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Politik zwischen Tanzvideos und Memes: "Algorithmen zeigen uns die Welt nicht, wie sie ist"

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Volontärin · HLA Baden
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17.06.2026
3 Min.

Politische Informationen begegnen uns heute vor allem auf TikTok, Instagram und YouTube. Doch wie beeinflussen diese Inhalte unsere Meinungsbildung? Im Gespräch mit der Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin Annie Waldherr wurde deutlich, welche Rolle Algorithmen dabei spielen und warum kritisches Hinterfragen wichtiger denn je ist.

Der Zaun trennt nicht nur Räume, sondern symbolisiert auch die Grenzen, die Menschen voneinander fernhalten. (Foto: www.pixabay.com)

Annie Waldherr ist Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie Menschen Nachrichten konsumieren und wie digitale Plattformen die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen. Im Gespräch erklärte sie, warum soziale Medien unsere Sicht auf politische Themen stärker prägen können, als vielen bewusst ist.

Wenn ich durch meinen Feed scrolle, erwarte ich meistens Unterhaltung. Zwischen lustigen Videos, Sportclips und Memes tauchen jedoch immer wieder politische Inhalte auf. Oft sind sie nur wenige Sekunden lang, schaffen es aber trotzdem, eine klare Botschaft zu vermitteln.

Früher dachte ich, dass soziale Medien hauptsächlich dazu dienen, mit Freunden in Kontakt zu bleiben oder sich die Zeit zu vertreiben. Heute merke ich, dass sie auch beeinflussen können, welche Themen ich wichtig finde und wie ich über politische Fragen denke.

Ein Video, das mir im Kopf geblieben ist

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein TikTok-Video über den Klimawandel. Darin wurde behauptet, dass viele wissenschaftliche Erkenntnisse falsch seien und die Medien wichtige Informationen absichtlich verschweigen würden. Das Video war professionell gemacht, mit dramatischer Musik, schnellen Schnitten und vielen eingeblendeten Grafiken.

Zunächst wirkte alles überzeugend. Erst als ich die Aussagen überprüfte, stellte ich fest, dass wichtige Quellen fehlten und einige Behauptungen nicht stimmten. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie leicht man Inhalte für glaubwürdig halten kann, wenn sie professionell präsentiert werden.

Seitdem versuche ich, politische Beiträge kritischer zu betrachten und Informationen aus mehreren Quellen zu vergleichen.

Was seriös wirkt und was nicht

Seriöse politische Inhalte erkenne ich oft daran, dass Quellen genannt werden und verschiedene Perspektiven gezeigt werden. Besonders vertrauenswürdig wirken auf mich Beiträge von Journalistinnen und Journalisten oder bekannten Nachrichtenmedien, die Sachverhalte erklären und Hintergründe liefern.

Unseriös erscheinen mir dagegen Videos, die vor allem auf Emotionen setzen. Wenn jemand behauptet, nur er kenne „die ganze Wahrheit“ oder alle anderen würden lügen, werde ich skeptisch. Auch extreme Aussagen ohne Belege sind für mich ein Warnsignal.

Was Algorithmen mit meiner Meinung machen

Im Gespräch mit Annie Waldherr wurde deutlich, wie stark Algorithmen bestimmen, welche Inhalte wir sehen. Sie sagte:

„Algorithmen zeigen uns nicht die Welt, wie sie ist, sondern die Welt, von der sie glauben, dass sie uns interessiert.“

Dieser Gedanke ist mir besonders hängen geblieben. Mir wurde bewusst, dass mein Feed nicht zufällig entsteht. Die Plattformen zeigen mir vor allem Inhalte, die zu meinem bisherigen Verhalten passen. Wenn ich ein bestimmtes Thema häufig anklicke oder lange anschaue, bekomme ich mehr davon angezeigt.

Dadurch kann leicht der Eindruck entstehen, dass alle Menschen dieselbe Meinung vertreten. Tatsächlich sehe ich aber oft nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit.

Politische Werbung: hilfreich oder manipulativ?

Politische Werbung begegnet mir ebenfalls regelmäßig. Grundsätzlich finde ich es sinnvoll, wenn Parteien oder Organisationen ihre Positionen auf Social Media vorstellen. Problematisch wird es aber, wenn Werbung nicht sofort als solche erkennbar ist oder wichtige Informationen verschweigt.

Gute politische Werbung informiert und macht transparent, wer hinter ihr steht. Schlechte Werbung versucht vor allem, Emotionen auszunutzen oder Ängste zu schüren.

Wie man Desinformation erkennt

Gerade auf TikTok und in Reels verbreiten sich Falschinformationen oft sehr schnell. Deshalb achte ich auf einige Hinweise:

  1. Werden Quellen genannt?
  2. Lassen sich die Informationen überprüfen?
  3. Werden verschiedene Perspektiven gezeigt?
  4. Wirkt der Beitrag sachlich oder versucht er nur, starke Emotionen auszulösen?

Wenn mehrere dieser Punkte fehlen, ist Vorsicht angebracht.

Fazit

Soziale Medien sind für mich eine wichtige Informationsquelle geworden. Sie ermöglichen es, Nachrichten schnell und unkompliziert zu erhalten. Gleichzeitig beeinflussen sie aber auch, welche Themen ich sehe und wie ich über sie denke.

Deshalb reicht es nicht, Inhalte einfach zu konsumieren. Man muss hinterfragen, vergleichen und überprüfen. Mein Feed kann mir helfen, die Welt besser zu verstehen – aber nur, wenn ich nicht vergesse, kritisch zu bleiben.



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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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