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Raus aus Schengen, raus aus dem Euro: Wie sinnvoll ist Weidels Plan?

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
25.08.2026
4 Min.

AfD-Chefin Alice Weidel will Deutschland aus dem Schengenraum und dem Euro führen. Was nach deutscher Parteipolitik klingt, könnte auch unseren Alltag in Österreich verändern. Denn Reisen, Bezahlen, Studium und Jobs hängen eng mit Deutschland und den europäischen Regeln zusammen.

Alice Weidel will Deutschland aus Euro und Schengen führen. Für Österreich könnten solche Schritte Reisen, Handel und Wirtschaft beeinträchtigen. (Foto: shutterstock)

„Dann steigen wir aus Schengen aus.“ Der Satz von Alice Weidel tauchte heute Morgen auf meinem TikTok-Feed auf und brachte mich ins Grübeln. Im Video war ein Ausschnitt aus ihrem ZDF-Sommerinterview zu sehen, das in Wien aufgezeichnet wurde. Wenige Sekunden später ging es auch um den Euro.

Weidel fordert damit zwei große Veränderungen: Deutschland soll den Schengenraum verlassen und den Euro aufgeben. Für uns Jugendliche in Österreich sind das keine abstrakten Forderungen. Sie könnten beeinflussen, wie unkompliziert wir nach Deutschland reisen, mit welcher Währung wir dort bezahlen und welche Folgen Veränderungen in unserem wichtigsten Nachbarland für österreichische Unternehmen und Jobs haben.

Ein Wochenende in München, ein Konzert in Berlin oder ein späteres Studium in Deutschland funktionieren heute in einem europäischen System, das wir oft kaum bemerken. Erst wenn sich daran etwas ändern würde, würden wir merken, wie sehr unser Alltag davon abhängt.

Weidel will Grenzen und Währung verändern

Im ZDF-Sommerinterview vom 23. August begründet Weidel ihren geplanten Austritt aus dem Schengenraum vor allem mit Migration und innerer Sicherheit. Deutschland solle seine Grenzen stärker kontrollieren. Auch beim Euro verteidigt sie den Kurs ihrer Partei. „Deutschland ging es deutlich besser vor der Euro-Einführung“, sagt sie im Interview.

Beide Schritte würden Grundregeln verändern, die für unsere Generation längst selbstverständlich wirken. Der Schengenraum ermöglicht grundsätzlich Reisen ohne reguläre Personenkontrollen an den gemeinsamen Binnengrenzen. Der Euro ermöglicht es uns, in inzwischen 21 EU-Staaten mit derselben Währung zu bezahlen.

Deutschland gehört zu beiden Systemen.

Was Schengen mit unserem Zug nach München zu tun hat

Schengen klingt im Politikunterricht schnell abstrakt. An der Grenze wird der Begriff konkret.

Grundsätzlich fallen innerhalb des Schengenraums reguläre Personenkontrollen an den Binnengrenzen weg. Staaten dürfen sie in besonderen Situationen vorübergehend wieder einführen. Deutschland nutzt diese Möglichkeit derzeit auch an der Grenze zu Österreich.

Ein deutscher Austritt aus dem Schengenraum wäre eine andere Größenordnung. Deutschland würde den gemeinsamen Schengen-Rahmen verlassen. Wie die Grenzübergänge danach organisiert würden, müsste politisch und rechtlich neu geregelt werden.

Unsere Freizügigkeitsrechte als EU-Bürger bestehen unabhängig davon. Ein Schengen-Austritt allein würde also keine automatische Visumpflicht für österreichische Jugendliche schaffen, die für ein Wochenende nach München fahren. Regelmäßige Kontrollen könnten Reisen trotzdem spürbar verändern. Das betrifft Zugreisen, Autofahrten und besonders Menschen, die häufig zwischen Österreich und Deutschland pendeln.

Plötzlich steckt hinter der Forderung also etwas sehr Alltägliches: die Frage, wie unkompliziert wir über eine Grenze kommen.

Eine neue deutsche Währung würden wir sofort merken

Beim Euro wäre die Veränderung noch sichtbarer. Heute bezahle ich in Wien und München mit derselben Währung. Preise lassen sich einfach vergleichen. Für einen Urlaub in Deutschland müssen wir kein Geld wechseln.

Mit einer neuen deutschen Währung käme wieder ein Wechselkurs ins Spiel. Dieser könnte sich gegenüber dem Euro verändern. Ein Hotelzimmer, ein Konzertticket oder ein Essen in Berlin könnte für uns dadurch je nach Wechselkurs günstiger oder teurer werden.

Für einen Wochenendtrip wäre das vor allem lästig. Für österreichische Unternehmen geht es um Milliarden.

Fast jeder dritte Export geht nach Deutschland

Deutschland war 2025 laut Statistik Austria erneut Österreichs wichtigster Handelspartner. 29,5 Prozent aller österreichischen Warenexporte gingen nach Deutschland. Das entsprach Waren im Wert von 56,08 Milliarden Euro. Gleichzeitig kamen 32,2 Prozent unserer Warenimporte von dort.

Diese Zahlen wirken zunächst weit weg von unserem Leben. Dahinter stehen aber Betriebe, in denen wir später vielleicht ein Praktikum machen, eine Lehre beginnen oder unseren ersten Job bekommen.

Eine neue deutsche Währung würde für Unternehmen ein zusätzliches Wechselkursrisiko bringen. Österreichische Firmen, die Waren nach Deutschland verkaufen oder von dort einkaufen, müssten Kursschwankungen bei ihren Preisen und Verträgen berücksichtigen.

Wenn fast jeder dritte österreichische Warenexport nach Deutschland geht, bleibt eine große Veränderung dort kaum ein rein deutsches Wirtschaftsthema.

Der Weg aus dem Euro wäre juristisch kompliziert

Weidels Forderung lässt sich auch rechtlich schwer umsetzen. Die EU-Verträge enthalten einen festgelegten Weg für einen Austritt aus der Europäischen Union. Für einen Staat, der nur den Euro verlassen und gleichzeitig EU-Mitglied bleiben will, gibt es keinen vorgesehenen Austrittsweg.

Eine Analyse der Europäischen Zentralbank kam bereits zu dem Schluss, dass ein isolierter Austritt aus der Währungsunion rechtlich äußerst problematisch wäre.

Ein deutscher Euro-Austritt wäre deshalb ein riesiges politisches, rechtliches und wirtschaftliches Projekt. Banken, Unternehmen und die übrigen Euro-Staaten müssten zahlreiche Fragen neu regeln.

Auch die wirtschaftlichen Folgen lassen sich heute seriös kaum auf eine einzige Zahl reduzieren. Entscheidend wäre unter anderem, welchen Wert eine neue deutsche Währung gegenüber dem Euro hätte und wie Unternehmen und Finanzmärkte reagieren würden.

Die FPÖ zieht bei diesen Forderungen eine Grenze

Weidels Sommerinterview wurde ausgerechnet in Wien aufgenommen. Während ihres Aufenthalts traf sie auch FPÖ-Vertreter und präsentierte die österreichische Partei als politisches Vorbild für die AfD.

Bei Euro und Schengen gehen die beiden Parteien allerdings auseinander. Die FPÖ erklärte nach dem Treffen auf Medienanfrage, ein österreichischer Austritt aus dem Euro oder aus dem Schengenraum stehe für sie nicht zur Debatte.

Das macht Weidels Wien-Besuch besonders interessant. AfD und FPÖ stehen sich politisch in vielen Bereichen nahe, etwa bei Migration und ihrer Kritik an der EU. Bei zwei europäischen Regeln, die unseren Alltag unmittelbar prägen, endet diese Gemeinsamkeit.

Der TikTok-Satz bleibt hängen

Als das Video weiterlief, war ich nach wenigen Sekunden wieder in meinem Feed. Der Satz über Schengen blieb trotzdem hängen.

Bei einem Zug nach München denke ich normalerweise an Ticket, Sitzplatz und daran, was ich dort machen will. Beim Bezahlen fällt mir kaum auf, warum derselbe Euro in meiner Geldbörse auch in Deutschland funktioniert.

Weidels Forderungen machen sichtbar, wie viel europäische Politik in solchen kleinen Situationen steckt.

Beim nächsten Zug nach München werde ich Schengen wahrscheinlich zum ersten Mal bewusst bemerken, gerade weil es im Alltag so oft unsichtbar bleibt.

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