Für mich unterscheidet sich das Nova Rock deutlich von den anderen Festivals, die ich davor besucht habe. Die Größe schafft nicht etwa mehr Chaos und Drama, sie schafft mehr Zugehörigkeit. Tausende Menschen, die aus demselben Grund da sind wie du. Alle sind wegen der Musik hier, alle wollen gemeinsam feiern und für ein paar Tage einfach abschalten. Musik verbindet.
Schon allein die Atmosphäre auf den Pannonia Fields ist etwas Besonderes. Überall Menschen in Bandshirts, auffälligen Outfits oder einfach so, wie sie sich wohlfühlen. Dazu die Bühnen, die Musik und die vielen Personen, aus ganz unterschiedlichen Ländern und mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Und trotzdem fühlt es sich nicht fremd an.
Genau das macht diesen Ort für mich zu meinem Lieblingsort im Burgenland. Nicht, weil die Pannonia Fields an sich besonders schön wären oder weil dort das ganze Jahr etwas los wäre. Im Gegenteil: Die meiste Zeit sind es einfach Felder mit Windrädern. Aber einmal im Jahr wird daraus ein Ort, an dem sich tausende Menschen treffen und für ein paar Tage eine eigene kleine Welt entsteht.
Laut, düster und… friedlich?
Vor allem der Metal-Szene wird seit deren Anbeginn nachgesagt, sie basiere auf Hass und Metalheads sollen aggressiv sein. Ich bin seit meiner Kindheit selbst in dieser Szene unterwegs und könnte diesen Vorurteilen nicht weniger zustimmen.
Ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber in den zwölf Jahren, seit meinem ersten Metal-Festival, hatte ich nicht eine einzige Begegnung mit aggressiven Fans. Ganz im Gegenteil: Es überrascht mich jedes Mal aufs Neue, wie respekt- und rücksichtsvoll bei diesen Veranstaltungen miteinander umgegangen wird, oft anders, als ich es aus meinem Alltag kenne.
Von größeren Personen, die einen vorlassen, wenn man beim Konzert nichts sieht, über das gegenseitige Aufeinander-Achtgeben im Mosh-Pit, bis hin zu Angeboten, sich bei Regen unterzustellen, ist wirklich alles dabei. Und dann gibt es noch das gemeinsame Feiern mit wildfremden Menschen. Menschen, die man vielleicht vor fünf Minuten noch nie gesehen hat, und trotzdem steht man plötzlich nebeneinander, singt gemeinsam die gleichen Lieder und hat für diesen Moment das Gefühl, als würde man sich schon ewig kennen.
Klare Regeln
Gerade der Mosh-Pit ist für mich ein gutes Beispiel dafür. Von außen sieht es wahrscheinlich nach purem Chaos und Gewalt aus. Wenn man selbst darin steht, merkt man aber schnell, dass es Regeln gibt und dass aufeinander geachtet wird. Wenn jemand hinfällt, wird ihm sofort aufgeholfen. Wenn jemand raus möchte, wird Platz gemacht. Es ist laut, wild und manchmal auch anstrengend, aber deshalb noch lange nicht aggressiv.
Vielleicht ist genau das etwas, das viele Menschen von der Metal-Szene nicht erwarten würden: Hinter der lauten und teilweise düsteren Musik steckt eine Gemeinschaft, in der Rücksicht und Zusammenhalt eine große Rolle spielen.
Warum mehr Menschen davon erfahren sollten
Mir hat das Nova Rock so viel mehr gegeben als vier Tage mit meiner Lieblingsmusik. Es hat mir ein Gefühl von echter Zugehörigkeit gegeben. Einmal keine Gedanken darüber machen zu müssen, was andere von meinen Outfits halten oder ob ich irgendwie auffalle. Einfach ich selbst sein zu können, ohne darüber nachzudenken, ob das für andere vielleicht komisch wirkt.
Für mich waren es vier der besten Tage meines Lebens. Ich war dort mit ein paar Freunden, aber gleichzeitig mit tausenden anderen Gleichgesinnten. Und obwohl ich die meisten von ihnen nicht kannte, fühlte ich mich ihnen näher als an vielen anderen Orten.
Ich glaube, genau deshalb sollten mehr Menschen vom Nova Rock und von der Metal-Szene erfahren. Nicht unbedingt, weil jeder Metal mögen muss oder weil jeder auf ein Festival gehen sollte. Sondern weil man dort eine Seite dieser Szene erleben kann, die von außen oft nicht gesehen wird. Eine Seite, die von Gemeinschaft, Respekt und gegenseitiger Rücksicht geprägt ist.
Für mich sind die Pannonia Fields deshalb nicht nur ein Festivalgelände. Sie sind ein Ort, an dem ich für vier Tage nicht darüber nachdenken musste, ob ich irgendwo hineinpasse. Ich war einfach da und ich habe dazugehört.
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