Endlich! Zwischen 25. und 27. September gingen die Tickets für die neue Oasis-Tour 2027 in den Verkauf. Mehr als elf Millionen Menschen hatten sich zuvor registriert, doch nur ein Teil bekam überhaupt die Chance auf ein Ticket.
Diesmal stand der Preis vorher fest: Oasis verzichteten auf Dynamic Pricing. Der Preis einer bestimmten Ticketkategorie ändert sich also nicht abhängig von der Nachfrage. Für die drei Konzerte in München kosteten reguläre Tickets inklusive Gebühren zwischen 96,25 und 268,75 Euro.
Das ist bei Oasis nicht selbstverständlich. Beim Ticketverkauf für die Reunion-Tour 2025 hatten Fans 2024 stundenlang in digitalen Warteschlangen verbracht. Stehplätze, die zunächst mit 148,50 Pfund angeboten wurden, kosteten später 355,20 Pfund. Eine Untersuchung der britischen Wettbewerbsbehörde CMA stellte später allerdings klar: Ticketmaster hatte die Preise nicht laufend mit einem Algorithmus verändert. Stattdessen wurden zunächst günstigere und danach deutlich teurere Ticketkategorien freigeschaltet. Für die wartenden Fans war vorher nicht ausreichend klar, was sie am Ende bezahlen würden. Ticketmaster musste daraufhin mehr Transparenz versprechen.
Für österreichische Oasis-Fans bleibt trotzdem ein Haken: Die Band kommt 2027 nicht nach Wien. Die nächsten Deutschland-Konzerte finden am 2., 3. und 6. Juli in der Münchner Allianz Arena statt.
Auch in Österreich wächst die Kritik an schwankenden Preisen. „Dynamische Preise bergen grundsätzlich die Gefahr, dass Konsument*innen lange im Voraus bezahlen und das volle Risiko – vom Wetter am Veranstaltungstag über Krankheit bis zur Insolvenz des Veranstalters – tragen“, sagt Ulrike Weiß, Leiterin der Abteilung Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Oberösterreich, auf Anfrage.
Europa sucht nach Regeln
Dynamic Pricing ist in der EU nicht grundsätzlich verboten. Unternehmen dürfen ihre Preise grundsätzlich selbst bestimmen. Problematisch kann es aber werden, wenn Kund*innen nicht rechtzeitig über den tatsächlichen Preis informiert werden oder sich der Preis während des Kaufprozesses auf eine unfaire Weise verändert.
Genau hier will die EU nachschärfen. Die Europäische Kommission bereitet derzeit den Digital Fairness Act vor. Das geplante Gesetz soll unter anderem gegen problematische Preispraktiken im Internet, irreführende Preisangaben und bestimmte Formen personalisierter Preisgestaltung vorgehen. Der Vorschlag soll nach der derzeitigen Planung bis Ende 2026 kommen.
Mehrere Verbraucher- und Fanorganisationen fordern, Dynamic Pricing bei Konzerten und anderen Live-Events ganz zu verbieten. Ihr Argument: Bei einem Konzert gibt es nicht zehn vergleichbare Anbieter. Es gibt eine Band, einen Abend und eine begrenzte Anzahl an Tickets. EU-Verbraucherkommissar Michael McGrath sprach sich im Juni allerdings nicht für ein generelles Ende dynamischer Preise aus. Er forderte vor allem mehr Transparenz und klarere Regeln.
Auch Ö-Ticket sieht die Diskussion differenziert. Das Unternehmen verweist darauf, dass Konzertveranstalter ihre Ticketpreise häufig schon im Vorfeld kalkulieren, damit sich Einnahmen und Kosten möglichst verlässlich planen lassen. Sinken Preise bei schwächerer Nachfrage kurzfristig, könne das gerade bei Veranstaltungen mit knappen Margen das wirtschaftliche Risiko erhöhen. Bei einem möglichen EU-weiten Verbot müsse deshalb neben dem Konsumentenschutz auch berücksichtigt werden, wie stark die Politik damit in die Preisgestaltung von Veranstaltern und Ticketplattformen eingreift, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme auf Anfrage.
Deutschland geht zusätzlich den Zweitmarkt an. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat angekündigt, an einer Preisobergrenze für den gewerblichen Weiterverkauf von Tickets zu arbeiten. Der private Weiterverkauf soll weiterhin möglich bleiben. Ein fertiges Gesetz gibt es bisher nicht.
In Österreich existiert bisher keine eigene gesetzliche Regel, die Dynamic Pricing bei Konzerttickets generell verbietet oder begrenzt. Es gelten vor allem die allgemeinen Regeln des Konsumenten- und Wettbewerbsrechts.
Wie wir das erleben
Dass hohe Ticketpreise bei Jugendlichen eine Rolle spielen, merkt auch Mona Kiani, 17, Schülerin am Sacré Coeur Wien. „Ich spar meistens vorher ein bisschen dafür. Wenn ich weiß, dass ein Konzert kommt, geb ich halt ein paar Wochen weniger für andere Sachen aus.“
Für ihre Lieblingsband würde sie auch mehr bezahlen. Irgendwann ist aber Schluss. „Ich würd jetzt keine 200 Euro für ein normales Konzertticket zahlen.“
Christian Geck, 17, ebenfalls Schüler am Sacré Coeur Wien, verzichtet wegen der Preise manchmal ganz. „Es gibt schon Konzerte, bei denen ich mir denk, eigentlich würd ich echt gern hingehen, aber wenn das Ticket dann 130 oder 150 Euro kostet, lass ich’s meistens.“
Besonders der Wiederverkauf stört ihn. „Da waren die Tickets teilweise fast doppelt so teuer. Das würd ich nie zahlen.“
Warum Tickets überhaupt teurer werden
Nicht jede Preissteigerung hat mit Dynamic Pricing zu tun. Konzerte sind tatsächlich teurer geworden.
Der deutsche Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft geht davon aus, dass Ticketpreise seit dem Ende der Corona-Pandemie im Durchschnitt um rund 30 Prozent gestiegen sind. Gleichzeitig seien Produktionskosten, Personal und Künstlerhonorare noch stärker gestiegen.
Eine große Tour braucht Bühnenbauer*innen, Sicherheitspersonal, Techniker*innen, Lkw, Strom, Versicherungen und oft riesige Produktionen. Dazu kommt, dass Live-Auftritte für viele Künstler*innen wirtschaftlich wichtiger geworden sind. Streaming bringt zwar enorme Reichweite, verteilt die Einnahmen aber anders als früher der Verkauf von CDs oder Schallplatten.
Hohe Preise sind deshalb nicht automatisch Dynamic Pricing.
Der Preis, der sich bewegt
Dynamic Pricing bedeutet, dass Preise nicht dauerhaft feststehen. Sie verändern sich etwa abhängig von Nachfrage, Zeitpunkt oder verfügbaren Tickets.
Das Prinzip kennen wir von Flugtickets und Hotels. Bei Konzerten ist es umstrittener. Wer stundenlang in einer Warteschlange steht, weiß möglicherweise noch nicht, welchen Preis er am Ende angeboten bekommt.
Gerade deshalb fällt die neue Oasis-Tour auf. Ticketmaster kündigte diesmal ausdrücklich feste Preise an. In München standen die Preisstufen bereits vorher fest.
Auch Ö-Ticket setzt nach eigenen Angaben nicht auf algorithmusgesteuertes Dynamic Pricing. Dahinter stehe die Haltung der EVENTIM-Gruppe, dass frühes Anstellen beim Ticketkauf nicht mit einem plötzlich höheren Preis bestraft werden sollte. EVENTIM-CEO Klaus-Peter Schulenberg formuliert den Grundsatz so: „Wer als Erster in der Schlange steht, sollte auch den besten Platz bekommen.“
Ganz ausgeschlossen sind dynamische Preise bei Ö-Ticket damit aber nicht. Über die Preisgestaltung entscheidet grundsätzlich der jeweilige Veranstalter. „Der Verzicht auf Algorithmus gesteuertes Dynamic Pricing bedeutet daher nicht, dass Veranstalter grundsätzlich daran gehindert wären, unterschiedliche oder dynamisch angepasste Preise einzusetzen“, erklärt Ö-Ticket in einer schriftlichen Stellungnahme auf Anfrage. Technisch könne die Plattform solche Preismodelle abbilden.
Damit liegt ein wichtiger Unterschied darin, wer die Entscheidung trifft: Ö-Ticket selbst setzt nicht auf algorithmusgesteuertes Dynamic Pricing, ein Veranstalter kann über die Plattform aber trotzdem unterschiedliche oder dynamisch angepasste Preise anbieten.
Der Wiederverkauf als Geschäft
Noch extremer können die Preise werden, wenn ein Konzert ausverkauft ist.
Dann landen Karten auf Zweitmarkt-Plattformen. Dort verkaufen Privatpersonen und professionelle Händler Tickets weiter – teilweise deutlich über dem ursprünglichen Preis.
„Das Problem ist aus unserer Sicht sehr groß und betrifft vor allem besonders gefragte und rasch ausverkaufte Konzerte“, sagt Reinhold Schranz, Leiter des Europäischen Verbraucherzentrums Österreich beim VKI, auf Anfrage. Bei Taylor Swift, Billie Eilish oder der Oasis-Reunion sei das besonders sichtbar gewesen, ebenso bei K-Pop-Bands.
Über Plattformen wie Viagogo oder StubHub gebe es im Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren zahlreiche Beschwerden. Käufer*innen riskieren etwa, dass Tickets ungültig sind, nicht rechtzeitig ankommen oder gar nicht existieren.
Wie bitter das ausgehen kann, zeigt ein Fall, den das EVZ Österreich betreut hat. Zwei 13-jährige Schülerinnen aus Österreich kauften über Viagogo Tickets für ein Billie-Eilish-Konzert in Frankfurt. Am Eingang wurden sie zunächst abgewiesen, weil ihre Karten über einen nicht autorisierten Verkaufskanal gekommen waren. Erst später durften sie hinein und sahen nur noch die letzten Songs.
Der Veranstalter lehnte zunächst eine Rückzahlung ab. Daraufhin wandte sich das EVZ an das Management von Billie Eilish. Schließlich bekamen die Familien ihr Geld zurück und wurden später sogar zu einem Meet-and-Greet eingeladen.
Ein Happy End. Aber eines, auf das sich niemand verlassen kann.
Wenn das Ticket gar nicht existiert
Noch eindeutiger ist klassischer Betrug.
Auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken tauchen vor ausverkauften Konzerten regelmäßig vermeintliche Privatverkäufer auf. Die Profile wirken glaubwürdig, manchmal gibt es sogar Fotos eines Tickets.
„Nach der Bezahlung bricht der Kontakt ab, die Tickets kommen nie bzw. sind mittels KI gefälscht und das Geld ist weg“, sagt Schranz.
Dann bleibt oft nur noch die Anzeige bei der Polizei.
Auch ein extrem hoher Preis kann rechtlich eine Rolle spielen. In Österreich kennt das ABGB die sogenannte „Verkürzung über die Hälfte“. Vereinfacht gesagt kann ein Vertrag unter bestimmten Voraussetzungen angefochten werden, wenn eine Seite nicht einmal die Hälfte des gemeinen Werts ihrer eigenen Leistung erhält. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jedes Ticket, das für mehr als den doppelten Originalpreis weiterverkauft wird, ungültig ist. Entscheidend sind der konkrete Vertrag und der tatsächliche Wert zum Zeitpunkt des Geschäfts.
Auch strafbarer Wucher hat strengere Voraussetzungen als nur einen hohen Preis. Das Strafgesetz verlangt unter anderem, dass jemand gewerbsmäßig eine Zwangslage, Unerfahrenheit oder ähnliche Schwäche ausnutzt und dafür einen Vermögensvorteil verlangt, der in auffälligem Missverhältnis zur eigenen Leistung steht.
Große Plattformen, wenig Überblick
Wer in Österreich Konzerttickets kauft, begegnet sehr oft Ö-Ticket. Hinter der Plattform steht CTS EVENTIM, einer der größten Ticketkonzerne Europas.
Wie viel ein Ticket kostet, entscheidet allerdings nicht Ö-Ticket allein. „Die Entscheidung über die Preisgestaltung liegt grundsätzlich beim jeweiligen Veranstalter“, erklärt das Unternehmen auf Anfrage. Das gelte auch für die Frage, ob bei einer Veranstaltung Dynamic Pricing eingesetzt wird.
Zusätzlich können Gebühren anfallen. Wichtig ist deshalb vor allem, dass der Endpreis transparent dargestellt wird. Der österreichische Oberste Gerichtshof hat bereits entschieden, dass es gegen das Transparenzgebot verstoßen kann, wenn während des Kaufvorgangs nur ein „Gesamtpreis“ erscheint, ohne klarzumachen, welcher Teil davon eine Vermittlungsgebühr ist.
Großbritannien geht inzwischen noch härter gegen versteckte Gebühren vor. Im Juni 2026 verhängte die britische Wettbewerbsbehörde CMA gegen StubHub UK eine Strafe von 889.200 Pfund. Mehr als 50.000 Kund*innen sollen außerdem Geld zurückbekommen, weil verpflichtende Gebühren erst später im Kaufprozess sichtbar wurden.
Was Konsumentenschützer fordern
Ulrike Weiß fordert vor allem mehr Transparenz.
Anbieter sollten offenlegen, welche Faktoren einen Preis beeinflussen. Auch Mindest- und Höchstpreise, Verkaufszeitraum und das noch verfügbare Kontingent sollten aus ihrer Sicht klar ersichtlich sein.
Wer sehr früh kauft, bekomme zwar möglicherweise einen günstigeren Preis, trage dafür aber länger das Risiko, dass Krankheit oder andere Probleme dazwischenkommen. Die AK fordert deshalb zusätzlich bessere Absicherungen bei Insolvenzen von Veranstaltern, faire Stornomöglichkeiten und übertragbare Tickets.
Reinhold Schranz sieht beim Zweitmarkt ein ähnliches Problem: Fans müssten klar erkennen können, dass sie sich gerade auf einer Wiederverkaufsplattform befinden. Auch der ursprüngliche Ticketpreis und der tatsächliche Aufschlag sollten sichtbar sein.
Wie wir uns schützen können
Der wichtigste Tipp der Konsumentenschützer klingt simpel: zuerst beim offiziellen Ticketanbieter kaufen.
Ähnlich lautet der Rat von Ö-Ticket. Junge Fans sollten sich möglichst früh über den offiziellen Vorverkaufsstart informieren und, wenn möglich, Ticket-Alarme nutzen. Bei stark nachgefragten Konzerten könne es entscheidend sein, direkt zum Verkaufsstart dabei zu sein.
Außerdem empfiehlt das Unternehmen, verschiedene Preiskategorien und weniger stark nachgefragte Termine zu prüfen. Auch zusätzliche Konzerttermine können eine weitere Chance auf Tickets bieten.
Ist ein Konzert ausverkauft, sollte der nächste Blick auf die offizielle Wiederverkaufsmöglichkeit des Veranstalters oder Ticketanbieters gehen. Bei Ö-Ticket gibt es dafür fanSALE. Vor überteuerten oder unseriösen Angeboten auf dem Zweitmarkt warnt auch das Unternehmen selbst.
Auch die Zahlungsart ist wichtig. Bei einer Kreditkartenzahlung kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Chargeback möglich sein, wenn eine bezahlte Leistung nicht geliefert wird. Von einfachen Überweisungen oder Zahlungen ohne Käuferschutz an unbekannte Privatpersonen rät Reinhold Schranz ab.
Bei Angeboten über soziale Netzwerke sollte besonders genau hingeschaut werden. Ein Foto eines Tickets beweist noch lange nicht, dass dieses Ticket wirklich existiert oder nur einmal verkauft wurde.
Und manchmal gibt es noch eine viel einfachere Möglichkeit: nicht jeden Preis mitmachen.
Kleinere Konzerte kosten oft nur einen Bruchteil einer Stadion-Show. Vielleicht steht dort noch keine weltbekannte Band auf der Bühne. Dafür muss auch niemand Hunderte Euro bezahlen, nur um überhaupt durch die Tür zu kommen.
Wie viel ist uns ein Abend wert?
Oasis haben aus dem Ärger rund um ihren alten Ticketverkauf zumindest eine sichtbare Konsequenz gezogen. Bei der Tour 2027 standen die regulären Preise vorher fest.
Das löst das grundsätzliche Problem aber nicht. Konzerttickets werden teurer, der Zweitmarkt bleibt lukrativ und die Politik sucht noch nach Regeln, die Fans tatsächlich schützen.
Am Ende bleibt deshalb eine ziemlich persönliche Frage: Wie viel ist uns ein einziger Abend mit unserer Lieblingsband wert – und ab welchem Preis sagen wir einfach nein?
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