Gegen acht ging ich zur Nachhilfe, am Nachmittag wiederholte ich Mathe. So sah mein Lernalltag im Sommer 2024 aus. Acht Wochen bereitete ich mich auf die Nachprüfung Anfang September vor. Nach dem täglichen Lernen blieb auch Zeit zum Chillen, aber über dem Sommer hing dieser Prüfungstermin. Wer mir damals neun Wochen Urlaub gewünscht hätte, hätte sich eine ziemlich enttäuschte Antwort eingehandelt.
Auch der Sommer mit meinem Ferienjob hatte seine Verpflichtungen. Ich half Menschen in der Bibliothek, suchte Bücher heraus, beantwortete Anrufe und arbeitete an Social-Media-Beiträgen. Dabei lernte ich viel über jüdische Geschichte. Die Arbeit war eine Bereicherung, zugleich musste ich auf Unternehmungen mit Freunden und einen zusätzlichen Urlaub verzichten. Ein, zwei Wochen freie Zeit hätte ich gern noch angehängt.
Deshalb hält sich meine Begeisterung für kürzere Sommerferien in Grenzen. WKO-Präsidentin Martha Schultz schlug am 12. September im Ö1-Interview sechs statt neun Wochen vor. Sie begründete das vor allem mit der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung. Bildungsminister Christoph Wiederkehr lehnte eine generelle Verkürzung ab. Vorerst bleibt es bei einer Forderung.
Der Sommer lässt sich schwer aufteilen
Auf Campus A hat Celina Bender vorgeschlagen, drei Ferienwochen vom Sommer auf andere Zeiten des Schuljahres zu verteilen. Zusätzliche Pausen zwischendurch klingen angenehm. Trotzdem würde ich die neun Wochen am Stück behalten.
Für mich liegt ihr Wert in der Möglichkeit, verschiedene Dinge hintereinander unterzubringen: arbeiten, mit der Familie verreisen, Freunde treffen und auch einmal wenig vorhaben. Eine freie Woche im Herbst würde mich freuen. Eine längere Reise nach einem Sommerjob ließe sich damit allerdings schwer ersetzen. Schon mit neun Wochen hatte ich das Gefühl, manches auslassen zu müssen.
Natürlich habe ich den Ferienjob selbst gewählt. Aus meiner vollen Sommerplanung ergibt sich noch kein allgemeiner Anspruch auf elf Wochen Ferien. Aber sie zeigt, wie wenig das Wort „schulfrei“ darüber verrät, was wir in dieser Zeit tatsächlich tun. Auch Langeweile wäre für mich übrigens ein erlaubtes Ferienprogramm.
Eltern können mit meiner Freizeit wenig anfangen
Meine Freizeitfrage ist allerdings eine andere als die Betreuungsfrage einer Familie mit einem sechsjährigen Kind. Ich kann mich selbst beschäftigen. Eltern jüngerer Kinder müssen auch dann eine verlässliche Lösung finden, wenn der eigene Urlaub bereits vorbei ist.
Eine im September veröffentlichte Befragung von UMFRAGO im Auftrag von Frau in der Wirtschaft Wien macht diese Seite sichtbar: Von 471 befragten Wiener Unternehmerinnen mit Betreuungspflichten fanden 61 Prozent die Sommerferien zu lang. Das beschreibt diese Gruppe, keineswegs sämtliche Eltern. Ihren Ärger kann ich trotzdem verstehen. „Für Selbstständige geht es um die gesamte Betreuungslücke“, erklärt die Vorsitzende Verena Wiesinger in der Mitteilung.
Wer neun Wochen behalten möchte, sollte deshalb auch erklären, wie Familien diese Wochen bewältigen können. Mein Vorschlag wären freiwillige Ferienangebote an geeigneten Schulen oder in der Nähe: Sport, Ausflüge, Kreatives und Zeit zum Spielen. Kinder sollten dort gern hingehen können, während ihre Eltern arbeiten.
Ein offenes Schulhaus braucht auch Menschen
Eine ähnliche Idee gibt es bereits. Wiens Summer City Camps boten 2026 an 34 Standorten Freizeitbetreuung über alle neun Ferienwochen. Das reguläre Angebot richtete sich an Sechs- bis Zwölfjährige. Laut Stadt Wien kostete eine Woche inklusive Mittagessen und Jause 80 Euro. Für Kinder in Grundversorgung oder bedarfsorientierter Mindestsicherung war die Teilnahme kostenlos.
Das ist ein brauchbarer Ausgangspunkt. Für ein Kind ergeben fünf Wochen zum regulären Preis aber bereits 400 Euro. Meine Vorstellung müsste deshalb auch Familien mit wenig Geld erreichen, die keine der beiden Befreiungen erhalten. Dazu gehören rechtzeitig zugesagte Plätze und Betreuungszeiten, die samt Hinbringen und Abholen zum Arbeitstag passen. Außerhalb einer Stadt wäre außerdem die Erreichbarkeit entscheidend.
Ein Schulgebäude allein betreut schließlich niemanden. Gemeinden bräuchten dafür Geld und qualifizierte, bezahlte Teams, etwa in Zusammenarbeit mit Vereinen. Auch für ältere Jugendliche wären eigene Angebote sinnvoll. Mit Kinderbetreuung ist deren Sommer kaum beschrieben.
Die bestehende Sommerschule erfüllt wiederum einen anderen Zweck: Laut Bildungsministerium dient sie der gezielten Förderung in den letzten beiden Ferienwochen. Sie kann beim Lernen helfen. Für eine Familie mit Betreuungslücken über den ganzen Sommer reicht dieses Zeitfenster allein kaum aus.
An meinem Matheplan von damals hätte ein Ferienangebot wenig geändert. Für ein jüngeres Kind könnte ein verlässlich betreuter Vormittag aber bedeuten, mit anderen Fußball zu spielen, während die Eltern arbeiten. Der Wecker würde weiterhin läuten. Nur der Grund zum Aufstehen wäre ein schönerer.
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