„Wir halten, was wir versprochen haben. Es wird bei den Einnahmen keine Vermögens- oder Erbschaftssteuer geben, keine Erhöhung der Grundsteuer“, sagte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) am 28. April 2026 bei der Präsentation des Doppelbudgets 2027/28.
Das Versprechen stimmt. Bis heute gibt es in Österreich weder eine Vermögens- noch eine Erbschaftssteuer, die Grundsteuer bleibt unverändert. Weniger deutlich sagte Stocker, wo das Geld stattdessen herkommen soll: etwa durch die eingefrorene Familienbeihilfe, gestrichene Steuerpauschalen für Homeoffice und eine Senkung der Lohnnebenkosten, von der vor allem Großkonzerne profitieren. Wir haben das Versprechen mit den tatsächlichen Zahlen aus dem Doppelbudget abgeglichen.
Das Versprechen im Wortlaut
5,1 Milliarden Euro will die Regierung mit dem Doppelbudget 2027/28 einsparen, verteilt über beide Jahre. Ziel ist es, Österreich 2028 aus dem EU-Defizitverfahren zu führen. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) formulierte es bei der Budgetrede im Juni so: „Alle müssen zahlen.“
Bei einer Gruppe stimmt das jedenfalls nicht: bei den ganz großen Vermögen. Die Wirtschaftskammer feierte genau das als Erfolg. WKÖ-Präsidentin Martha Schultz nannte es gegenüber vol.at positiv, dass sich Erbschafts- und Vermögensteuern nicht im Budget finden würden. Diese seien „wirtschaftsfeindlich und kontraproduktiv“. Die globalisierungskritische Organisation Attac sah das genau umgekehrt und kritisierte laut einem Bericht des ORF das Fehlen von Vermögens- und Erbschaftssteuern als verpasste Chance.
Beide haben in einem Punkt recht: Das Versprechen wurde wörtlich gehalten. Die Frage ist, wer stattdessen zahlt.
Wo das Geld wirklich herkommt
Konzerne kommen mit einem blauen Auge davon. Die Körperschaftsteuer steigt zwar gestaffelt auf 24 Prozent, aber nur für den Gewinnanteil über einer Million Euro. Gleichzeitig sinken die Lohnnebenkosten, weil der Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds ab 2028 von 3,7 auf 2,7 Prozent fällt. Laut einer Analyse des Momentum Instituts fließt rund die Hälfte dieser Entlastung an die größten heimischen Unternehmen.
Bei den Haushalten sieht die Rechnung anders aus. Das Momentum Institut hat errechnet, dass gerade das zweitärmste Einkommenszehntel gemessen an seinem Einkommen am stärksten belastet wird. Auch die Arbeiterkammer kommt in ihrer Detailanalyse zu einem ähnlichen Schluss: Die Lasten seien ungleich verteilt, weil Vermögende und Unternehmen zu wenig zur Konsolidierung beitragen.
Für junge Menschen und ihre Familien heißt das konkret: Die Familienbeihilfe wird 2027 und 2028 nicht an die Inflation angepasst, genauso wenig wie Kinderabsetzbetrag, Mehrkindzuschlag, Kinderbetreuungsgeld und Familienzeitbonus. Das ist bereits die dritte Runde ohne Erhöhung in Folge. Wer zwei Geschwister hat und selbst noch Familienbeihilfe bezieht, merkt das direkt am Konto der Eltern, während gleichzeitig alles teurer wird.
Wer neben der Schule oder dem Studium von zu Hause aus arbeitet, verliert ab 2027 zusätzlich das Telearbeitspauschale von drei Euro pro Tag, maximal 300 Euro im Jahr, und das Arbeitsplatzpauschale. Beide werden laut einer Analyse der Steuerberatung Huber ersatzlos gestrichen.
Beim Familienbonus Plus gilt künftig eine Zwangsaufteilung von 75:25 oder 50:50 zwischen den Eltern. Verdient ein Elternteil in Teilzeit zu wenig, um seinen Anteil auszuschöpfen, verfällt der Rest einfach. Das kann Familien laut einer Berechnung der Kanzlei WT-BKS bis zu 500 Euro pro Kind kosten.
Die großen Verlierer
Im Parlament wird genau darüber gestritten, ob junge Menschen bei diesem Budget besonders schlecht wegkommen. Die Budgetsprecherin der Regierungsfraktion NEOS, Karin Doppelbauer, verweist auf Investitionen in Bildung, etwa ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr und mehr Ganztagsschulen.
Der Budgetsprecher der Grünen, Jakob Schwarz, sieht das komplett anders. „Die großen Verlierer dieses Doppelbudgets“, sagte er gegenüber der Parlamentskorrespondenz im Rahmen des Jahresschwerpunkts „teilhaben teilsein“, seien junge Menschen, weil ausgerechnet bei Zukunftsthemen wie dem Klimabereich gespart werde. Die Regierung schone den Status quo und verschiebe die Kosten in die Zukunft, die dann die junge Generation von heute zahlen müsse.
Ein Beispiel dafür liefert die Schule direkt: Die Geräteinitiative, mit der Schülerinnen und Schüler digitale Endgeräte bekommen, wird verschoben. Statt wie bisher schon früher gibt es die Geräte künftig erst ab der 6. Schulstufe.
Das Versprechen „keine neue Steuer für Reiche“ lässt sich also halten und gleichzeitig den Eindruck erwecken, es koste niemanden etwas. Beides stimmt nicht ganz. Es kostet nur nicht an der Stelle, die im April 2026 im Rampenlicht stand.
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