Sie spielen um den Aufstieg in die Weltspitze und bekommen zum Aufwärmen T-Shirts aus dem Restbestand der Männer: Bei der Aufstiegs-WM im April 2025 in Shenzhen stehen den österreichischen Eishockeyspielerinnen nur rote Baumwoll-T-Shirts für Männer zur Verfügung. Einheitliche Sportleibchen fehlen. Torfrau Selma Luggin trägt eine kurze Hose, die sie nach eigenen Angaben seit 2019 besitzt.
Vergangenen Samstag beendete Österreich das Vier-Nationen-Turnier in der Slowakei auf Platz zwei. Im Kader fehlten elf Stammspielerinnen. Einige waren nicht nominiert worden, andere sagten aus Protest ab. Der Konflikt mit dem Österreichischen Eishockeyverband, kurz ÖEHV, gefährdet damit eine Teilnahme an der A-WM in Bestbesetzung.
Amelie, 17, aus meiner Klasse weiß, welcher Aufwand hinter diesem Niveau steckt. Sie verbrachte ein Jahr an einer Eishockeyakademie in Kanada und spielt in Österreichs Jugendnationalteams. „Manchmal endet mein Training erst um 23 Uhr“, erzählt sie. „Ich arbeite dafür so hart wie die Jungs. Trotzdem bekommen wir deutlich weniger Aufmerksamkeit. Dass selbst die besten Spielerinnen Österreichs solche Bedingungen vorfinden, finde ich schade.“
Stockbetten, kalte Hütten und kein Taggeld
Bereits im März übergaben die Spielerinnen dem Verband neun Verbesserungsvorschläge. Sie wollen früher von Einberufungen erfahren, nicht in Stockbetten übernachten und sich nicht mehr in ungeheizten Räumen umziehen müssen.
Verteidigerin Antonia Matzka schilderte in einem Zeitungsinterview, zitiert vom ORF, was das bedeutet: „Wir mussten in Unterkünften teilweise in Stockbetten schlafen, uns im Jänner in einer Hütte ohne Heizung umziehen.“ Dazu komme Teamkleidung aus Restbeständen der Männer, die den Spielerinnen häufig nicht passe.
Die Männer erhalten für Trainingslager und Turniere ein Taggeld, die Frauen bisher nicht. Laut Sportgewerkschaft younion verbrauchen Spielerinnen Urlaubstage, verzichten teilweise auf Einkommen und tragen Ausgaben rund um ihren Sport selbst.
Nach Angaben von Gewerkschafter Sascha Tomanek wurde bislang keiner der neun Vorschläge schriftlich bestätigt.
Wie sich dieser Umgang im Alltag auswirkt, beschreibt Selma Luggin im Interview mit dem „Standard“. Neben ihrem Studium arbeitet sie. Für einen Leistungstest nahm sie sich frei und fuhr nach Salzburg. Eine Einberufung erhielt sie danach nicht, eine persönliche Erklärung zunächst ebenfalls nicht.
„Wir fighten diesmal nicht auf dem Eis, und doch ist es der wichtigste Fight, den wir je geführt haben“, sagt Luggin.
Die WM rückt näher, die Lösung nicht
Am 17. April 2025 liegt Österreich gegen die Niederlande 0:2 zurück. Emma Lintner verkürzt, Annika Fazokas gleicht aus und trifft in der Verlängerung erneut. Der Treffer zum 3:2 bringt Österreich erstmals in die Top Division.
Vom 6. bis 16. November wartet in Dänemark die Weltspitze. Laut IIHF-Spielplan trifft Österreich unter anderem auf die USA, Deutschland und die Schweiz. Das erste Spiel findet am 6. November gegen Tschechien statt.
Der ÖEHV erklärt, die Anliegen der Spielerinnen ernst zu nehmen. Ab 2027 soll ein neues Vergütungsmodell für die Erwachsenen-Nationalteams gelten. Nach dem Turnier kündigte der Verband eine ausführliche Antwort und weitere Gespräche an.
Was dieser Konflikt jungen Sportlerinnen zeigt, reicht über das Eishockey hinaus. Ella, 16, aus meiner Klasse spielt im Nachwuchs der Frauen des First Vienna FC. „Auch im Fußball merkt man, dass mit Frauen anders umgegangen wird“, sagt sie. „Wir nehmen unseren Sport ernst und investieren viel Zeit. Trotzdem müssen wir viel stärker um Aufmerksamkeit kämpfen.“
Unterstützung erhalten die Spielerinnen auch von den Männern. NHL-Profi Marco Rossi erklärte gegenüber dem ORF: „Wer unser Land vertritt und alles für diesen Sport gibt, verdient Respekt, Wertschätzung und die bestmögliche Unterstützung.“
Was sagen wir einem Mädchen, das bis 23 Uhr für seinen Traum trainiert, wenn selbst die besten Frauen des Landes zum Aufwärmen T-Shirts aus dem Restbestand der Männer tragen?
Kommentare