Pfeffer ist des Teufels Gewürz

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Volontär · Bundesoberstufenrealgymnasium Krems
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10.08.2026
7 Min.
Der Müller dient mit dem Mahlen des Pfeffers unwissentlich dem Teufel. (Foto: shutterstock)

Es stand auf einem einsamen Hügel, nahe eines kleinen Dorfes, seit jeher eine einsame kleine Mühle. Sie wurde von einer alten Müllerfamilie betrieben. Der Vater lehrte den Sohn, und der Sohn würde eines Tages die Kinder lehren. Doch es waren bescheidene Verhältnisse, in denen sie leben mussten. Die Zölle waren zu hoch, die Händler zu weit entfernt und die Wege in die Stadt beschwerlich.

So starb schließlich der Vater des einzigen und alleinigen Müllers, der in seinen Lebtagen stets mit Beharrlichkeit und Mühe das Handwerk ausgeübt hatte, welches ihm mehr Anstrengung als Lohn gebracht hatte.

Der junge Mann jedoch hatte seinem Vater bei jedem Handgriff zugesehen. Nun, an dessen Totenbett, starrte er mit großer Abscheu auf den Vater, der in seinem Leben nichts mehr und nichts weniger getan hatte als sich abzumühen.

Den jungen Müller grauste es bei der Vorstellung, genauso zu enden. Nie die Welt zu sehen und in ständiger Mühe zu leben.

Nein, er verfluchte sein Leben, sein Schicksal und all jene, die sich von seiner Arbeit ernährten. Dabei fragte er sich, ob diese wohl jemals auch nur einen Gedanken an ihn verschwendeten.

Doch während er heftig flehte und bettelte, überhörte er die lauten Hufschläge eines Reiters, der sich der Mühle rasch näherte.

Der Reiter, ein hagerer Mann mit schwarzer Kleidung und schwarzem Haar, schielte den jungen Mann an, während er sein spitzes Gesicht mit schiefem Lächeln zu ihm hinabbeugte.

Da schreckte der Müller auf und blickte ungläubig zu dem Edelmann empor, der mit verzierter, goldener Stickerei zu glänzen schien.

Bevor er noch ein Wort wechseln konnte, sprach der Fremde:

„Ach, ich habe deine traurige Geschichte gehört, und sie erweicht mein Herz. Denn ebenso wie ihr habe auch ich eine mühsame Aufgabe.“

Er sprach bedacht, während das Pferd unruhig mit dem Huf aufstampfte.

„Oh, verzeiht, o Herr. Ich wollte den edlen Mann nicht mit meinem Trübsal quälen. Ich finde mich wohl am besten mit meinem Joch ab. Das wird das Beste sein.“

Währenddessen glitt sein Blick voller Bewunderung über den Reiter, der in feinste Stoffe gekleidet war.

„Nicht doch! Ihr junger Müller habt mein Herz getroffen, und ich möchte euch helfen, sodass ihr vielleicht auch mir helfen könnt.“

Die Augen des Müllers flackerten auf, als langsam Hoffnung in ihm aufkeimte, seinen Leiden zu entfliehen. Immer heftiger wurde sie, wie ein Feuer, das langsam den Zunder erfasste.

„So sprecht, Herr Fremder. Wie könnte euch denn ein Müller von Nutzen sein?“

Die Augen des Reiters veränderten sich sofort. Es war fast, als würde etwas in ihnen mit wahnsinniger Heftigkeit schimmern.

„Ich wurde von meinen Herren geschickt, Pfeffer zu mahlen. Doch der Weg zur Mühle ist so beschwerlich und weit. So frage ich mich, ob ihr nicht diese Körner in eurer Mühle mahlen wollt.“

Dabei griff er an seine Seite und holte zwei Säckchen hervor.

Das eine war schwarz wie die Nacht und verströmte einen beißenden Geruch. Das andere klirrte bei jeder Bewegung – es war voller Goldstücke.

Der junge Müller schrak auf, als er das Vermögen vor sich sah. Hastig wollte er die Aufgabe annehmen und ergriff die beiden Säckchen, doch der Reiter zog sie wieder zurück.

„Aber eines will ich dir noch sagen: Du darfst die Körner niemals herausholen. Verwahre sie stets in den Säckchen.“

Der Mann wunderte sich über diese seltsame Forderung des Fremden. Doch schon im nächsten Moment willigte er ein und erhielt Pfeffer und Gold.

Der Fremde nahm die Zügel fest in die Hand. Als das Pferd zum Sprint ansetzte, rief er noch:

„Und nächste Nacht komme ich wieder, um den Pfeffer zu holen!“

Der Müller machte sich sogleich ans Werk. Er verstaute das Gold und legte den schwarzen Beutel auf den weißen Mühlstein.

Mit Rattern und Knarren begann die Arbeit. Die beiden Steine zermahlten langsam die Körner und entließen dabei schwarzen Rauch in die Luft.

Trotz des beißenden Geruchs mahlte und mahlte der Mann weiter. Währenddessen bestärkte ihn der Gedanke an das schimmernde Gold.

Letztlich, als sich die schwarze Wolke vor ihm lichtete, hielt er einen feinen Beutel voller schwarzem Pfeffer in den Händen.

Beglückt ließ er den Beutel liegen, nahm die Goldstücke und machte sich auf in die Stadt, wo er bis zur Dämmerung blieb. Dort speiste er wie ein König und genoss Gesellschaft wie an den besten Höfen.

Als die Zeit gekommen war, ließ er das Kichern der Damen und das Grölen der Männer hinter sich und machte sich mit neuem Mut auf den Weg zur Mühle.

Dort sah er mit Schrecken, dass der schwarze Reiter, der durch die einsetzende Dunkelheit noch schmaler wirkte, bereits auf ihn wartete.

Er eilte zu ihm und entschuldigte sich sogleich:

„Verzeiht, ich habe die Zeit übersehe—“

Da unterbrach ihn der Mann und hob die Hand, gehüllt in einen schwarzen Handschuh, der noch immer nach dem beißenden Pfeffer roch.

„Ach, du armer Tor. Gib acht, nicht den Lohn gleich auszugeben. Schon Bessere haben es dir gleichgetan und sind elend zugrunde gegangen“, ächzte er mit wogender und wiegender Stimme, die wie ein Wiegenlied hin und her klang.

Sogleich lief der Müller in die Mühle und legte dem Reiter das schwarze Säcklein in die Hand.

„Habt Dank, o Herr, für eure Besorgnis. Doch ich passe auf mich auf – und Ihr auf Euch.“

Lächelnd blickte er den Reiter an, während ihn zugleich die Angst durchfuhr.

Was würde er nun tun?

Vor dem Handwerk grauste es ihn noch immer, und ohne Gold würde sicherlich auch all der Luxus, den er gerade erst gekostet hatte, wieder verschwinden.

Da lachte der Reiter, während er stehen blieb. Seine Silhouette zeichnete sich vor den dunklen Wolken am Himmel ab.

„Da du dein Werk so gut verrichtet hast, will ich morgen wiederkommen. Aber dieses Mal mit Säcken.“

Da schlug dem Müller das Herz bis zum Hals, und Erleichterung durchfuhr ihn, als die schwarzen Wolken vorüberzogen.

Nun stand der Müller jeden Morgen auf und mahlte von früh bis Mittag den Pfeffer. Von Mittag bis abends ging er in die Stadt.

Immer mehr und immer besser gefiel es ihm, und er vertrieb sich die Zeit mit Karten, Frauen und den besten Tropfen.

Doch immer häufiger bemerkte er, dass aus den Säcklein Geräusche drangen, während er den Pfeffer mahlte.

Zuerst waren sie ganz leise, sodass er sich einbildete, Geister zu hören. Dann wurden sie lauter und lauter, bis ihn das Heulen grauste.

Als er den Reiter darauf ansprach, sagte dieser nur mit andächtiger Stimme:

„Mein Freund, ich verrate nichts. So will es mein Herr. Aber weil du es bist, sage ich es dir unter Vertrauten: Es ist eine besondere, gar böse Sorte von Pfeffer, weswegen du ihn niemals aus dem Beutel nehmen darfst. Er darf nicht verloren gehen.“

So musste er sich mit der Antwort begnügen, doch dies fiel ihm immer schwerer.

Je ausschweifender seine Abende in der Stadt wurden, desto mehr brauchte er. Anfangs waren es nur kleine Becher gewesen, nun leerte er große Eichenfässer.

Aus den Groschen beim Kartenspiel wurden hohe Einsätze. Bei den Frauen gab er immer mehr aus. Und es half nicht, dass Pest und Krieg durch das Land zogen und es schwarz färbten.

Doch das dämpfte die Laune des Lustmannes kaum.

Eines Tages beugte er sich wieder über den inzwischen schwarzen Mühlstein, als ihn die Neugier übermannte.

Er öffnete den schwarzen Sack einen Spalt.

Sogleich strömten Schreie durch die Mühle, sodass sie bebte. Schwarzer Nebel drang in den Raum ein und färbte Wände und Böden schwarz. Das Gelärme war so laut, dass dem Müller die Ohren zu platzen drohten.

Er kroch zum Sack hinüber, schloss ihn hastig wieder und starrte entsetzt auf den nun kleineren Sack.

Verzweifelt versuchte er, ihn so zurechtzumachen, dass der Reiter nichts bemerken würde.

Gerade als er fertig war, hörte er schon das Traben des Pferdes.

Als er hinaufschaute, funkelten ihn zwei teuflische Augen an.

Der Mann blickte verächtlich auf ihn herab und gröhlte mit donnernder Stimme, die einem Sturm glich:

„Mein Herr wird nicht erfreut sein!“

Da erwiderte der Müller, dem es nun um sein Leben bangte und dessen Blut in den Adern gefror:

„Ihr seid des Teufels Knecht!“

Ohne weiter darauf einzugehen, fuhr der Reiter fort, begleitet von wuchtigen Sturmböen, die um die Mühle peitschten:

„Und du! Du schuldest mir jetzt den Lohn für den Sack, den du mir betrügerisch bringen wolltest!“

„Ich werde es euch vergüten! Ich werde euch den Lohn zurückzahlen!“, antwortete der Müller hastig.

In seiner Not besann er sich auf den großen Lohn, den er zuvor erhalten hatte. Er griff in seine Taschen.

Doch diese waren leer.

Geleert von all den maßlosen Vergnügungen.

Das Gesicht wurde bleicher und bleicher und wandelte sich zu einer Maske des Grauens, als der Atem des Mannes stockte und er erkannte, in welcher Lage er sich befand.

Er dachte an all den Wein, den er getrunken hatte, während die Trockenheit über das Land hereingebrochen war.

An all das Brot, das er gegessen hatte, während die Missernten kamen.

An all die vielen Ausschweifungen, während die Menschen im Krieg versanken.

Der finstere Geselle grinste den Müller triumphierend an und sprach:

„Ab dieser Stunde und an diesem Tage wirst du mir die Körner besorgen und mahlen.“

Bevor der Mann noch flehen und betteln konnte, dass er von nun an seine Maßlosigkeit ablegen und so werden würde wie sein Vater, war der Reiter mit einem Male verschwunden.

Seine Schreie verhallten im Wind, als er erkannte, was er in der Mühle gemahlen hatte – und für wen.

Und als er sich umdrehte, sah er die schwarze Mühle hinter sich, die man seitdem die Schwarze Mühle nannte.

Als er hinabschaute, sah er seine schwarze Gestalt.

Seitdem war er der Schwarze Müller.

Er schlich des Nachts durch die Stadt, um die Bösen in die Mühle zu führen und sie für den Teufel zu mahlen. Denn der Teufel braucht Pfeffer, um ihn über die Erde zu streuen.

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