung, Lüftung und Klimageräte. Diese langfristigen Maßnahmen sind zweifellos richtig und dringend nötig. Nur ändert das nichts daran, dass sie Jahre brauchen, während Schülerinnen und Schüler schon diesen Juni wieder in überhitzten Räumen sitzen. Zwei Wochen früher Ferien ersetzen keinen Sonnenschutz und keine Klimaanlage, sie sind aber die einzige Maßnahme, die schon im nächsten Jahr wirken würde, ohne einen einzigen Euro zu kosten.




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