Es gil als kreatives Kunsthandwerk angesehen für viele ist es eine Form der kreativen Entspannung. Es kombiniert Zeichnen, plastisches Arbeiten und Malerei. Im Zuge des Trends zur Nachhaltigkeit und zum Selbermachen gilt Lederpunzieren als Hobby, um langlebige Gebrauchsgegenstände selbst herzustellen.
Der Beginn eines Hobbys
Die Leidenschaft meines Freundes, der in seiner Freizeit gerne punziert, begann vor einem Jahrzehnt im Jahr 2016. Er fing damals an, Gürtel und Gamaschenbau für einige Krampus- und Perchtenvereine zu gestalten. Nach einigen Kursen in Deutschland begann er Handyhüllen, Geldbörsen und Gürtel zu punzieren. Seine Familie und Freunde finden sein Hobby spannend und interessant. Sie unterstützen ihn dabei. Bei seinen Kollegen in der Arbeit hat es sich schon herumgesprochen, sodass es zu einigen Projekten gekommen ist.
Was ist eigentlich Punzieren?
Punzieren ist ein handwerkliches Verfahren zur Oberflächenveredelung von Leder oder Metall. Dabei werden mit Schlagstempeln und einem Hammer Muster, Strukturen oder Schriftzüge in das Material eingeprägt. Im Gegensatz zum Gravieren wird beim Punzieren kein Material entfernt, sondern die Oberfläche lediglich durch Druck dauerhaft verformt.
Die lange Geschichte eines Hobbys
Der Anfang dieses Hobby liegt in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Während die Technik an sich Jahrtausende alt ist, wurde sie erst durch gezielte Vermarktung für Privatpersonen zugänglich. Der entscheidende Wandel vom Berufshandwerk zum Hobby fand in den 1940er und 1950er Jahren statt. Unternehmen wie Tandy Leather, das 1919 gegründet wurde, begannen Ende der 1950er Jahre, den Hobbymarkt aktiv zu erschließen.
Therapie für verwundete Soldaten
Der Gründer war während des Krieges als Versorgungsoffizier bei der US Navy stationiert. Während dieser Zeit beobachte er, dass Lederarbeiten eine hervorragende Therapie für verwundete Soldaten in Lazaretten waren. Nach seiner Rückkehr 1948 überzeugte er seinen Vater, sich auf den Hobby-Markt zu konzentrieren.
Da Leder während des Krieges rationiert war, half die Ausrichtung auf "Hobby-Bedarf" dem Unternehmen, Priorität bei der Materialbeschaffung zu erhalten. 1950 eröffnete Tandy die ersten zwei reinen Leder-Hobby-Läden. Der Durchbruch kam durch Versandkataloge und einfache DIY-Kits für Moccasins oder Geldbörsen, die besonders bei Pfadfindern beliebt waren.
Die Pioniere des Lederpunzieren
Eine zentrale Rolle der Verbreitung des Lederpunzieren spielten die Personen Al Stohlman und Lou Roth. Al Stohlman, welcher 1919 bis 1998 lebte, gilt als der Vater des modernen Lederhandwerkes. Er war der wichtigste Botschafter und Lehrer des Fachs. Während seines Militärdienstes in Neuguinea begann er Leder mit Taschenmessern zu verzieren. Ab 1952 veröffentlichte er über 40 Lehrbücher, die Techniken so einfach erklärten, dass jeder sie zu Hause lernen konnte. Er entwickelte viele der heute noch standardmäßig genutzten Werkzeuge, die für diese Arbeit notwendig sind.
Während Stohlman die Kunst lehrte, machte Lou Roth sie massentauglich. Die Erfindungen der üblichen Buchstaben-Stempelsets und die sogenannten Craftaids gehen auf seinem Namen zurück. Craftaids sind Kunststoffschablonen, mit denen man Muster einfach auf das feuchte Leder überträgt, ohne sie selbst zeichnen zu müssen.
1950 war er Mitbegründer der ersten Leder-Gilde in Kalifornien und gab mit ,,The Leathercrafter“ Leder-Gilden sind Gemeinschaften von Hobbyisten und Kunsthandwerkern, die sich dem Lederhandwerk widmen. Roth hat sogar das erste Magazin über dieses Hobby veröffentlicht.
Warum kennt das Hobby kaum jemand?
Es führen zwar ein paar Leute dieses Hobby aus, jedoch kennt es kaum jemand. Früher war das Thema sehr präsent, inzwischen haben wir es aus den Augen verloren. Im Vergleich zu damals und heute wird Leder eher seltener verwendet. Das Hobby ist auch teurer geworden, da spezielles Naturleder und Profi-Werkzeuge nötig sind. Es macht Lärm, weshalb die Werkstatt zudem schallisoliert sein sollte. Da verzierte Lederwaren heute meist billig industriell gepresst werden, ist das Bewusstsein für diese zeitaufwendige Handarbeit im Alltag fast verschwunden.
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