Nie allein und doch einsam: Geht uns die Stille im Alltag verloren?

Kein Profil-Bild gefunden.
Volontär · HtbluVA Villach
21.04.2026
2 Min.

Ein Café, ein Gehweg, ein Aufzug. Ganz normale Orte, an denen scheinbar nichts Besonderes passiert. Und doch zeigen genau diese Momente, wie Menschen nebeneinander leben – und dabei oft erstaunlich allein sind.

Schon ein kleiner Moment im Café zeigt: wir brauchen ständige Ablenkung. (Foto: Shutterstock)

Das Café ist warm und ein bisschen zu voll. Teller klappern, irgendwo zischt die Kaffeemaschine, leise Gespräche vermischen sich zu einem gleichmäßigen Hintergrundrauschen.

Am Fenster sitzt eine Frau an einem kleinen runden Holztisch. Sie trägt einen grauen Pullover, die Haare sind locker zusammengebunden, ein paar Strähnen fallen ihr ins Gesicht. Vor ihr steht eine Tasse Kaffee, daneben ein Glas Zucker, das sie nicht anrührt.

Sie stützt den Kopf auf die Hand und schaut nach draußen. Autos fahren vorbei, Menschen gehen vorbei, aber ihr Blick bleibt ruhig, fast leer. Dann greift sie zur Tasse, nimmt einen kleinen Schluck und stellt sie sofort wieder ab. Ich habe das Gefühl, sie trinkt nicht, weil sie Durst hat. Eher, um etwas zu tun zu haben. Als würde sie den Moment festhalten wollen, ohne genau zu wissen, warum.

Auf dem Gehweg

Draußen ist es kühl. Zwei Personen gehen nebeneinander über den Gehweg, beide mit gesenktem Kopf. Das Licht ihrer Handys spiegelt sich in ihren Gesichtern.

Sie gehen im gleichen Tempo, fast im gleichen Schritt. Bleiben gleichzeitig stehen, gehen weiter, weichen anderen aus. Ihre Schultern streifen sich kurz, aber sie schauen nicht auf. Autos fahren vorbei, jemand lacht laut auf der anderen Straßenseite, eine Tür fällt ins Schloss. Aber zwischen den beiden bleibt es still.

Ich frage mich: sind sie eigentlich zusammen unterwegs oder gehen sie nur zufällig nebeneinander?

Im Aufzug

Der Aufzug ist eng, die Luft ein bisschen stickig. Drei Menschen stehen nebeneinander, ohne sich anzusehen. Über der Tür leuchtet die Anzeige, Stockwerk für Stockwerk.

Ein Mann mit dunkler Jacke, tritt nach vorne und drückt auf den Knopf. Einmal. Er leuchtet auf. Trotzdem drückt er noch einmal. Und noch einmal, etwas fester diesmal.

Sein Blick wandert zur Anzeige, dann wieder zum Knopf. Für einen kurzen Moment wirkt er ungeduldig, fast angespannt. Ich höre das leise Surren des Aufzugs und merke, wie ich selbst auch auf die Anzeige starre, als würde es dadurch schneller gehen.

Ertragen wir die Stille nicht mehr?

In all diesen Momenten passiert eigentlich nichts Besonderes. Und trotzdem fühlt sich keiner dieser Momente ganz ruhig an.

Vielleicht liegt es daran, dass wir es nicht mehr gewohnt sind, einfach nur da zu sein. Immer passiert etwas um uns herum. Geräusche, Bewegung, Bildschirme. Und wenn es plötzlich still wird, versuchen wir, diese Stille zu füllen. Mit kleinen Bewegungen, mit Blicken, mit Gewohnheiten.

Vielleicht sind wir deshalb so oft gleichzeitig unter Menschen und trotzdem ein bisschen allein.

Kommentare