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Politik-Check: Wehrdienstreform, klappt der 1. Jänner?

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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21.09.2026
5 Min.

POLITIK CHECK. In dieser Kolumne erkläre ich euch regelmäßig die wichtigsten innen- und außenpolitischen Themen einfach und verständlich. Heute reden wir über die Wehrdienstreform der Regierung: neun statt sechs Monate Dienst, 1.000 Euro Vergütung und ein Zeitplan, der wackelt.

Grundwehrdiener beim Bundesheer: Ab 1. Jänner 2027 sollen sie insgesamt neun statt sechs Monate dienen, sechs davon am Stück. (Foto: Jarek Zasacki)

Neun statt sechs Monate. 1.000 statt rund 625 Euro im Monat.

So sieht der Wehrdienst aus, den die Regierung ab 1. Jänner 2027 einführen will. Ende Juli hat sie die Eckpunkte im Ministerrat beschlossen. Ein Gesetz gibt es bis heute nicht.

„Ziel ist es, dass diese Wehrdienstreform mit 1. Jänner 2027 in Kraft tritt", sagte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bei der Pressekonferenz nach dem Ministerrat, laut Bundeskanzleramt. Wir prüfen, ob dieses Versprechen hält.


Was sich für Burschen ändert

Die Wehrpflicht gilt in Österreich für Männer. Wer bei der Stellung, der Untersuchung durch das Bundesheer, als tauglich gilt, wählt zwischen Grundwehrdienst und Zivildienst. Bisher dauert der Grundwehrdienst sechs Monate, der Zivildienst neun.

Die Reform ändert vier Dinge.

Erstens: mehr Geld. Grundwehrdiener bekommen 1.000 Euro im Monat, derzeit sind es rund 625 Euro. Das sind 375 Euro mehr. Wer sechs Monate dient, hat damit rund 2.250 Euro mehr auf dem Konto. Dazu führt die Regierung Urlaubstage ein.

Zweitens: mehr Zeit. Der Wehrdienst dauert künftig insgesamt neun Monate. Sechs davon bleiben der Grundwehrdienst am Stück. Die übrigen drei Monate bestehen aus verpflichtenden Truppenübungen direkt danach und aus Übungen der Miliz, also der Reservist*innen des Bundesheers. Diese Milizübungen folgen innerhalb von zehn Jahren.

Wie sich die drei Monate aufteilen, ist noch offen. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) will zwei Monate Truppenübungen und den Rest als Milizübungen, berichtet die APA. Milizsoldaten sollen vier Jahre im Voraus wissen, wann ihre Übungen anstehen, schreibt das Verteidigungsministerium.

Drittens: die Österreichwoche. Bei der Stellung soll es einen gemeinsamen Lehrgang zu Demokratie, Krisenvorsorge und Sicherheit geben. Frauen können freiwillig mitmachen, laut Bundesheer.

Viertens: ein neuer Automatismus beim Zivildienst. Dazu kommen wir gleich.

Warum die Regierung den Wehrdienst verlängert

Stocker verweist auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, auf Cyberangriffe und auf Attacken auf kritische Infrastruktur. Neue Geräte allein bringen wenig, argumentiert der Kanzler, wenn Soldat*innen im Ernstfall zu wenig Übung damit haben, laut Bundeskanzleramt.

Die Wehrdienstkommission hatte Anfang 2026 einen anderen Vorschlag. 23 Expert*innen empfahlen das Modell „Österreich plus": acht Monate Grundwehrdienst, zwei Monate Milizübungen und zwölf Monate Zivildienst, berichtet Salzburg24. Die ÖVP bevorzugte dieses Modell. SPÖ und NEOS lehnten es ab.

Am Ende steht ein Kompromiss: sechs plus drei. Tanner nennt ihn eine „äußerst schwere Geburt", sagte sie im APA-Interview, berichtet vol.at. Bundespräsident Alexander Van der Bellen begrüßte die Einigung, laut news.at.

Die Reform kostet Geld. Das Stufenmodell ist laut Berechnungen der Wehrdienstkommission etwa 200 Millionen Euro teurer, dazu kommt die höhere Vergütung, schreibt trend. Wer das bezahlt, verhandelt die Koalition noch. Tanner will das Geld an anderer Stelle finden. Der Ausbauplan des Heeres bis 2032 soll unangetastet bleiben.

Was mit dem Zivildienst passiert

Rund 45 Prozent der tauglichen Wehrpflichtigen entscheiden sich in den letzten Jahren für den Zivildienst. Das sind rund 14.500 Zivildiener pro Jahr, laut Zivildienstserviceagentur. Sie arbeiten vor allem im Rettungswesen, in der Sozial- und Behindertenhilfe und in der Katastrophenhilfe.

Die Einrichtungen meldeten 2025 einen Bedarf von 16.591 Plätzen. Davon konnten die Einrichtungen 89,7 Prozent besetzen, zeigt die Zivildienst-Bilanz des Bundeskanzleramts.

Die Reform lässt den Zivildienst ab 1. Jänner 2027 freiwillig um zwei Monate wachsen, auf elf. Ab 2028 greift die „Wehrdienst-Garantie". Die Zielmarke liegt bei 15.000 Grundwehrdienern pro Jahr. Einen Spielraum von 7,5 Prozent hat die Regierung eingebaut, das sind 1.125 Rekruten. Sinkt die Zahl unter 13.875, gilt der elfmonatige Zivildienst ab dem Folgejahr dauerhaft für alle.

Die Regierung nennt das Garantie. Sie garantiert dem Bundesheer Rekruten. Tanner rechnet damit, dass die Marke bald greift, berichtet news.at.

Warum der Automatismus? Laut Tanner nannten rund 30 Prozent der Stellungspflichtigen, die sich für den Grundwehrdienst entschieden, die kürzere Dauer als Grund, berichtet nachrichten.at. Künftig dauert der Wehrdienst insgesamt so lang wie der Zivildienst, nämlich neun Monate. Beim Heer bleiben davon allerdings nur sechs am Stück.

Das Rote Kreuz begrüßte die Regelung, laut news.at. Die Sozialistische Jugend kritisierte, die Regierung wähle den einfachsten Weg: Sie verlängere den Dienst, statt die bestehenden Probleme anzugehen, berichtet vol.at.

Der Haken: Ohne Opposition geht nichts

Für die Verlängerung des Zivildienstes braucht die Regierung im Nationalrat eine Zweidrittelmehrheit, also zwei von drei Abgeordneten. ÖVP, SPÖ und NEOS reichen dafür allein nicht aus. Mindestens eine Oppositionspartei muss zustimmen, die FPÖ oder die Grünen, berichtet news.at.

Beide zeigten sich nach dem Beschluss ablehnend. FPÖ-Chef Herbert Kickl warf der Regierung „Schindluder mit der Sicherheit der Österreicher" vor, laut vol.at. Wehrsprecher Volker Reifenberger nannte den Kompromiss einen „parteipolitischen Murks", berichtet SN.at. Mitte September erklärte Kickl, er kenne noch kein Gesamtkonzept, berichtet exxpress.

Die Grünen verlangen mehr als neue Monatszahlen. Eine Reform müsse „mehr sein als das Verschieben von Monatszahlen", sagte Wehrsprecher David Stögmüller, laut news.at. Er fordert auch mehr Geld für Zivildiener, so wie für Wehrdiener, berichtet vol.at.

Die Koalition lehne das ab, berichtet exxpress unter Berufung auf einen anonymen Verhandler. Höherer Sold für Zivildiener würde den Vorteil beim Bundesheer schmälern.

Der Check: Klappt der 1. Jänner 2027?

Stocker versprach Ende Juli zwei Dinge: Die Reform tritt am 1. Jänner 2027 in Kraft. Und die Regierung geht auf die Oppositionsparteien zu.

Zum zweiten Versprechen: Konkrete Gespräche mit Grünen und FPÖ gab es bis 20. September nicht, berichtet die APA. Reifenberger sagt, es gebe keine Termine und keine Einladungen. Die Koalition klärt zuerst intern die Details, bevor sie verhandelt.

Zum ersten Versprechen: Die Regierung will ihre Pläne am 30. September im Ministerrat präsentieren. Stögmüller hält das für unrealistisch. Von der Begutachtung bis zur Kundmachung im Gesetzblatt vergehen laut Reifenberger rund zwei Monate: Begutachtung, Ausschuss, Nationalrat, Bundesrat, Unterschrift des Bundespräsidenten. Vom 30. September aus gerechnet endet die Frist Ende November. Sie gilt, wenn alles glattläuft. Mitte September lag laut exxpress noch kein Gesetzesentwurf vor.

Bewertung: Beschlossen im Ministerrat, umgesetzt noch nicht. Der Zeitplan wackelt.

Selbst wenn der 1. Jänner hält, spüren Rekruten die Verlängerung nicht sofort. Sie gilt nur für Burschen, die nach dem Inkrafttreten zur Stellung kommen. Wer vorher geht, dient nach den alten Regeln. Zwischen Stellung und Einrücken liegen mindestens sechs Monate. Die ersten Rekruten im längeren Dienst rücken damit frühestens Mitte 2027 ein, berichtet die APA.

Für Burschen in unserem Alter entscheidet damit ein Termin: der Tag der Stellung.

Neun Monate stehen im Ministerratsbeschluss. Zwischen Beschluss und Gesetz gab es bisher einen einzigen Anruf bei den Grünen, sagte Stögmüller der APA.


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