Am 8. Mai fand ein Online Gespräch mit Jörg Matthes statt. Matthes ist Kommunikationswissenschaftler und Professor am Institut für Publizistik der Universität Wien und forscht seit Jahren zum Thema Digital Hate und soziale Medien. Im Video Call sprach er darüber, wie sich Hate Speech im Internet verbreitet und welche Folgen digitale Gewalt für Betroffene und für die Gesellschaft hat.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Frage, ob soziale Medien genug gegen Hate Speech tun. Laut Matthes sei klar, dass Plattformen mehr Verantwortung übernehmen müssten. „Plattform Betreiber müssen etwas tun, aber auch wir als Gesellschaft sind gefordert“, sagte er im Gespräch. Viele Menschen würden Hass im Netz ignorieren oder einfach wegschauen, obwohl digitale Gewalt immer häufiger vorkomme.
Hass im Netz als Geschäftsmodell
Außerdem erklärte Jörg Matthes, dass strengere Regeln und Einschränkungen notwendig seien. Gleichzeitig gebe es dabei ein großes Problem. „Mehr Regulierung würde teilweise gegen das Geschäftsmodell sozialer Medien gehen“, meinte er. Extreme Inhalte, Streit und Provokationen sorgen oft für viele Klicks und damit auch für mehr Aufmerksamkeit auf den Plattformen.
Besonders betroffen von digitalem Hass seien Mädchen, LGBTQIA+ Personen und Minderheiten. Sie würden im Internet häufiger beleidigt, diskriminiert oder bedroht werden. Viele ziehen sich deshalb aus Diskussionen zurück oder trauen sich nicht mehr, ihre Meinung öffentlich zu sagen. Das sei auch ein Problem für die Demokratie, weil dadurch wichtige Stimmen aus öffentlichen Diskussionen verschwinden.
Meinungsfreiheit hat Grenzen
Im Gespräch wurde auch darüber gesprochen, wo die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und strafbarem Hass liegt. Jugendliche sollten wissen, dass freie Meinungsäußerung nicht bedeutet, alles sagen zu dürfen. Kritik und unterschiedliche Meinungen seien erlaubt, Beleidigungen, Diskriminierung oder Gewalt jedoch nicht. „Hass ist keine Meinung“, sagte Matthes dazu im Video Call.
Trotz der vielen Probleme machte Jörg Matthes auch Hoffnung. Er erklärte, dass er die Hoffnung nicht verloren habe, dass soziale Medien sichere Orte für Diskussionen sein können. Dafür brauche es aber nicht nur strengere Regeln auf den Plattformen, sondern auch mehr Verantwortung und Respekt in der Gesellschaft.
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