Richtige Männer gibt es auch ohne Wehrdienst. Alles andere sind Klischees

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Volontärin · BRG Kufstein
18.02.2026
3 Min.

Obwohl ich selbst als Mädchen nicht verpflichtet wäre, bringt mich das Thema zum Nachdenken. Ist ein Pflichtdienst Zeitverschwendung oder eine Chance fürs Leben? Warum hält sich eigentlich noch immer das Bild, dass ohne Wehrdienst kein „richtiger Mann“ aus jemandem wird? Und müsste eine Wehrpflicht nicht für beide Geschlechter gelten?

Millitär im Dienst (Foto: iStock)

Die Diskussion über eine mögliche Verlängerung der Wehrpflicht kommt gerade wieder auf. Momentan sind es sechs Monate beim Bundesheer und neun Monate im Zivildienst. Obwohl ich selbst ein Mädchen bin und aktuell gar nicht verpflichtet wäre, betrifft mich das Thema trotzdem. Es geht schließlich um unsere Generation und darum, wie junge Menschen ihre Zeit nach der Schule verbringen.

Eine Entscheidung, die ein ganzes Leben mitplant

Direkt nach der Schule beginnt eigentlich ein neuer Abschnitt – Studium, Ausbildung oder vielleicht ein Auslandsjahr. Wenn dann plötzlich ein Pflichtdienst dazwischenkommt, verändert das viele Pläne. Sechs Monate wirken auf den ersten Blick nicht extrem lang, aber in einer Lebensphase, in der sich alles schnell entwickelt, kann selbst ein halbes Jahr viel sein. Eine Verlängerung würde diesen Einschnitt noch größer machen.

Gleichzeitig verstehe ich, dass sich die Welt verändert und Sicherheit ein Thema ist, über das sich ein Land Gedanken machen muss. Trotzdem sollte gut überlegt werden, wie viel Zeit junge Menschen verpflichtend hergeben sollen.

Mein Papa und seine Zeit im Zivildienst

Mein Papa hat damals Zivildienst gemacht und erzählt heute noch, wie prägend diese Erfahrung für ihn war. Er hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen, selbstständiger zu werden und mit ganz unterschiedlichen Menschen umzugehen. Für ihn war das definitiv keine verschwendete Zeit, sondern etwas, das ihn persönlich weitergebracht hat. Genau solche Geschichten zeigen mir, dass ein Pflichtdienst auch eine Chance sein kann.

Dieses Bild vom „richtigen Mann“

Was ich spannend finde: Noch immer hört man manchmal, dass jemand kein „richtiger Mann“ sei, wenn er nicht beim Bundesheer war oder keinen Dienst gemacht hat. Ich frage mich ehrlich, ob so ein Denken heute überhaupt noch passt. Stärke hängt doch nicht davon ab, ob jemand eine Uniform trägt. Charakter zeigt sich auf viele Arten – durch Verantwortung, Respekt oder den Umgang mit anderen.

Vielleicht wird das von manchen noch so gesehen, aber ich finde, solche Vorstellungen gehören hinterfragt.

Sollte die Wehrpflicht auch für Frauen gelten?

Wenn es eine Pflicht gibt, dann sollte sie eigentlich für alle gelten. Gleichberechtigung bedeutet schließlich nicht nur gleiche Rechte, sondern auch gleiche Pflichten. Gleichzeitig wäre das eine große Veränderung, auf die sich Gesellschaft und Strukturen erst einstellen müssten.

Ich bin hin- und hergerissen: Einerseits wäre es fair, andererseits sollte niemand einfach aus Tradition verpflichtet werden. Entscheidend wäre, ob der Dienst wirklich sinnvoll gestaltet ist.

Last oder Chance? Wahrscheinlich beides

Ein Pflichtdienst kann sich wie eine Last anfühlen, weil er Freiheit nimmt und eigene Pläne verschiebt. Gleichzeitig kann er eine Herausforderung sein, an der Menschen wachsen. Und für manche wird er sogar zu einer echten Chance, etwas fürs Leben zu lernen – so wie bei meinem Papa.

Ob sechs Monate reichen oder schon zu viel sind, lässt sich pauschal kaum beantworten. Viel wichtiger ist doch, was in dieser Zeit passiert. Wenn sie gut genutzt wird, kann sie ein Gewinn sein. Wenn nicht, wirkt sie schnell wie verlorene Lebenszeit.

Mein Fazit

Auch wenn ich selbst nicht direkt betroffen bin, finde ich, dass diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen werden sollte. Sicherheit ist wichtig, aber genauso wichtig ist die Zeit junger Menschen. Vielleicht geht es weniger darum, einfach zu verlängern, sondern darum, den Dienst so zu gestalten, dass er wirklich etwas bringt.



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