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Neun von zehn tippen mit einer KI – und manche verlieben sich

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Chefredakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
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30.08.2026
3 Min.

94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen in Österreich nutzen KI-Chatbots. Für die Schule, aber zunehmend auch für Gefühle. Fast ein Viertel führt freundschaftliche Gespräche mit der KI, knapp ein Fünftel sogar romantische. Fachleute warnen vor einer Bindung, die einsam machen kann.

Emilia Bauer (17) vom Sacré Coeur Wien nutzt Chatbots auch für persönliche Gedanken – so wie 94 Prozent der Jugendlichen in Österreich, die regelmäßig mit KI schreiben (Foto: Privat)

Neun von zehn. So viele Jugendliche in Österreich haben schon mit einem KI-Chatbot geschrieben. Das zeigt eine Studie von Saferinternet.at vom Februar 2026, für die 500 junge Menschen befragt wurden. Für die meisten von uns ist das ein Werkzeug für die Schule. 73 Prozent nutzen KI für Hausaufgaben. Für manche ist es mehr.

Warum sich die KI wie ein Freund anfühlt

Der wichtigste Grund für die Nutzung: Die KI antwortet immer. 59 Prozent nennen die Verfügbarkeit rund um die Uhr als Hauptgrund.

Um 3 Uhr früh schläft die beste Freundin. Der Chatbot ist wach.

Dazu kommt die Art, wie er redet. Er ist geduldig, freundlich und widerspricht selten. Vier von zehn Jugendlichen finden es oft hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen.

Apps wie Character.AI oder Talkie sind auf genau dieses Gefühl gebaut. Diese KI-Begleiter imitieren echte oder erfundene Figuren. Je mehr jemand schreibt, desto persönlicher wird der Bot.

Emilia Bauer, 17, geht ans Sacré Coeur Wien. Sie schreibt mit Chatbots auch über sich selbst.

„Ja, ich benutze Chatbots schon manchmal für persönliche Sachen und nicht nur für die Schule. Vor allem wenn ich wegen irgendwas gestresst bin oder abends noch über etwas nachdenke. Dann ist es halt praktisch, weil ich schnell eine Antwort bekomme", erzählt Emilia.

Manches behält sie zuerst für sich. „Manchmal schreib ich Sachen, die ich meinen Freunden jetzt nicht unbedingt sofort erzählen würde. Nicht unbedingt irgendwelche extrem persönlichen Sachen, eher so Gedanken, bei denen ich selber nicht weiß, ob ich gerade komplett übertreibe."

Aus Werkzeug wird Bezugsperson

Die emotionale Seite wächst. Laut Saferinternet.at führen 24 Prozent der Jugendlichen zumindest manchmal freundschaftliche Gespräche mit einem Chatbot, 19 Prozent auch romantische.

29 Prozent halten eine KI für eine Art Freundin oder Freund. 28 Prozent trauen ihr zu, Trost zu spenden. 26 Prozent glauben, Jugendliche könnten sich in einen Chatbot verlieben.

Für Emilia bleibt der Unterschied klar – meistens.

„Es fühlt sich für mich trotzdem nicht wirklich wie ein Mensch an. Ich weiß ja, dass da eine KI antwortet. Aber wenn man länger schreibt, vergisst man das manchmal kurz, weil die Antworten halt ziemlich persönlich wirken können."

In Deutschland geht eine Studie der DAK-Gesundheit und des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf noch tiefer. Von den Jugendlichen mit depressiven Symptomen wenden sich über 30 Prozent an Chatbots gegen ihre Einsamkeit. Ein Drittel fühlt sich von der KI besser verstanden als von einem Menschen.

In den USA nutzen laut einem Bericht über die Organisation Common Sense Media 72 Prozent der Teenager KI bereits für Gesellschaft.

Der Haken

Fachleute sehen einen Teufelskreis. Wer Sorgen lieber der Maschine erzählt, übt den Kontakt zu echten Menschen seltener.

Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie warnen: Intensive Nutzung kann die Vereinsamung verstärken und soziale Fähigkeiten verkümmern lassen.

Ein Grund liegt im Design. Chatbots sind auf Zustimmung getrimmt. Saferinternet.at spricht von einer bestätigenden und gefälligen Kommunikationsweise. Ein echter Freund sagt auch mal: Du liegst falsch.

Dazu kommt der Jugendschutz. Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg weist darauf hin, manche Charakter-Bots enthielten Beschreibungstexte mit sexuellen oder gewaltvollen Inhalten.

Was ein Bot nicht ersetzt

Die Jugendlichen selbst spüren das Problem. Laut der Studie unterschätzen viele die Risiken, wünschen sich mehr Bildung zu KI und sind für Altersgrenzen.

„KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche", sagte Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at, bei der Präsentation der Studie.

Emilia Bauer zieht für sich eine klare Grenze.

„Mir hilft es schon manchmal, meine Gedanken ein bisschen zu sortieren. Aber danach ist es nicht so, dass ich mir denke, jetzt brauch ich niemanden mehr. Wenn etwas wirklich wichtig ist, würd ich schon mit einer echten Person darüber reden."

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