Schule kann mehr als nur Unterricht sein

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31.08.2026
4 Min.

Wie wäre Schule, wenn Schülerinnen und Schüler mehr mitbestimmen könnten, der Unterricht abwechslungsreicher wäre und weniger Stress verursachen würde? Schon kleine Veränderungen könnten den Schulalltag für viele angenehmer machen.

Gemeinsam lernen: Gruppenarbeit kann den Unterricht abwechslungsreicher machen und die Klassengemeinschaft stärken. (Foto: Maya )

„Wer weiß die Antwort?“ Die Lehrerin schaut durch die Klasse, und sofort hoffe ich, dass sie mich nicht aufruft. Eigentlich habe ich eine Vermutung, aber sicher bin ich mir nicht. Also sage ich lieber nichts. Trotzdem bleibt die ganze Zeit die Angst, dass gleich mein Name fällt. Statt mich auf die Aufgabe zu konzentrieren, denke ich nur daran, was passiert, wenn ich die Antwort nicht weiß. Solche Situationen gehören für viele von uns zum Schulalltag. Dabei glaube ich, dass Unterricht auch anders funktionieren könnte – interaktiver, gemeinsamer und mit weniger Angst davor, etwas falsch zu machen.

Wenn wir uns trauen, etwas zu sagen

Ein Punkt, der mir dabei besonders wichtig ist, ist die Kommunikation zwischen Lehrkräften und der Klasse. Vielleicht kennst du das auch: Mehrere von uns merken, dass wir bei einem Thema nicht mehr mitkommen oder eine bestimmte Art der Erklärung nicht verstehen. In solchen Momenten wäre es hilfreich, offen sagen zu können: „Könnten wir das noch einmal anders machen?“ oder „Könnten wir dazu ein Beispiel gemeinsam durchgehen?“ Manchmal hat man aber das Gefühl, dass solche Vorschläge nicht gerne gehört werden. Wenn eine Lehrkraft genervt oder verärgert reagiert, überlegt man es sich beim nächsten Mal zweimal, ob man überhaupt noch etwas sagen möchte.

Ich würde mir deshalb wünschen, dass solche Rückmeldungen nicht sofort als Kritik verstanden werden. Schließlich geht es nicht darum, einer Lehrkraft zu sagen, dass ihr Unterricht schlecht ist. Manchmal brauchen wir als Klasse einfach eine andere Erklärung oder eine andere Lernmethode. Vielleicht könnte man eine Aufgabe gemeinsam lösen, etwas an der Tafel erklären oder den Stoff in kleinen Gruppen bearbeiten. Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Meinung gehört wird, trauen wir uns meiner Meinung nach auch eher, Fragen zu stellen.

Gemeinsam versteht man manchmal mehr

Gerade deshalb finde ich Gruppenarbeiten und gemeinsame Projekte sinnvoll. Ich habe schon öfter erlebt, dass ich etwas im Unterricht zunächst nicht verstanden habe und es mir später eine Mitschülerin oder ein Mitschüler noch einmal mit eigenen Worten erklärt hat. Plötzlich war der Stoff viel verständlicher. In Gruppen kann man nachfragen, ohne dass sofort die ganze Klasse zuhört, und man kann verschiedene Ideen miteinander vergleichen. Außerdem arbeitet man dabei manchmal mit Personen zusammen, mit denen man sonst kaum spricht. Dadurch kann auch die Klassengemeinschaft besser werden.

Natürlich laufen Gruppenarbeiten nicht immer perfekt. Manchmal arbeitet eine Person mehr als die anderen oder die Gruppe beschäftigt sich zwischendurch mit anderen Dingen. Trotzdem finde ich, dass gut geplante Gruppenarbeiten eine Abwechslung zum normalen Unterricht sein können. Man sitzt dann nicht nur da und hört zu, sondern muss selbst überlegen, erklären und mit anderen gemeinsam eine Lösung finden.

Lernen ohne Angst vor dem Aufgerufenwerden

Am meisten Stress verursacht mir persönlich aber das zufällige Drannehmen. Wenn ich eine Antwort weiß, melde ich mich meistens von selbst. Wenn ich jedoch plötzlich aufgerufen werde, obwohl ich mich nicht gemeldet habe, fühlt sich die Situation ganz anders an. Auf einmal schauen viele in meine Richtung und ich habe das Gefühl, sofort eine richtige Antwort geben zu müssen. Selbst wenn ich vorher vielleicht eine Idee hatte, fällt mir in diesem Moment manchmal gar nichts mehr ein.

Besonders unangenehm ist es, wenn man die Antwort wirklich nicht weiß. Dann muss man vor der ganzen Klasse sagen, dass man keine Ahnung hat oder etwas Falsches antworten. Danach denke ich oft noch länger darüber nach, obwohl der Unterricht längst weitergeht. Dadurch konzentriere ich mich weniger auf das eigentliche Thema. Für mich sorgt das zufällige Drannehmen deshalb nicht dafür, dass ich besser lerne. Es führt eher dazu, dass ich angespannt bin und hoffe, nicht aufgerufen zu werden.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Lehrkräfte uns gar nicht mehr zum Mitmachen auffordern sollten. Mitarbeit gehört zum Unterricht dazu. Ich finde aber, dass es andere Möglichkeiten gibt, uns als Klasse einzubeziehen. Man könnte zum Beispiel zuerst kurz Zeit zum Nachdenken geben, Antworten mit der Person neben sich besprechen lassen oder fragen, wer seine Idee teilen möchte. So würden sich wahrscheinlich auch einige von uns beteiligen, die sich sonst weniger trauen.

Für mich wäre guter Unterricht deshalb nicht einfach ein Unterricht, in dem möglichst viel Stoff durchgenommen wird. Wichtig ist auch, wie wir uns dabei fühlen. Wir sollten Fragen stellen, Vorschläge machen und Fehler machen dürfen, ohne Angst vor einer unangenehmen Reaktion zu haben. Wenn Lehrkräfte und wir als Schülerinnen und Schüler mehr miteinander arbeiten und auch gegenseitig zuhören würden, könnte Schule meiner Meinung nach ein Ort sein, an dem wir nicht nur mehr lernen, sondern uns auch wohler fühlen.




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