Nicht jeder lernt gleich
„Ich habe so viel gelernt und trotzdem verstehe ich es einfach nicht.“ Eine Freundin von mir saß nach einer Mathe-Schularbeit neben mir und war völlig enttäuscht. Sie hatte mehrere Tage gelernt und trotzdem das Gefühl, dass es nicht gereicht hatte. Dabei gehört sie in Deutsch zu den Besten und kann unglaublich gut schreiben. In diesem Moment habe ich mich gefragt, warum in der Schule oft erwartet wird, dass alle Schüler*innen in denselben Bereichen ähnlich gute Leistungen bringen.
Grundsätzlich finde ich unser Schulsystem wichtig und in vielen Bereichen auch gut. Schule vermittelt Wissen, bereitet auf das spätere Leben vor und gibt jungen Menschen die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Trotzdem glaube ich, dass stärker berücksichtigt werden sollte, dass nicht jeder Mensch gleich lernt.
Während manche Schüler*innen Mathematik sehr schnell verstehen, brauchen andere dafür deutlich länger. Dafür liegen ihre Stärken vielleicht beim Schreiben, beim kreativen Arbeiten, in Sprachen oder bei handwerklichen Aufgaben. Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und entwickeln sich auch unterschiedlich schnell. Dabei können viele Dinge eine Rolle spielen, zum Beispiel das persönliche Umfeld, die eigene Entwicklung oder auch unterschiedliche Voraussetzungen.
Zu viel Druck
Gerade deshalb kann der Schulalltag für manche Schüler*innen sehr belastend sein. Viele Prüfungen, Hausaufgaben und der Druck, gute Noten zu bekommen, können Stress verursachen. Besonders schwierig finde ich es, wenn jemand wirklich viel lernt und sich anstrengt, aber trotzdem immer wieder schlechte Noten bekommt. Irgendwann kann dadurch das Gefühl entstehen, einfach nicht gut genug zu sein.
Ich finde deshalb, dass stärker darauf geachtet werden sollte, was einzelne Schüler*innen brauchen. Wer in einem Fach Schwierigkeiten hat, sollte Unterstützung bekommen, ohne sich dafür schämen oder schlecht fühlen zu müssen. Gleichzeitig sollten auch die persönlichen Stärken eines Menschen mehr gefördert werden.
Mehr Chancen für jeden
Noten können zeigen, wie gut jemand bestimmte Aufgaben zu einem bestimmten Zeitpunkt lösen kann. Sie zeigen aber nicht alles, was ein Mensch kann. Kreativität, Hilfsbereitschaft, handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit oder besondere Interessen lassen sich in einer Schularbeit oft nur schwer erkennen.
Deshalb würde ich mir wünschen, dass es in der Schule mehr unterschiedliche Lernwege und mehr Möglichkeiten zur individuellen Förderung gibt. Schüler*innen sollten nicht ständig miteinander verglichen werden, sondern die Chance bekommen, sich in ihrem eigenen Tempo weiterzuentwickeln.
Vielleicht sollte Schule weniger danach fragen, ob alle Schüler*innen gleich gut sind – und öfter danach, worin jeder einzelne Mensch gut sein kann.
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