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Plot Twist: Die Erde dreht sich nicht um uns

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Volontärin · Deutsche Schule Sofia
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11.05.2026
3 Min.

Wir hören sie. Wir sehen sie. Wir spüren sie. Und wir tun gar nichts. Die Klimakrise ist kein abstrakter Begriff mehr. Sie ist längst mitten unter uns und sie wächst mit jedem einzelnen Tag.

Die Klimakrise ist überall: Früher war hier Winter (Foto: Shutterstock )

Ich hasse Mücken. Zwischen mir und diesen Insekten herrscht Krieg. Sie beißen mich. Und ich? Ich habe noch keinen Weg gefunden, zurückzubeißen. In dieser Situation bin ich das Opfer. Unser Krieg ist so blutig geworden, dass ich mich zurückziehen wollte.

Mit 10 Jahren fand ich meine Rettung: Island. Ich wollte wirklich dorthin umziehen, nur um sie loszuwerden. Ja, ich war (und bin immernoch) sehr dramtisch, aber egal. Nun existiert mein mückenfreier Traum nicht mehr. Seit Oktober 2025 sind diese Biester auch dort zu finden. Wieso? Leider ist das meine eigene Schuld. Unsere Schuld. Die Klimakrise, die wir alle mit verursachen. Ein distanzierter Begriff, den wir nicht mehr nur im Fernsehen hören. Längst erleben wir ihn mit allen fünf Sinnen:

Hören

Gestern lief der Fernseher im Wohnzimmer. Ein Bericht über das Skigebiet, in das wir jeden Winter fahren. Doch dann – ein Krachen. Eine bekannte Straße bricht ab. Daneben die Tannen. Hundert Jahre alt, vielleicht älter. Sie fallen. Eine nach der anderen. Wie Dominosteine. Man hört das Splittern der Stämme, das Knacken der Wurzeln, das tiefe, fast lebendige Stöhnen des Waldes. Kein Wind, kein Sturm – nur das langsame Nachgeben eines Bodens, der unseren Scheiß nicht mehr ertragen kann.

Fühlen

Wir spüren die Klimakrise jeden Tag. Das unvorhersehbare Wetter. Gestern brannte die Sonne auf meiner Haut. Ich hatte keine Sonnencreme dabei und verfluchte mich dafür. Die Hitze war unerträglich, irgendwie bedrückend – so, als würde die Luft selbst Gewicht bekommen. Heute Morgen wache ich auf. Kein Licht fällt durchs Fenster. Dunkle Wolken zaubern eine Grimasse auf mein Gesicht. Ich gehe hinaus. Der Regen trifft meine Wangen, kalt und hart. Der Wind ist wie eine Ohrfeige, die ich mir, zugegeben, verdient habe. Denn was habe ich getan, um das zu verhindern? Gar nichts. Der Gedanke lässt mich erzittern.

Riechen

Ich drehe mich um. Zumindest gießt der Regen die Blumen im Garten. Ich gehe in die Knie, um ihren Duft zu genießen. Den Geruch des Frühlings zu spüren. Eine Welle von Chemikalien lässt mich sofort zurückspringen. Igitt! Das riecht ja so, als hätten die Pflanzen alle Abgase absorbiert.

Schmecken

Ich entscheide mich also, zu Hause zu bleiben. Als ich den Kühlschrank öffne, finde ich Erdbeeren. Ein breites Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Doch beim ersten Bissen stimmt etwas nicht. Der Geschmack ist flach, wässrig, fast leer. Keine Spur von den intensiven Aromen, die ich aus dem Wald kenne.

Sehen: Aber sehen wir das wirklich?

Mit den Augen sehen wir die Klimakrise überall. Jeden Tag ein bisschen deutlicher. Doch anscheinend müssen wir die Krise erst erleben, um wirklich zu sehen, wie wir den Planeten zerstört haben.

Die Erde dreht sich nicht um uns

Milliarden Jahre existiert die Erde bereits, nur hundert brauchten wir, um all diesen Schaden anzurichten. Um ihre Geschenke zu vergiften. Um ihre Bewohner zu vertreiben, und ja, Plot Twist: Wir sind nicht die einzigen Lebewesen, die diesen Planeten Heimat nennen.

Wir haben die Luft selbst mit Gasen vergiftet. Wir haben Wälder gefällt. Ökosysteme zerstört. Biodiversität verloren. Ozeane mit Plastik gefüllt. Tiere eingesperrt. Pflanzen ausgenutzt. Essen weggeschmissen und uns selbst hungern gelassen.

Und die Erde dreht sich weiter.

Nicht sie zerstören wir. Nein. Wir zerstören unseren eigenen Platz auf diesem Planeten. Denn die Erde wird bleiben. Die Frage ist nur: Werden wir ein Teil davon sein?


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