Schlafwagen statt Sonnenliege. So geht Urlaub entspannter.

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Volontär · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
02.10.2026
4 Min.

Fliegst du 2046 noch in den Urlaub? Ich will allein in einem Nachtzug aufwachen, der gerade ans Meer rollt. Hier ist ein Tag aus diesem Urlaub und drei Gründe, warum er gar nicht so weit weg sein muss.

Wie sieht Urlaub 2046 aus? Ich träume von Nachtzug, Meer und Oktober. (Foto: Shutterstock)

Seit dem 14. Dezember 2025 fährt kein Nightjet mehr von Wien nach Paris. Frankreich hat die staatliche Subvention für die Strecke gestrichen. Das schreibt die Deutsche Bahn auf ihrer Nightjet-Seite. Geblieben sind unter anderem München–Rom und Stuttgart–Venedig. Insgesamt fährt der Nightjet laut der Seite mehr als 25 europäische Metropolen an, Tickets gibt es ab 34,90 Euro.

Der Süden rückt gleichzeitig näher. Seit der Eröffnung der Koralmbahn braucht der Zug von Wien nach Triest 6:38 Stunden statt 9:18, nach Venedig 7:10 statt 7:40 Stunden. Das rechnen die ÖBB vor.

Und die Hitze? Der Zweite Österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel erschien im Juni 2025. Österreich ist demnach seit 1900 um rund 3,1 Grad wärmer geworden, mehr als doppelt so stark wie der globale Schnitt. Hitzeextreme könnten bis zu dreimal so oft vorkommen wie heute, je nachdem, wie viel die Welt noch ausstößt. Wien steht auf der Liste der Städte, in denen die Hitzebelastung rasch steigt.

Ob der August am Mittelmeer 2046 noch Urlaub ist, weiß niemand. Ich plane lieber nicht damit.

Was ich anders plane als heute

Heute reise ich viel mit dem Auto, meistens in der Region. Das will ich ändern. Ich würde mehr mit der Bahn fahren.

Für 2046 drehe ich drei Dinge um. Ich fahre im Oktober statt im August. Ich steige in Wien in den Zug statt ins Auto oder in den Flieger. Und ich rechne die Anreise zum Urlaub, nicht zur Strafe davor.

Allein unterwegs

Solo-Reisen heißt für mich: Ich entscheide, wann ich aussteige. Ich muss keinen Kompromiss zwischen zwei Wünschen aushandeln, weil es nur einen gibt. Ich kann einen Tag früher heimfahren oder drei Tage länger bleiben.

Der Nachtzug passt dazu. Die Deutsche Bahn schreibt, dass im Nightjet Einzelplätze buchbar sind. Dann teilst du das Abteil mit anderen Reisenden. Wer allein bleiben will, bucht im Schlafwagen ein Einzelabteil. Für allein reisende Frauen gibt es im Liege- und Schlafwagen eigene Damenabteile. Die Bahn nennt das auf derselben Seite.

Ich pflege die Zeit allein. Sie ist für mich kein Notnagel, sondern Teil des Urlaubs. Im Zug, am Meer, am Tisch für eine Person: Ich nehme mir die Ruhe, die ich brauche.

Und der Skiurlaub?

Der Winter fällt aus der Rechnung nicht heraus. Laut dem schon erwähnten Klimabericht kann die Schneedecke bis zur Mitte des Jahrhunderts selbst in höheren Lagen um weitere 60 bis 80 Tage kürzer werden. Das hängt vom Ausstoß an Treibhausgasen ab. Ein Urlaub, der vom Schnee abhängt, ist für 2046 ein riskanter Plan.

Wovon früher geträumt wurde

Ich wollte wissen, ob das früher anders aussah. Also habe ich einen Bekannten gefragt, Mitte 30: Wie hast du dir als Kind deinen perfekten Urlaub vorgestellt?

Die Antwort: eine kleine Insel, türkisblaues Wasser, Palmen. Morgens vom Balkon aufs Meer schauen, jeden Tag Eis essen, bis spät abends draußen bleiben. Und ein Flugzeug, denn für ihn begann der Urlaub damals beim Einsteigen. Einen Nachtzug hätte er sich als Urlaubsreise nicht vorstellen können.

Mit etwa 20 fuhr er mit Freunden nach Kroatien. Das Geld war knapp, also ging es mit Zug und Bus, fast einen ganzen Tag lang. An manchen Tagen war das Wetter schlecht, das Zimmer kleiner als erwartet, einmal nahmen sie den falschen Bus. „Aber wir haben unglaublich viel gelacht", sagte mein Bekannter im Gespräch mit mir.

Heute reist er am liebsten langsam und findet Nachtzüge „richtig spannend". Sein Traumurlaub von heute? Abends einsteigen, durch mehrere Länder schlafen, morgens den Vorhang aufziehen. „Früher dachte ich, zum Traumurlaub gehört vor allem ein besonderer Ort. Heute glaube ich, dass schon die Reise selbst ein Teil des Abenteuers sein kann."

Das Meer ist geblieben. Der Weg dorthin hat die Rolle getauscht.

Ein Tag im Oktober 2046

7:15 Uhr. Das Frühstück kommt aufs Tablett, noch bevor ich die Leiter runter bin. Im Schlafwagen ist es im Preis enthalten, schreibt die Deutsche Bahn über den Nightjet. In meinem 2046 fährt dieser Zug direkt ab Wien nach Süditalien. Heute gibt es diese Verbindung so nicht. Das ist der Teil, den ich mir wünsche.

8:15 Uhr. Der Zug rollt in einen kleinen Bahnhof an der Küste. Ich ziehe Jeans über das Schlafshirt und stolpere mit dem Rucksack auf den Bahnsteig. Die Luft riecht nach Salz und nach Kaffee aus der Bahnhofsbar. Der Espresso kommt im winzigen Glas, das Cornetto ist noch warm.

In meinem 2046 gibt es ein Ticket für alle Bahnen Europas. Das ist mein Wunsch, kein Fahrplan. Ich halte das Handy ans Lesegerät, es piept, fertig.

10:30 Uhr. Der Regionalzug fährt die Küste entlang. Ich sitze auf der Meerseite. Zwischen den Tunneln blitzt das Wasser, dann wieder Fels, dann wieder Wasser.

12:00 Uhr. Mein Zimmer liegt über einer Bäckerei. Die Fensterläden sind grün, das Bett ist zu kurz für mich. Ich lasse den Rucksack fallen und gehe sofort wieder raus.

13:30 Uhr. Mittagessen im Schatten. Pasta mit Tomaten, mehr braucht es nicht. Es ist warm, nicht heiß. Dafür bin ich im Oktober hier.

16:00 Uhr. Das Meer hat den Sommer noch gespeichert. Ich gehe ohne Zögern hinein. Auf dem Rückweg zähle ich die Flugzeuge am Himmel. Ich komme auf zwei.

19:30 Uhr. Abendessen auf einer Terrasse, ein Tisch für eine Person. Das Handy bleibt im Zimmer. Ich denke daran, wie ich mir 2026 diesen Abend vorgestellt habe, und muss lachen über das, was ich falsch geschätzt habe.

22:00 Uhr. Ich lege mich ins zu kurze Bett und schalte das Licht aus. Morgen stelle ich wieder keinen Wecker.



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