Schule könnte so viel mehr sein

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Volontärin · BRG Kufstein
18.08.2026
4 Min.

„Wie lange dauert diese Stunde eigentlich noch?“, denke ich und schaue wieder auf die Uhr. Vorne wird der Stoff erklärt, aber die Stimme des Lehrers klingt so lustlos, dass ich kaum noch zuhöre. Dabei wäre das Thema eigentlich interessant. Trotzdem denke ich nur noch an die Pause. Genau in solchen Momenten frage ich mich: Wenn ich an meiner Schule etwas verändern könnte – was wäre es?

Lehrer sollten ausstrahlen, dass ihnen ihr Fach Freude macht. (Foto: Shutterstock)

Ich gehe in die sechste Klasse eines Gymnasiums in Kufstein und komme bald in die siebte. In den letzten Jahren habe ich deshalb ziemlich viele verschiedene Lehrer erlebt.

Manchmal kommt ein Lehrer in die Klasse, legt seine Sachen auf den Tisch und beginnt einfach, den Stoff herunterzureden. Fragen stellt kaum jemand. Wenn doch, wird kurz geantwortet und gleich weitergemacht. Irgendwann merkt man, wie die ganze Klasse unruhiger wird und die Blicke immer öfter zur Uhr wandern.

Genau da merke ich, wie stark ein Lehrer beeinflussen kann, ob ich mich für ein Fach interessiere oder einfach nur darauf warte, dass die Stunde vorbei ist.

Dabei kann genau dasselbe Fach bei einem anderen Lehrer plötzlich interessant sein. Ein Lehrer, der selbst begeistert ist, kann einen richtig mitreißen. Deshalb würde ich an meiner Schule nicht einfach Lehrer austauschen, nur weil sie streng sind oder einen anderen Unterrichtsstil haben. Ich würde mir Lehrer wünschen, die selbst zeigen, dass ihnen ihr Fach und ihre Schüler nicht egal sind.

Schule muss nicht jede Stunde spannend sein. Aber wenn schon die Person vorne das Gefühl vermittelt, dass sie eigentlich lieber woanders wäre, ist es schwer, selbst motiviert zu bleiben.

Warum muss Latein automatisch dazugehören?

Wenn ich etwas an meiner Schule verändern könnte, würde ich außerdem gerne mehr selbst entscheiden können, welche Fächer zu mir passen.

Bei uns muss man sich in der dritten Klasse zwischen dem naturwissenschaftlichen und dem sprachlichen Zweig entscheiden. Wer den Sprachenzweig wählt, bekommt später automatisch Latein dazu. Genau das würde ich ändern: Für mich sollte Latein ein Wahlpflichtfach sein.

Ich weiß, dass Latein Vorteile haben kann. Es kann beim Verständnis von Wörtern und Sprachen helfen und ist für manche Ausbildungs- und Studienwege durchaus nützlich. Aber ich persönlich habe bisher nicht erlebt, dass es mir beim Lernen anderer Sprachen wirklich viel gebracht hat.

Deshalb finde ich es schade, wenn ein Fach automatisch für alle festgelegt wird, obwohl die Interessen der Schüler ganz unterschiedlich sind. Wer Latein interessant findet, soll es lernen können. Wer sich lieber intensiver mit Naturwissenschaften oder einer anderen Sprache beschäftigt, sollte aber genauso die Möglichkeit dazu haben.

Was wir fürs echte Leben brauchen

Noch wichtiger finde ich aber etwas, das mir in der Schule wirklich fehlt: Wissen über Dinge, mit denen wir später im Alltag tatsächlich zu tun haben.

Zum Beispiel Finanzen.

Ich fände ein Wahlpflichtfach ab der Oberstufe richtig sinnvoll, in dem man lernt, wie das Leben finanziell funktioniert. Was bedeutet brutto und netto? Wie liest man eine Gehaltsabrechnung? Was sind Steuern? Wie funktioniert ein Konto? Und was sollte man wissen, wenn man zum ersten Mal selbst Geld verdient?

Auch Excel wäre für mich ein Thema. Nicht nur irgendeine Tabelle ausfüllen, sondern wirklich lernen, wie man mit einem Programm arbeitet, das einem später in vielen Berufen begegnen kann.

Natürlich gibt es in Österreich Schulen wie HAK oder HAS, die solche Themen stärker behandeln. Aber ich finde, grundlegendes Finanzwissen sollte nicht davon abhängen, welche Schule man besucht.

Denn egal, ob ich später Ärztin, Juristin, Lehrerin oder etwas ganz anderes werde: Ich werde irgendwann Geld verdienen, Rechnungen bezahlen und mit meinem eigenen Einkommen umgehen müssen.

Für mich sollte Schule deshalb nicht nur fragen: „Was musst du für die nächste Schularbeit wissen?“, sondern auch: „Was wirst du in zehn Jahren können müssen?“

Freizeit darf auch etwas bringen

Auch bei den unverbindlichen Übungen würde ich mir mehr Auswahl wünschen. Es gibt bei uns zwar Angebote, was ich grundsätzlich cool finde, aber vieles davon spricht mich persönlich nicht besonders an.

Ich würde lieber ein paar Angebote schaffen, bei denen man etwas ausprobiert und gleichzeitig etwas fürs spätere Leben mitnimmt. Zum Beispiel Videoschnitt oder Fotografie. Auch Erste Hilfe wäre für mich eine sinnvolle Möglichkeit.

Nicht alles, was man in der Schule macht, muss schließlich benotet werden. Manchmal wäre es schon genug, wenn man etwas Neues ausprobiert, das man sonst vielleicht nie kennenlernen würde.

Schule sollte mehr fürs Leben bringen

Wenn ich über all diese Dinge nachdenke, geht es für mich eigentlich immer um dasselbe: Schule sollte nicht nur darauf vorbereiten, die nächste Schularbeit zu schaffen.

Ich gehe jetzt bald in die siebte Klasse und habe noch ein bisschen Schule vor mir. Natürlich ist nicht alles schlecht. Es gibt Lehrer, bei denen Unterricht wirklich Spaß macht, und auch Dinge, die an meiner Schule gut funktionieren.

Aber gerade deshalb merke ich, wie groß der Unterschied sein kann.

Ich würde mir motiviertere Lehrer wünschen, mehr Freiheit bei der Wahl bestimmter Fächer und mehr Wissen über Dinge, die wir später wirklich brauchen. Schule sollte meiner Meinung nach ein Ort sein, an dem man nicht nur für Prüfungen lernt, sondern auch für das Leben danach.

Denn irgendwann kommt der Tag, an dem niemand mehr fragt, was auf der nächsten Schularbeit kommt. Dann müssen wir selbst wissen, wie das echte Leben funktioniert.



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