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Psychische Hilfe für Jugendliche: Wie bekommen wir einen Therapieplatz?

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
14.09.2026
3 Min.

Wer psychologische Unterstützung braucht, kann sich als Jugendlicher in Österreich an „Gesund aus der Krise“ wenden. Doch wie funktioniert die Anmeldung, wie schnell bekommt man einen Platz und was passiert nach dem ersten Kontakt? Ein Selbstversuch aus dem Psychologieunterricht.

Bei „Gesund aus der Krise“ können junge Menschen kostenlose Beratung oder Behandlung erhalten. (Foto: SHVETS production / Pexels)

Im Wahlpflichtfach Psychologie und Philosophie liegen mehrere Zettel vor uns. Darauf stehen Telefonnummern, Websites und Anlaufstellen für psychische Unterstützung. Wir sollen uns merken, wohin wir uns wenden können, wenn es uns nicht gut geht. Ich schaue auf die verschiedenen Angebote und frage mich: Wie wird aus einer Adresse eigentlich ein Gespräch, bei dem ich mich wohlfühle?

Wir beschäftigen uns schon länger mit psychischer Gesundheit und haben dabei auch verschiedene Hilfeangebote kennengelernt. Mein eigener erster Weg wäre trotzdem zu meinen Eltern. Ich würde darauf vertrauen, dass sie mir helfen und einen Termin organisieren. Welche Schritte ich selbst übernehmen kann, möchte ich deshalb besser verstehen.

„Die Plätze sind da. Wer Hilfe braucht, soll nicht warten müssen“, erklärt Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie, in einer Aussendung vom 31. August 2026. Ihr Verband wirkt am Angebot „Gesund aus der Krise“ mit. Laut der Aussendung ist dessen Finanzierung bis Ende Juni 2027 gesichert. Für uns bleibt die praktische Frage: Wie kommen wir an einen dieser Plätze?

Den ersten Kontakt selbst aufnehmen

Das Programm richtet sich an junge Menschen bis einschließlich 21 Jahre, die in Österreich leben und psychosoziale Unterstützung brauchen. Es finanziert 15 Beratungs- oder Behandlungseinheiten, etwa bei einer klinischen Psychologin oder einem Psychotherapeuten. Ab 14 können wir uns ohne Zustimmung unserer Eltern selbst anmelden.

Dafür gibt es ein Onlineformular und die Servicenummer 0800 800 122, erreichbar montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Die Teilnahmebedingungen sehen Einschränkungen bei laufender Behandlung oder früherer Nutzung des Programms vor. Wer unsicher ist, kann diese Voraussetzungen mit der Servicestelle klären.

Ich würde meine Eltern um Unterstützung bitten. Für alle, die zunächst ohne ihre Familie Kontakt aufnehmen möchten, bietet das Programm ab 14 einen eigenen Zugang. Die Servicestelle kann dabei Fragen zum Ablauf beantworten.

Nach der Anmeldung sind wir wieder dran

Eine Onlineanmeldung müssen wir über einen Link per E-Mail bestätigen. Passt das Angebot zu den Teilnahmevoraussetzungen, vermittelt das Projekt eine Fachperson. Nach Erhalt ihrer Kontaktdaten müssen wir innerhalb von zwei Wochen selbst den ersten Termin vereinbaren. Die Frist betrifft die Vereinbarung, nicht den Beginn der Behandlung.

Die Projektwebsite nennt Mitte September Wartezeiten von einigen Tagen bis wenigen Wochen, abhängig von Standort und Angaben. Das ist eine Auskunft des Anbieters, keine Garantie für jeden Einzelfall. Für unseren Alltag zählt außerdem, ob wir den Behandlungsort erreichen und die Termine mit Schule oder Ausbildung verbinden können.

Bei wem kann ich offen reden?

Ein sympathisches Gegenüber ist mir beim Gedanken an ein Erstgespräch besonders wichtig. Ich möchte mich wohlfühlen können, bevor ich über etwas Persönliches spreche. Scham halte ich für eine mögliche Hürde bei der Hilfesuche. Von meinen Freunden würde ich Unterstützung erwarten. Wie schwer jemandem der erste Schritt fällt, lässt sich von außen jedoch kaum beurteilen.

Falls die vermittelte Fachperson unpassend ist, ermöglicht „Gesund aus der Krise“ einmalig einen Wechsel, spätestens nach der dritten Einheit. Dafür wenden wir uns an die Servicestelle. Wir müssen also bei einem schwierigen Start keineswegs das gesamte Angebot aufgeben.

Nach 15 Einheiten geht die Frage weiter

Bei weiterem Bedarf kann die behandelnde Fachperson einmalig fünf zusätzliche Einheiten beantragen. Dafür braucht es eine Genehmigung. Bleibt darüber hinaus Unterstützungsbedarf, informiert sie über den Übergang in die reguläre Versorgung. Eine unbegrenzt kostenlose Fortsetzung gehört damit keineswegs automatisch zum Programm.

Für uns lohnt sich deshalb früh die Frage, welche Unterstützung anschließend möglich ist und ob eigene Kosten entstehen. Wer zunächst anonym über Sorgen sprechen möchte, erreicht Rat auf Draht unter 147 kostenlos rund um die Uhr. Für akute Krisen oder medizinische Notfälle ist „Gesund aus der Krise“ ungeeignet. Bei unmittelbarer Gefahr hilft die Rettung unter 144.

Bei einem nächsten Workshop möchte ich neben den Adressen auch den ersten Kontakt besprechen: Was sage ich am Telefon? Wer hilft mir, wenn ich mich kaum traue? Einen solchen Anruf einmal gemeinsam durchzugehen, fände ich hilfreich. Auf dem Zettel steht, wohin wir uns wenden können. Ich wünsche mir auch Unterstützung für den Moment, in dem wir die Nummer wählen.

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