Ich gehe ins Gymnasium und habe immer öfter das Gefühl: Im Unterricht sitzen, zuhören, heimgehen – und dann beginnt das eigentliche Lernen erst.
Ein Beispiel dafür erlebte ich erst vor kurzem in Spanisch. Wir hatten im Unterricht ein neues Thema durchgenommen und einige Aufgaben dazu gemacht. Ich dachte zunächst, ich hätte es verstanden. Als meine Freundin und ich am Abend unsere Unterlagen für den nächsten Test durchgingen, merkten wir aber schnell, dass wir bei vielen Aufgaben nicht wussten, wie wir überhaupt anfangen sollten. Wir verstanden zwar die Erklärungen aus dem Unterricht, konnten das Gelernte aber nicht selbstständig auf neue Aufgaben anwenden.
Also setzten wir uns gemeinsam hin und versuchten, uns das Thema noch einmal selbst beizubringen. Wir schlugen Begriffe nach, suchten Erklärungen im Internet und schauten uns Beispiele an. Danach erklärten wir uns gegenseitig die einzelnen Schritte und rechneten die Aufgaben noch einmal durch. Aus „Wir schauen kurz den Stoff für den Test durch“ wurden schließlich fast drei Stunden, obwohl wir den ganzen Tag in der Schule gewesen waren.
Mangelnde Vorbereitung in der Schule
Solche Abende kenne ich inzwischen ziemlich gut. Meine Freundin und ich sitzen teilweise stundenlang zusammen und versuchen, uns den Stoff von Grund auf selbst beizubringen. Manchmal ist also nicht die Prüfung selbst das Problem, sondern dass wir uns vorher erst das Wissen aneignen müssen, das wir für sie brauchen. Da frage ich mich schon: Sollte Schule nicht genau dafür da sein?
Natürlich gibt es Lehrerinnen und Lehrer, bei denen der Unterricht richtig Spaß macht und bei denen man am Ende auch wirklich das Gefühl hat, etwas verstanden zu haben. Aber manchmal ist „entspannt“ leider auch gleichbedeutend mit „Ich habe danach keine Ahnung, was ich eigentlich können sollte“. Wenn zum Beispiel ein neues Thema nur kurz erklärt wird und danach erwartet wird, dass man es für einen Test selbstständig beherrscht, bleibt vieles offen.
Auf der anderen Seite gibt es Lehrkräfte, bei denen ständig Wiederholungen, Tests oder unangekündigte Abfragen anstehen. Wenn man in einer Stunde schon Angst haben muss, plötzlich aufgerufen zu werden, konzentriert man sich irgendwann mehr darauf, nicht dranzukommen, als darauf, den Stoff wirklich zu verstehen. Dieses dauernde Gefühl, jederzeit geprüft werden zu können, macht Schule einfach anstrengend.
Mehr erklären, weniger Druck
Ich würde mir deshalb vor allem ein gesundes Mittelmaß wünschen. Nicht jeder Stoff muss mit mehreren Tests abgesichert werden. Gerade in Nebenfächern könnte man manchmal unnötige Prüfungen streichen und dafür mehr Zeit zum tatsächlichen Verstehen geben. Eine Unterrichtsstunde, in der man ein Thema wirklich erklärt bekommt und Fragen stellen kann, bringt meiner Meinung nach oft mehr als eine weitere unangekündigte Abfrage.
Vor allem bei der Matura fehlt mir derzeit der Überblick. Ich weiß zwar, dass sie irgendwann auf mich zukommt, aber viele Fragen bleiben offen: Wie genau läuft die Matura ab? Welche Prüfungen kommen auf mich zu? Was muss ich dafür können? Wie wird entschieden, welche Themen wichtig sind? Und wie kann ich mich rechtzeitig darauf vorbereiten? Wenn wir jahrelang auf die Matura vorbereitet werden sollen, sollte die Schule uns auch Schritt für Schritt erklären, worauf wir uns eigentlich vorbereiten.
Schule sollte uns nicht nur durchbringen
Ich wünsche mir Lehrerinnen und Lehrer, die merken, wie viel Mühe Schülerinnen und Schüler tatsächlich investieren. Weniger unnötiger Druck, mehr verständliche Erklärungen und Unterricht, bei dem am Ende wirklich etwas hängen bleibt. Schule muss nicht jeden Tag Spaß machen und natürlich gehört Lernen dazu. Aber Lernen sollte nicht hauptsächlich erst zu Hause stattfinden.
Denn Schule sollte uns nicht einfach von einer Prüfung zur nächsten bringen. Sie sollte uns Wissen, Sicherheit und das Gefühl geben, dass wir auf das vorbereitet werden, was nach der Schule kommt. Genau das wünsche ich mir – nicht weniger Leistung, sondern mehr Unterstützung dabei, sie überhaupt erreichen zu können.
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