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„Plattformen zeigen uns vor allem Beiträge, mit denen wir wahrscheinlich interagieren“

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Volontär · BG / BRG Schwechat
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01.06.2026
3 Min.

Politische Inhalte wirken auf Social Media oft schnell, emotional und überzeugend. Deshalb lohnt sich ein zweiter Blick: Wer spricht? Welche Quelle wird genannt? Und warum zeigt mir der Algorithmus gerade diesen Beitrag? Antworten der Kommuniukationswissenschaftlerin Annie Waldherr von der Universität Wien auf grundlegende Fragen über TikTok, Snapchat und Instagram.

Zwischen Schlagzeile und Wahrheit: Warum wir im Feed genauer hinschauen müssen. (Foto: Gerd Altmann/ Pixabay)

Im Rahmen eines Online-Gesprächs mit Annie Waldherr von der Universität Wien, die als Medien- und Kommunikationsexpertin zu politischer Kommunikation und sozialen Medien forscht, ging es darum, wie politische Inhalte auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube auf uns wirken. Während des Gesprächs fand ich besonders spannend, dass viele politische Beiträge in meinem Feed auftauchen, ohne dass ich aktiv danach suche.

Im Call wurde eine Frage gestellt, die für mich sehr gut zum Thema passt: „Woran erkennt man, ob politische Inhalte in Social Media seriös oder manipulativ sind?“ Annie Waldherr machte dabei deutlich: „Wenn keine Quellen genannt werden oder Inhalte sehr emotional und provokativ gestaltet sind, sollte man kritisch sein.“ Seriös wirkt ist also am ehesten ein politischer Beitrag, bei dem klar ist, wer ihn veröffentlicht hat, welche Quellen verwendet werden und ob verschiedene Seiten eines Themas vorkommen.

Was in meinem Feed seriös wirkt

Politische Inhalte wirken auf mich seriös, wenn sie ruhig erklären, Statistiken einordnen und auf vertrauenswürdige Medien oder offizielle Stellen verweisen. Besonders glaubwürdig finde ich Beiträge, die nicht so tun, als wäre alles ganz einfach. Gute politische Kommunikation darf eine Meinung haben, sollte aber transparent bleiben.

Unseriös wirken auf mich Clips, die sehr dramatische Musik, reißerische Überschriften oder aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen verwenden. Wenn ein Reel nur sagt: „Die da oben verschweigen dir alles“, aber keine Quelle zeigt, werde ich skeptisch. Passend dazu blieb mir Waldherrs Gedanke hängen: „Soziale Medien sind nicht schuld an allem, was in der öffentlichen Kommunikation falsch läuft.“ Für mich heißt das: Nicht die Plattform allein ist das Problem, sondern auch, wie Inhalte gemacht, verbreitet und von uns bewertet werden.

Werbung und politische Information

Gute Social-Media-Werbung ist für mich klar gekennzeichnet, ehrlich und nicht zu aufdringlich. Schlechte Werbung arbeitet mit Schockbildern oder tut so, als wäre sie ein normaler Beitrag. Besonders hängen geblieben ist mir, wie stark kurze Videos politische Gefühle beeinflussen können. Man merkt oft gar nicht, dass man nicht nur informiert, sondern auch emotional gelenkt wird.

Algorithmen und Vertrauen

Algorithmen zeigen mir nicht einfach „die Wahrheit“, sondern das, worauf ich wahrscheinlich reagiere. Waldherr erklärte dazu sinngemäß: „Plattformen zeigen uns vor allem Beiträge, mit denen wir wahrscheinlich interagieren.“ Wenn ich ein politisches Video länger anschaue, bekomme ich ähnliche Inhalte öfter. Das kann praktisch sein, aber auch gefährlich, weil man schnell in einer Blase landet.

Mein Vertrauen in Nachrichten steigt deshalb, wenn ich Informationen außerhalb von TikTok oder Reels überprüfe. Auch dazu passt Waldherrs Warnung: „Viele Nutzerinnen und Nutzer begegnen politischen Themen zuerst auf Social Media und prüfen die Inhalte nicht weiter.“ Genau das zeigt, warum Medienkompetenz heute so wichtig ist.

Desinformation erkennen

Desinformation erkennt man oft an fehlenden Quellen, extremen Behauptungen, alten Videos in neuem Zusammenhang oder Kommentaren, die absichtlich Wut erzeugen. Deshalb versuche ich, bei politischen Inhalten nicht sofort zu teilen, sondern erst zu prüfen: Wer sagt das? Woher kommt es? Und wem nützt es, wenn ich das glaube?






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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.

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