ChatGPT kennt inzwischen fast jeder. Jetzt bekommt auch die österreichische Verwaltung eine eigene KI-Anwendung: GovGPT. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) stellte das neue System vor. Es soll Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staates bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Bis Ende des Jahres sollen rund 250.000 öffentlich Bedienstete Zugriff darauf bekommen.
GovGPT kann unter anderem Texte erstellen, lange Dokumente zusammenfassen und Informationen aus verschiedenen Unterlagen schneller zugänglich machen. Die Idee dahinter: Beschäftigte sollen weniger Zeit mit wiederkehrenden Aufgaben verbringen und mehr Zeit für wichtige Entscheidungen haben.
„Wir wollen mit GovGPT einen modernen digitalen Staat ermöglichen“, sagte Staatssekretär Alexander Pröll bei der Vorstellung des Projekts.
Für Jugendliche klingt Verwaltung oft nach Formularen, langen Wartezeiten und komplizierter Sprache. Ob Reisepass, Führerschein, Studium, Lehre oder Förderungen: Fast jeder kommt irgendwann mit Behörden in Kontakt. Eine schnellere digitale Verwaltung könnte deshalb auch den Alltag junger Menschen verändern.
Warum braucht die Verwaltung überhaupt KI?
Ein Grund für den Einsatz von GovGPT ist der bevorstehende Generationenwechsel im öffentlichen Dienst. Laut Angaben der Bundesregierung werden in den kommenden 13 Jahren rund 44 Prozent der öffentlich Bediensteten in Pension gehen. Gleichzeitig sollen wegen der Budgetkonsolidierung nur teilweise neue Stellen nachbesetzt werden.
Die Verwaltung steht also vor einer Herausforderung: Weniger Personal muss künftig ähnliche oder sogar mehr Aufgaben erledigen. KI soll dabei helfen, Arbeitsabläufe einfacher zu machen.
„Wenn ein Computer langweilige Routinearbeiten übernimmt, können Menschen ihre Zeit für Aufgaben nutzen, bei denen Erfahrung und persönliche Entscheidungen wichtig sind“, sagt Verwaltungsmitarbeiterin Lisa Berger, 24, aus Wien. Sie ist keine Expertin, arbeitet aber selbst mit digitalen Programmen und sieht Chancen durch neue Technologien.
Datenschutz als große Frage
GovGPT basiert derzeit auf einer KI des französischen Unternehmens Mistral AI. Laut Bundesregierung laufen die Systeme aber über Server des Bundesrechenzentrums. Der Anbieter selbst soll keinen Zugriff auf Verwaltungsdaten erhalten. Außerdem wurde das System so entwickelt, dass die Technologie später ausgetauscht werden könnte.
Gerade beim Thema KI spielt Datenschutz eine große Rolle. Schließlich verarbeitet eine Behörde oft sensible Informationen über Menschen.
„Bei staatlicher KI muss klar sein, welche Daten genutzt werden und wer am Ende für Entscheidungen verantwortlich bleibt“, sagt der 17-jährige Schüler Jonas Steiner. „Eine KI kann helfen, aber sie sollte nicht einfach über Menschen bestimmen.“
Von der Verwaltung bis zum eigenen Handy
GovGPT ist Teil der sogenannten „Public AI“-Initiative Österreichs. Dabei geht es um mehrere KI-Anwendungen für den Staat. Neben der Unterstützung für Bedienstete soll auch der Kontakt zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Behörden digitaler werden.
Noch im Sommer soll der KI-Chatbot „ida“ in der ID Austria App und auf Oesterreich.gv.at starten. Er soll Fragen zu digitalen Verwaltungsleistungen beantworten und Bürgerinnen und Bürger durch Behördenangebote führen.
Für Jugendliche könnte das besonders interessant werden. Statt lange nach Informationen zu suchen, könnte eine KI erklären, welche Dokumente für einen Antrag nötig sind oder welche Schritte bei einem Behördenweg folgen.
Doch die wichtigste Frage bleibt: Wird KI den Staat wirklich einfacher machen oder entstehen neue Probleme? Während die einen auf schnellere Services hoffen, fragen sich andere, ob Technik irgendwann zu viel Einfluss auf Entscheidungen bekommt.
Vielleicht entscheidet sich diese Frage nicht in einem Ministerium, sondern irgendwann am Smartphone eines Jugendlichen, der gerade seinen ersten digitalen Amtsweg erledigt.
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