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Schule damals: „Wir waren schon ziemlich frech“

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
09.09.2026
3 Min.

Als meine Oma Herta von ihrer Schulzeit in Stadtschlaining erzählt, kommen die Erinnerungen sofort zurück: ein versteckter Klassenschlüssel, ein peinlicher Sturz im Schnee und ein Lehrer, vor dem alle Angst hatten. Vieles war damals anders als heute – manches aber erstaunlich vertraut.

Herta (80) aus Stadtschlaining erzählt von ihrer Schulzeit im Burgenland - vom Streich mit dem Klassenschlüssel bis zum alten Zeugnis, das sie bis heute aufbewahrt hat. (Foto: Privat)

Meine Oma Herta ist 80 Jahre alt und in Stadtschlaining im Burgenland zur Schule gegangen. Als ich sie nach ihrer Schulzeit gefragt habe, musste sie kaum überlegen. Die Geschichten kamen sofort, als wären sie erst letzte Woche passiert.

Der Streich mit dem Klassenschlüssel

Die beste Geschichte ist die vom verschwundenen Schlüssel. „Wir haben einmal den Schlüssel vom Klassenzimmer erwischt, als der Lehrer gerade draußen war“, erzählt Herta. „Einer von uns ist damit zum alten Schulhof gelaufen und hat ihn in einem hohlen Baum versteckt. Dann sind wir ganz unschuldig zurück in die Klasse gegangen.“

Der Plan ging fast auf. „Als der Lehrer wiederkommen wollte, war natürlich kein Schlüssel da. Er hat zuerst gedacht, er hätte ihn selbst irgendwo liegen lassen. Irgendwann war die ganze Klasse auf der Suche danach.“

Aufgeflogen ist der Streich wegen eines einzigen Lachanfalls. „Wir haben uns das Lachen kaum verkneifen können. Blöderweise hat einer von uns irgendwann so lachen müssen, dass der Lehrer sofort gewusst hat, dass etwas nicht stimmt. Wir mussten schließlich sagen, wo der Schlüssel ist.“ Die Folgen kamen prompt: „Der Lehrer war richtig sauer, und unsere Eltern haben davon natürlich auch erfahren. Danach war das Thema Streich für uns eine Zeit lang erledigt.“

Ausgerutscht vor der ganzen Schule

Die zweite Geschichte ist Herta bis heute peinlich, auch nach über sechzig Jahren. „Einmal bin ich auf dem Schulweg so spät dran gewesen, dass ich wirklich gerannt bin. Dann bin ich vor der Schule auf einer Eisstelle ausgerutscht und meine Schultasche ist aufgegangen. Die Hefte sind überall im Schnee gelegen.“

Das Timing war das Schlimmste daran. „Und natürlich sind genau in dem Moment die anderen Kinder gekommen. Ich wollte eigentlich nur noch heim.“

Der Lehrer, vor dem alle Angst hatten

Nicht jede Erinnerung ist lustig. An einen bestimmten Lehrer denkt Herta mit gemischten Gefühlen zurück. „Vor einem Lehrer hatten wirklich alle Angst. Wenn er nur den Gang entlanggegangen ist, ist es in der Klasse schon ruhig geworden.“

Auch seine Methode, einen Schuldigen zu finden, hat sich ihr eingeprägt. „Einmal hat jemand hinten einen Radiergummi geworfen. Der Lehrer hat sich umgedreht und gefragt, wer es war. Keiner hat etwas gesagt. Dann hat er einfach die ganze Klasse so lange angeschaut, bis einer angefangen hat zu lachen. Damit war eigentlich klar, wer es gewesen ist.“

Strafen waren damals öffentlich und hart. „Ich erinnere mich an einen Buben, der einmal etwas angestellt hatte und vor der ganzen Klasse stehen musste. Das war schon eine ziemliche Demütigung. Danach war er jedenfalls für eine Weile der ruhigste Schüler überhaupt.“

Was anders war als heute

Herta erzählt auch von Dingen, die sie als Kind kaum hinterfragt hat. „Dass manche Familien weniger Geld hatten, hat man schon mitbekommen. Es gab Kinder, die nicht jedes Jahr neue Sachen bekommen haben. Einer hatte zum Beispiel immer dieselbe Schultasche, obwohl sie schon ziemlich kaputt war.“ Erst im Rückblick versteht sie, was das wirklich bedeutet hat: „Ich glaube, als Kinder hat man gar nicht verstanden, wie schwierig das für die Familie wirklich war.“

Auch zwischen Buben und Mädchen war vieles klar getrennt. „Buben und Mädchen waren zwar gemeinsam in der Schule, aber man hat schon gemerkt, dass vieles getrennt gedacht wurde. Als Kind hat man das nicht komisch gefunden, weil man es einfach nicht anders kannte.“

Ein Schulzeugnis von damals hat Herta bis heute aufgehoben. „Wenn ich das heute anschaue, finde ich vor allem die Schrift interessant. Alles ist mit der Hand eingetragen und wirkt unglaublich ordentlich.“ Und dann lacht sie: „Und dann sehe ich die Noten und denke mir manchmal: So schlecht war ich eigentlich gar nicht.“

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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Kronen Zeitung.

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