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Raus aus dem Feed! Meine Generation greift wieder zum Tastenhandy

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
30.08.2026
4 Min.

Tastenhandys galten als Technik von gestern. Jetzt kaufen ausgerechnet junge Leute sie wieder. Anfang 2026 erreichte die Nachfrage in Österreich einen Höhepunkt, getrieben vom Wunsch, weniger am Display zu hängen.

Klapphandys und Tastenhandys ohne Apps erleben bei jungen Leuten ein Comeback, als bewusste Pause vom Dauerscrollen. (Foto: shutterstock)

Jonas Leitner merkt es beim Warten auf die Straßenbahn. Automatisch geht die Hand zum Handy, ganz ohne Grund. Genau das wollte der 18-jährige Wiener durchbrechen.

Vor ein paar Monaten tauschte er sein Smartphone für eine Zeit lang gegen ein Tastenhandy. Ohne App-Store, ohne endlosen Feed, ohne Benachrichtigungen um Mitternacht. „Ich hab gemerkt, dass ich viel zu oft einfach aus Langeweile aufs Handy schaue. Es war jetzt keine große Challenge oder so, ich wollte einfach wissen, wie das ist“, erzählt Jonas.

Die erste Hürde kam ausgerechnet beim Warten. „Am Anfang war’s schon ungewohnt. Vor allem, wenn du irgendwo wartest und automatisch dein Handy rausnehmen willst. Dann hast du halt nichts, außer du schaust aus dem Fenster.“

Mit diesem Gefühl ist Jonas nicht allein. Auf TikTok sammelte der Hashtag #bringbackflipphones mittlerweile fast 60 Millionen Aufrufe. Darunter zeigen vor allem junge Menschen, wie sie ihr Smartphone gegen ein einfaches Klapphandy tauschen.

Auch in Österreich ist das kein reines Internet-Phänomen mehr: Die Nachfrage nach Handys ohne Apps steigt laut Heute seit Mitte 2024 konstant und erreichte Anfang 2026 einen neuen Höhepunkt. Ein Massenphänomen wie einst das Smartphone selbst ist das trotzdem nicht. Verkauft wird vor allem in einer kleinen, aber auffallend lauten Nische von jungen Menschen, die bewusst einen Gang zurückschalten wollen, während der Rest weiter zum Smartphone greift.

Warum ausgerechnet wir

Wir sind die erste Generation, die nie ohne Internet gelebt hat. Vielleicht wollen wir es gerade deshalb ab und zu abschalten.

Die Zahlen zeigen, warum das Thema überhaupt drängt. Jugendliche verbringen laut der JIM-Studie 2025 im Schnitt fast vier Stunden täglich am Smartphone – bei den 18- bis 19-Jährigen sind es sogar über viereinhalb Stunden. Die Studie befragte 1.200 Jugendliche in Deutschland. Ein direktes Pendant für Österreich gibt es nicht, die Tendenz dürfte aber ähnlich sein.

68 Prozent der Befragten fällt es laut der Studie schwer, die eigene Bildschirmzeit zu regulieren. Sie sind also öfter am Handy, als eigentlich geplant. Gleichzeitig genießen 67 Prozent Phasen ganz ohne Gerät bewusst – nur schafft es kaum jemand, das Handy dafür wirklich wegzulegen.

Für Österreich zeigt die Mental Health Days Studie 2024 einen ähnlichen Widerspruch: Schülerinnen und Schüler verbringen im Schnitt 221 Minuten täglich am Smartphone, ein Anstieg gegenüber 213 Minuten im Jahr davor. Die Bildschirmzeit steigt also weiter – während gleichzeitig eine Minderheit versucht, mit einem einfacheren Gerät auszusteigen.

Viele von uns spüren den Widerspruch selbst: online sein und trotzdem abschalten wollen. Der Ausweg für manche heißt Digital Detox – raus aus dem endlosen Scrollen, rein in ein Gerät, das nur telefoniert und schreibt.

Die neuen alten Geräte

Ganze Firmen leben vom Wunsch nach weniger. Die New Yorker Marke Light Phone verkauft bewusst karge Geräte und zählt nach eigenen Angaben über 100.000 Nutzer. Die Schweizer Firma Punkt setzt jährlich rund 50.000 minimalistische Handys ab.

Auch die Großen sind zurück. HMD, Inhaber der Nokia-Lizenz, hat das Kult-Handy Nokia 3210 neu aufgelegt. Der oberösterreichische Hersteller Emporia mit Sitz in Linz baut einfache Geräte und hat nach eigenen Angaben bisher über sieben Millionen Tastenhandys verkauft. Rund 1,6 Millionen davon sind aktuell in Gebrauch.

„Wir registrieren unter unseren Kundinnen und Kunden auch immer mehr junge Menschen, die Sorge um ihr Tausend-Euro-Smartphone haben und ein kostengünstiges Featurephone als Zweithandy für Sport und Freizeit kaufen. Dieses Handy packen sie dann in den Rucksack, um zumindest im Notfall erreichbar zu sein oder am Gipfel ein Erinnerungsfoto schießen zu können“, sagt Karin Schaumberger, Verkaufsleiterin bei Emporia, laut einem Bericht von Internet World Austria.

Und mit dem Commodore Callback 8020 kam 2026 ein neues Klapphandy im Retro-Look auf den Markt.

Manche Modelle halten mit einer Akkuladung mehr als zwei Wochen durch. Die Preise starten weit unter denen aktueller Smartphones.

Ganz ohne Kontakt will trotzdem kaum jemand sein. „dumbphone whatsapp“ gehört zu den meistgesuchten Begriffen in diesem Zusammenhang. Der Wunsch: simpel, aber Nachrichten sollen schon noch gehen.

Der Haken

Ein Boom ist das trotzdem nicht. Der Tastenhandy-Trend ist laut einer Marktanalyse von tastenhandys.de medial extrem präsent, aber datenseitig dünn – ein Massenmarkt ist er nicht. Was wächst, ist vor allem das Premium-Minimalist-Segment mit Marken wie Punkt, Mudita und Light, dazu kommen einzelne Retro-Relaunches. Damit sind hochwertige Handys gemeint, die bewusst auf Apps, soziale Medien und andere Ablenkungen verzichten.

Drei von fünf Befragten der Generation Z geben laut Analyst Joe Birch vom Marktforscher Mintel an, dass sie gerne weniger mit der digitalen Welt verbunden wären, so tastenhandys.de. Comparis-Digitalexperte Jean-Claude Frick relativiert das laut demselben Bericht allerdings und spricht von einem kleinen Hype.

Auch die Technik hat Grenzen. Die Kameras kommen an moderne Smartphones nicht heran. Wer im Urlaub abschalten will, muss für gute Fotos eine eigene Kamera einpacken.

Das deckt sich mit Jonas’ Erfahrung. „Gut funktioniert hat eigentlich, dass ich weniger nebenbei am Handy war. Was mir gefehlt hat, war schon WhatsApp und Maps. Wenn du dich mit Freunden treffen willst und keiner genau weiß, wo ihr hinmüsst, ist ein Tastenhandy halt bisschen zach.“

Und danach?

Jonas Leitner sieht es für sich pragmatisch. „Ich würd jetzt nicht komplett auf ein Dumbphone umsteigen. Aber für ein Wochenende oder im Urlaub könnte ich mir das schon wieder vorstellen.“

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