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Nichts zu tun und plötzlich wird's schwierig

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TOP 100 Autorin
Volontärin · Höhere Lehranstalt Sozialmanagement und Fachschule für Sozialberufe
02.10.2026
3 Min.

Ich halte es gerade keine drei Minuten aus. Mein Handy liegt nur ein paar Meter entfernt auf meinem Schreibtisch, und trotzdem fühlt es sich an, als müsste ich es unbedingt holen. Nur kurz schauen. Eine Nachricht. Ein Video. Irgendetwas. Aber genau das darf ich jetzt nicht. Zehn Minuten lang soll ich einfach nichts tun. Keine Musik, kein TikTok, kein Instagram – nur sitzen und meinen eigenen Gedanken zuhören. Wann haben wir eigentlich verlernt, Langeweile auszuhalten?

Kaum ist uns langweilig, greifen wir schon nach dem Handy und tauchen in eine andere Welt ein. (Foto: Pheladii)

Wenn ich auf den Bus warte, nehme ich mein Handy. Wenn ich jemanden abhole, auch. Selbst wenn ich nur kurz Zeit habe, finde ich meist etwas zu tun.

Das ist normal geworden. Wir sind es gewohnt, immer beschäftigt zu sein. Schule, Arbeit, Freunde, dann noch TikTok, Instagram oder Nachrichten. Wenn nichts passiert, sorgen wir dafür, dass etwas passiert.

Wann habe ich eigentlich verlernt, einfach zu warten? Oder einfach nichts zu tun?

Zehn Minuten ohne alles

Genau das möchte ich ausprobieren. Ich lege mein Handy auf meinen Schreibtisch und setze mich auf mein Bett. Zehn Minuten lang darf ich nichts machen. Kein Handy, keine Musik, kein Buch. Nur sitzen.

Die ersten zwei Minuten sind noch okay. Ich sitze mit verschränkten Beinen auf meinem Bett und schaue mich in meinem Zimmer um. Meine Hände liegen zuerst einfach auf meinen Knien. Dann beginne ich, mit meinen Fingern herumzuspielen.

Ich frage mich, wie lange ich schon sitze. Vielleicht sind schon fünf Minuten vorbei?

Ich schaue auf die Uhr. Dann fällt mir ein, dass ich dafür mein Handy nehmen müsste. Also lasse ich es.

Nach ungefähr drei Minuten wird es unangenehm. Ich möchte aufstehen. Ich möchte mein Handy holen. Nur kurz schauen, was es Neues gibt. Vielleicht hat mir jemand geschrieben. Vielleicht ist auf Instagram etwas passiert.

Aber eigentlich gibt es keinn Grund dafür.

Und genau das überrascht mich. Ich will mein Handy nicht, weil ich etwas Bestimmtes machen möchte. Ich will es einfach, weil gerade nichts passiert.

Plötzlich denkt man nach

Nach ein paar Minuten wird es ruhiger. Ich höre Geräusche aus dem Nebenzimmer und schaue aus dem Fenster. Mein Kopf springt nicht mehr ständig von einem Gedanken zum nächsten.

Ich denke über das Wochenende nach und über Dinge, die ich noch erledigen muss. Dann kommt mir plötzlich eine ganz andere Idee: Ich könnte mein Zimmer einmal richtig umstellen. Mein Schreibtisch steht schon lange am gleichen Platz und eigentlich würde ich gerne etwas verändern.

Normalerweise hätte ich diesen Gedanken wahrscheinlich gar nicht weiterverfolgt. Vielleicht wäre in diesem Moment schon die nächste Nachricht gekommen oder ich hätte das nächste Video angesehen.

Plötzlich merke ich, dass Langeweile nich unbedingt bedeutet, dass im Kopf nichts passiert.

Vielleicht braucht mein Kopf manchmal genau diese zehn Minuten, in denen nichts von außen kommt.

Langeweile ist nicht Zeitverschwendung

Natürlich bedeutet das nicht, dass man jeden Nachmittag gelangweilt auf dem Bett liegen muss. Langeweile kann nervig sein und manchmal möchte man einfach etwas erleben.

Aber vielleicht muss nicht jeder freie Moment sinnvoll genutzt werden. Wir müssen nicht immer produktiv sein. Wir müssen nicht ständig erreichbar sein. Und wir müssen auch nicht jede Sekunde mit Unterhaltung füllen.

Manchmal reicht es, einfach aus dem Fenster zu schauen und die Gedanken laufen zu lassen.

Vielleicht ist genau das etwas, das wir wieder lernen müssen.

Fünf Minuten ohne Handy

Seit meinem Versuch merke ich, wie oft ich automatisch zum Handy greife. Nicht, weil ich etwas brauche, sondern weil gerade nichts passiert.

Wenn ich auf den Bus warte. Wenn ich zu früh irgendwo bin. Wenn ich auf jemanden warte. Selbst bei ein paar Minuten Leerlauf fällt mir sofort etwas ein, womit ich diese Zeit füllen kann.

Deshalb möchte ich in Zukunft nicht jedes Mal sofort zum Handy greifen. Nicht zehn Minuten am Tag und auch nicht als neue Challenge. Einfach dann, wenn ich merke, dass ich schon wieder danach greife, obwohl ich eigentlich keinen Grund dafür habe.

Denn vielleicht ist Langeweile gar kein Problem, das wir schnell lösen müssen.

Vielleicht ist sie genau die Pause, die unser Kopf manchmal braucht.


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