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Die Lust am Morden: Ein Prozent Psychopathen in unserer Bevölkerung

Ob im Film, Roman oder im echten Leben: In unserer Gesellschaft gibt es viele Menschen mit gefährlichen, psychopathischen Persönlichkeitszügen.

In vielen Menschen tun sich Abgründe auf. Wir sollten achtsam sein. (Foto: Photos_frompasttofuture)

Dead Girls Don’t Talk von Joanne Carlton erzählt die Geschichte zweier bester Freundinnen, von denen eine tot ist und die andere lebt. Syl und Viola waren wie Schwestern. Von klein auf wohnten sie nebeneinander, besuchten dieselbe Schule, hatten denselben Freundeskreis und teilten viele Zukunftspläne. Zwei Wochen bevor Syl nach Stanford gehen sollte und Viola bereit war für ihr neues Leben in Princeton, fanden Ermittler Syls Körper auf dem Beifahrersitz von Violas verlassenem Auto.

Zwei Versionen der Geschichte entfalten sich, und ich kann selbst entscheiden, welche Perspektive ich zuerst lese und welcher ich Glauben schenke: der Sichtweise des Opfers oder der des Täters. Die Wahrheit verbirgt sich in der Mitte des Buches.

All diese Geschichten, ob fiktiv wie in Dead Girls Don’t Talk oder real, zeigen, wie verletzlich Menschen gegenüber Gewalt und Manipulation sind. Gleichzeitig werfen sie ein Licht auf ein Thema, das in unserer Gesellschaft oft unterschätzt wird: Psychopathische Persönlichkeitszüge. Studien von Robert D. Hare zeigen, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung klinisch relevante Merkmale von Psychopathie aufweist, in Gefängnissen sogar 15 bis 25 Prozent.

Das bedeutet, dass es nicht nur Extremfälle gibt, sondern dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Menschen mit potenziell gefährlichen Eigenschaften existieren, Menschen, deren Handlungen manchmal tödlich enden können. Die Storys machen anschaulich, warum es sich lohnt, Täterverhalten, psychologische Mechanismen und gesellschaftliche Faktoren zu verstehen, um sowohl Opfer besser zu schützen als auch Prävention und Aufklärung zu ermöglichen.

Psychopathie und Gewalt

Nicht jede Person mit psychopathischen Zügen wird gewalttätig. Gewalt entsteht meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, etwa persönliche Krisen, Suchtprobleme, Angst vor Entdeckung, soziale Einflüsse oder fehlende Impulskontrolle. In manchen Fällen entwickeln Täter mit der Zeit eine innere Rechtfertigungsstrategie, bei der sie ihre Tat als notwendig oder alternativlos darstellen.

Fälle aus dem echten Leben beschäftigen oft viel mehr. Im Jahr 2021 wurde etwa eine junge Frau, Gizem, Opfer eines Messerangriffs. In einer Dokumentation berichtete die 20-Jährige öffentlich über das, was ihr widerfuhr. Sie überlebte einen Mordversuch durch ihre eigene Chefin nur knapp. Verzeihen kann sie ihr bis heute nicht.

Gizem wollte eine Ausbildung bei der Bundespolizei beginnen und überbrückte die Wartezeit auf die Aufnahmetests mit einem Job in einer Bäckerei. Anfangs arbeitete sie gerne dort und verstand sich gut mit der Filialleitung, Frau K.

An einem Tag sprang Gizem kurzfristig für eine Kollegin ein. Schon beim Betreten der Filiale fiel ihr auf, dass ungewöhnlich viel vorbereitet war. Während sie vorne Kundinnen und Kunden bediente, arbeitete Frau K. im Hintergrund. Später rief sie Gizem zu sich und behauptete, ihr etwas zeigen zu wollen.

Als Gizem sich umsah, verspürte sie plötzlich Angst. Kurz darauf hörte sie ein leises „Es tut mir leid“. Erst als sie die Hand ihrer Chefin an ihrem Bauch bemerkte, begriff sie die Situation. Das Messer verletzte sie schwer.

Durch das Adrenalin spürte sie zunächst kaum Schmerzen und konnte fliehen. Später begleitete ihre Psychiaterin sie an den Tatort zurück, um ihr zu zeigen, dass nicht der Raum gefährlich war, sondern der Mensch. Frau K. versuchte zunächst, die Tat als Unfall darzustellen. Sie behauptete, Gizem sei angeblich ins Messer gelaufen. Doch Gizem schilderte der Polizei konsequent die Wahrheit.

Im Krankenwagen verlor Gizem das Bewusstsein. Ärzte mussten sie zweimal notoperieren und stellten zwei Herzstillstände fest. Insgesamt erhielt sie dreiundzwanzig Bluttransfusionen, da der Einstich etwa zwanzig Zentimeter tief war. Ärzte schätzten ihre Überlebenschance auf nur zehn Prozent.

Gerichtsprozess und psychische Folgen

Nach zwei Tagen im Koma wachte sie auf. In Zeitungsberichten sprach man zunächst von einem Unfall, eine Darstellung, die sie entschieden zurückwies. Im Prozess stellte sich heraus, dass Frau K. spielsüchtig war und Geld aus der Kasse entwendet hatte. Um den Verdacht auf Gizem zu lenken, fälschte sie die Unterschrift und plante, sie aus dem Weg zu räumen. Das Gericht verurteilte Frau K. zu zwölf Jahren Haft wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung.

Gizem leidet bis heute unter den psychischen Folgen: Angst vor Messern, Panik, wenn Menschen abrupt auf sie zukommen, und starkes Misstrauen.

Psychologische Einblicke in Täterverhalten

Nicht jede gewalttätige Person zeigt psychische Erkrankungen. Studien zeigen jedoch, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale bei schweren Gewalttaten gehäuft auftreten: mangelnde Empathie, ausgeprägter Egozentrismus, Manipulationsverhalten und geringe Frustrationstoleranz.

Psychopathie ist ein klinischer Begriff für ein Bündel solcher Eigenschaften. Untersuchungen von Robert D. Hare gehen davon aus, dass etwa ein Prozent der Allgemeinbevölkerung psychopathische Persönlichkeitsmerkmale in klinisch relevanter Ausprägung aufweist. In Gefängnispopulationen liegt der Anteil deutlich höher, Studien sprechen hier von 15 bis 25 Prozent (Hare, 1996; aktualisierte Erhebungen zur PCL-R-Skala).

Unterschiede zwischen Mördertypen

Experten sprechen von Serienmördern ab drei voneinander getrennten Tötungsdelikten. Während Einzeltaten oft aus situativen Konflikten entstehen, zeigen Serienmörder meist ein wiederkehrendes Muster und teilweise ritualisierte Vorgehensweisen. Charakteristisch sind häufig emotionale Kälte, fehlende Reue und ein stark ausgeprägtes Kontrollbedürfnis. Jede Tat bleibt jedoch individuell zu betrachten.

Psychische Erkrankungen betreffen viele Menschen. Wichtig ist die klare Unterscheidung: Die überwiegende Mehrheit psychisch erkrankter Menschen zeigt kein gewalttätiges Verhalten. Stigmatisierung hilft weder den Betroffenen noch der Gesellschaft.


Horrorfilme und psychologische Spannung

Der Film Smile verbindet psychologische Spannung mit Horror. Die Psychiaterin Dr. Rose Cotter erlebt ein traumatisches Ereignis und wird anschließend von verstörenden Visionen verfolgt. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie es sich anfühlen kann, wenn jemand von etwas überzeugt ist, das andere nicht wahrnehmen. Dieses Spiel mit Wahrnehmung, Angst und Realität erzeugt einen intensiven psychologischen Effekt und genau diese Mischung aus Horror und Psyche macht für viele den Reiz aus.

Diese Geschichten, ob real oder fiktional, zeigen, wie komplex Schuld, Trauma und menschliche Psyche sind. Gewalt hinterlässt nicht nur körperliche, sondern vor allem seelische Spuren.


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