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Rache oder Vergebung? Neuer Film „It Was Just an Accident“ zeigt die Folgen blinder Vergeltung

Der Film von Jafar Panahi erzählt von einem ehemaligen Gefangenen, der seinen Peiniger wiedertrifft. Es ist eine Begegnung zwischen Rache und Vergebung und zeigt, dass Vergeltung kurzfristig erleichtert, langfristig aber nur das Leid verstärkt.

Rache ist menschlich, Vergebung auch. Aber nur die Vergebung verringert das Leiden langfristig. (Foto: unsplash.com (Sander Sammy))

Aktuell sorgt der neue Film "It Was Just an Accident" (2025) von Jafar Panahi für Gesprächsstoff. In dem Drama trifft ein ehemaliger politischer Gefangener zufällig auf einen Mann, den er für seinen Peiniger hält. Eine Begegnung, die mit einer Entführung beginnt und in einer Frage endet: Rache oder Vergebung?

Rache ist menschlich

Rache ist eines der ältesten und komplexesten Gefühle der Menschen. Viele alte Bücher und Filme drehen sich nur um sie. Wir begegnen ihr auch im Alltag, sie ist fast unausweichlich. Ob in Videospielen, antiken Texten oder Action‑Blockbustern: Rache ist der Wunsch, etwas Ungleiches auszugleichen und oft auch, um den eigenen Stolz wiederherzustellen. Wer verletzt oder betrogen wird, empfindet das Geschehene als ungerecht. In diesem Moment scheint Rache die leichteste, logischste und vielleicht sogar einzige Lösung zu sein. Doch auch wenn es zunächst so wirkt, macht sie nicht alles wieder gut.

Die Bedeutung von Rache im Alltag

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist eines der ersten Sprichwörter, die beim Thema Rache einfallen. Es bedeutet so viel wie: Wenn jemand dir ein Auge ausschlägt, soll ihm dasselbe widerfahren. Früher dachten die Menschen, das sei gerecht. Heute denkt man anders, es ist wie Mahatma Gandhi schon sagte: „Auge um Auge, Zahn um Zahn – und die ganze Welt ist blind“ oder: „Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.“ Diese Zitate zeigen, dass Rache nichts Gutes bewirkt. Wer sich rächt, bleibt in einer Spirale gefangen, während Verzeihen zwar schwer, aber wirkungsvoller ist.

Trotz all dieser Punkte, die gegen Rache sprechen, bleibt sie oft eine Art Überlebensstrategie. Wenn beide Seiten sicher sind, dass die andere zurückschlagen wird, kann es sogar zu einer Art „Friedens‑Zwang“ kommen. Rache kann kurzfristig Erleichterung bringen, auf lange Sicht verstärkt sie aber nur Schmerz und Leid. Kurz gesagt: Verzeihen ist in jedem Fall die bessere, aber auch die schwierigere Lösung.

Im Film "It was Just an Accident" wird übrigens nicht gezeigt, dass Rache siegt. Der Film lässt bewusst offen, was moralisch richtig ist.




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