Jobben neben der Schule: Warum es immer mehr Schüler tun

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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10.07.2026
3 Min.

Während manche nach der Schule nach Hause gehen und sich ausruhen, beginnt für andere der zweite Teil des Tages. Ob in einer Bäckerei, einem Supermarkt oder einer Segelschule: Schülerinnen und Schüler verdienen sich neben dem Unterricht ihr eigenes Geld, sammeln Erfahrungen und übernehmen Verantwortung. Doch wie gut lässt sich das mit dem Schulalltag vereinbaren?

Immer mehr Schülerinnen und Schüler arbeiten neben der Schule. Ob im Handel, in einer Bäckerei oder im Freizeitbereich – viele verdienen ihr eigenes Geld und sammeln dabei wertvolle Erfahrungen fürs Leben. (Foto: Simon Prinz)

Während manche nach der Schule nach Hause fahren und sich ausruhen, beginnt für andere erst der zweite Teil des Tages. Ob in einer Bäckerei, einem Supermarkt oder einer Segelschule: Einige Schülerinnen und Schüler verdienen neben dem Unterricht ihr eigenes Geld. Sie sammeln erste Berufserfahrungen, lernen mit Kundinnen und Kunden umzugehen und müssen ihren Alltag gut organisieren.

Es ist kurz nach halb fünf Uhr morgens. Während draußen viele Straßen noch leer sind, schiebt Elias frische Semmeln und Brote in die Auslage der Ströck-Filiale. Er kontrolliert die Vitrinen, bereitet die Kassa vor und sorgt dafür, dass alles bereit ist, bevor die ersten Kundinnen und Kunden hereinkommen. Wenige Stunden später sitzt der 17-Jährige bereits wieder im Unterricht der HTL Mödling.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hatte knapp die Hälfte der 17-Jährigen bereits einen Nebenjob. Besonders häufig arbeiten Jugendliche im Handel, in der Gastronomie oder im Freizeitbereich. Manche sparen auf den Führerschein, andere finanzieren sich Hobbys oder legen Geld für später zur Seite.

Früh aufstehen gehört dazu

Seit acht Monaten arbeitet Elias dreimal pro Woche bei Ströck. Rund zwölf Stunden pro Woche steht er hinter der Verkaufstheke, räumt Gebäck ein, bedient die Kassa und hilft beim Sauberhalten der Filiale. Dafür verdient er rund 500 Euro im Monat.

„Am Anfang habe ich den Wecker mehr gehasst als alles andere“, erzählt er lachend. „Mittlerweile bin ich sogar vor dem Wecker wach.“

Mit seinem Gehalt kauft er sich Kleidung und bezahlt Freizeitaktivitäten. Den größten Teil legt er aber für den Führerschein zurück.

„Wenn ich mir etwas kaufe, fühlt es sich einfach anders an, weil ich weiß, dass ich selbst dafür gearbeitet habe.“

Auch seine Eltern unterstützen ihn.

„Wir finden es gut, dass Elias früh selbstständig wird. Wichtig ist nur, dass die Schule immer an erster Stelle steht“, sagen sie.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Alex besucht die HAK Baden und arbeitet seit einem Jahr in der Segelschule Neusiedler See. Zweimal pro Woche hilft er bei Kursen, macht Boote startklar und unterstützt die Trainer. In den Sommerferien ist er deutlich öfter dort.

Etwa 480 Euro verdient er im Monat. Das Geld gibt er für Sportausrüstung, Ausflüge und zum Sparen aus.

„Der schönste Moment ist, wenn jemand zum ersten Mal alleine mit dem Segelboot losfährt und merkt: Ich schaffe das.“

Gerade diese Erfolgserlebnisse machen den Job für ihn besonders.

Seine Eltern freuen sich über seine Entwicklung.

„Alex hat durch den Job viel Selbstvertrauen gewonnen. Wir freuen uns, dass er seine Freizeit sinnvoll nutzt und trotzdem Zeit für die Schule hat.“

Nach der Schule direkt zur Hofer-Filiale

Auch Diego verbindet Schule und Arbeit. Der 17-Jährige besucht die Berufsschule für Handel und Büro Baden und arbeitet seit sechs Monaten in der Hofer-Filiale Wiener Neustadt. Rund 15 Stunden pro Woche räumt er Waren ein, arbeitet an der Kassa und hilft im Lager.

Mit rund 780 Euro monatlich spart er auf ein Auto.

„Wenn Samstagabend alle einkaufen wollen, vergeht die Zeit unglaublich schnell. Danach bin ich zwar müde, aber irgendwie auch stolz, weil wir als Team so viel geschafft haben.“

Seine Eltern stehen hinter seiner Entscheidung.

„Diego ist durch die Arbeit viel selbstständiger geworden. Solange er Schule und Arbeit gut miteinander vereinbaren kann, unterstützen wir ihn.“

Was Lehrkräfte dazu sagen

Thomas Berger, Betriebswirtschaftslehrer an der HAK Baden, sieht Nebenjobs grundsätzlich positiv.

„Solange die schulischen Leistungen nicht darunter leiden, ist ein Nebenjob eine wertvolle Erfahrung. Die Jugendlichen lernen, mit Geld umzugehen, pünktlich zu sein und sich in einem Betrieb zurechtzufinden.“

Erfahrungen, die im Klassenzimmer nicht entstehen

Nach den Gesprächen mit Elias, Alex und Diego ist mir aufgefallen, dass keiner von ihnen zuerst über das Geld gesprochen hat. Viel wichtiger waren die Geschichten, die sie erlebt haben: der erste Arbeitstag, der Kontakt mit Kundinnen und Kunden oder das Gefühl, am Monatsende den ersten selbst verdienten Lohn auf dem Konto zu sehen.

Ich glaube, ein Nebenjob kann uns Dinge beibringen, die in keinem Schulbuch stehen. Man merkt plötzlich, wie viel Arbeit hinter einem frischen Gebäck, einem vollen Supermarktregal oder einem gelungenen Segelkurs steckt. Und vielleicht schaut man danach auch mit etwas mehr Respekt auf die Menschen, die diese Arbeit jeden Tag machen.





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