Kurz vor sechs Uhr. Der Wecker ist längst vorbei, trotzdem fühlt es sich an, als wäre ich gerade erst eingeschlafen. Ich ziehe mich an, packe meine letzten Sachen und kontrolliere noch einmal meine Ausrüstung. Viel Zeit bleibt nicht. Wenig später bin ich mit meinen Kameraden unterwegs zur nächsten Ausbildung.
Vor einigen Wochen war dieser Ablauf für mich noch völlig ungewohnt. Mittlerweile weiß ich ziemlich genau, was als Nächstes kommt. Trotzdem gibt es jeden Tag Momente, in denen ich mir denke, wie schnell die Zeit eigentlich vergeht.
Als ich zum Bundesheer eingerückt bin, haben sich sechs Monate nach einer ziemlich langen Zeit angehört. Jetzt, wo ich selbst mitten im Grundwehrdienst stecke, sehe ich das anders. Die ersten Wochen sind schnell vergangen und gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel Zeit überhaupt notwendig ist, um die grundlegenden Abläufe zu lernen.
Genau deshalb beschäftigt mich die aktuelle Diskussion über die Verlängerung des Grundwehrdienstes. Aus sechs sollen künftig neun Monate werden. Ich wollte wissen, wie die Menschen darüber denken, die gerade genauso wie ich in der Kaserne stehen. Also habe ich mehrere meiner Kameraden gefragt.
Die Antworten waren nicht alle gleich. Aber bei einem Punkt waren sich viele einig: Drei zusätzliche Monate sollten einen Sinn haben.
Sechs Monate fühlen sich ziemlich kurz an
Am Anfang dachte ich mir noch, dass sechs Monate eigentlich eine lange Zeit sind. Schließlich klingt ein halbes Jahr zunächst nach ziemlich viel.
Dann kam die Ausbildung.
Plötzlich musste ich mir zahlreiche neue Abläufe merken, mich mit der Ausrüstung beschäftigen und lernen, wie alles in der Gruppe funktioniert. Vieles davon ist am Anfang selbstverständlich nicht perfekt. Es braucht Zeit, bis bestimmte Handgriffe sitzen und die Abläufe nicht mehr ständig neu erklärt werden müssen.
Genau das habe ich auch bei meinen Kameraden beobachtet. Einer von ihnen, mit dem ich über die Verlängerung gesprochen habe, findet die sechs Monate deshalb eher knapp. Gerade die Anfangsphase nehme viel Zeit in Anspruch. Wenn die grundlegende Ausbildung geschafft sei und man sich an den Alltag gewöhnt habe, bleibe gar nicht mehr so viel Zeit übrig.
Ich kann diesen Gedanken nachvollziehen. Je länger ich beim Bundesheer bin, desto mehr merke ich, dass Ausbildung nicht einfach bedeutet, etwas einmal gezeigt zu bekommen. Erst durch Wiederholung wird man wirklich sicher.
Was bleibt nach dem Bundesheer?
Für mich ist das eine der interessantesten Fragen überhaupt. Wenn ich in ein paar Monaten wieder aus der Kaserne gehe, möchte ich nicht nur sagen können, dass ich sechs oder neun Monate beim Bundesheer war. Ich möchte das Gefühl haben, dass ich etwas daraus mitgenommen habe. Und das habe ich bereits jetzt.
Ich bin mittlerweile an Dinge gewöhnt, über die ich mir vor dem Einrücken kaum Gedanken gemacht habe. Pünktlichkeit ist nicht mehr nur etwas, das in der Schule oder bei der Arbeit wichtig ist. Wenn zu einer bestimmten Uhrzeit angetreten wird, muss ich dort sein. Meine Ausrüstung muss vorbereitet sein und ich muss mich darauf verlassen können, dass auch meine Kameraden ihre Aufgaben erledigen.
Gerade das Thema Verantwortung ist mir während meiner Zeit beim Bundesheer stärker aufgefallen. Wenn etwas nicht funktioniert, betrifft es oft nicht nur eine Person. In einer Gruppe muss sich jeder auf den anderen verlassen können.
Auch mein Kamerad Lukas, mit dem ich darüber gesprochen habe, sieht darin einen der größten Vorteile des Wehrdienstes. Er findet, dass man vor allem lerne, disziplinierter und zuverlässiger zu werden. Für ihn sind das Fähigkeiten, die auch nach dem Bundesheer etwas bringen.
Ich sehe das genauso. Genau diese Dinge sind für mich ein wichtiger Grund, warum ich die Verlängerung grundsätzlich positiv sehe.
Drei Monate mehr müssen sich lohnen
Trotzdem würde ich nicht einfach sagen: Neun Monate sind automatisch besser als sechs. Für mich hängt alles davon ab, was in diesen drei zusätzlichen Monaten passiert.
Wenn Rekruten drei Monate länger in der Kaserne bleiben, nur damit sie länger dort sind, überzeugt mich die Verlängerung nicht. Die zusätzliche Zeit sollte für weitere Ausbildung und Übungen genutzt werden.
Genau diesen Punkt habe ich auch bei meinen Kameraden angesprochen. Dabei kam eine ziemlich klare Meinung heraus: Mehr Zeit könne sinnvoll sein, wenn sie tatsächlich für die Ausbildung verwendet werde.
Ein Kamerad hat es im Gespräch mit mir ziemlich einfach zusammengefasst: Wenn schon verlängert wird, dann sollte man diese Zeit auch nutzen, um Dinge zu üben, die bisher zu kurz gekommen sind. Das klingt für mich logisch.
Ich habe selbst erlebt, wie schnell sich bestimmte Abläufe verbessern, wenn sie wiederholt werden. Was am Anfang noch ungewohnt war, funktioniert nach einiger Zeit deutlich besser. Drei zusätzliche Monate könnten genau dafür genutzt werden.
Nicht jeder freut sich über die Verlängerung
Natürlich gibt es auch Argumente dagegen. Ich kann verstehen, dass jemand nicht begeistert ist, wenn aus sechs plötzlich neun Monate werden. Gerade für junge Menschen kann das einen Unterschied machen. Ein Studium beginnt vielleicht später, ein Job muss warten oder andere Pläne verschieben sich.
Auch bei meinen Kameraden gibt es deshalb unterschiedliche Meinungen. Nicht jeder ist der Ansicht, dass drei zusätzliche Monate notwendig sind. Einer der Punkte, die dabei immer wieder genannt wurden, ist die Frage, ob es tatsächlich genug sinnvolle Ausbildung für diese zusätzliche Zeit gibt.
Genau deshalb finde ich die Diskussion darüber wichtig. Die Verlängerung sollte nicht einfach mit dem Argument begründet werden, dass neun Monate eben mehr sind als sechs. Es muss einen konkreten Grund geben, warum diese Zeit gebraucht wird und wie sie genutzt wird. Für mich liegt die Antwort vor allem in der Ausbildung.
1.000 Euro im Monat
Ein weiterer Punkt macht die Verlängerung zumindest finanziell interessanter: Die Vergütung soll künftig auf 1.000 Euro pro Monat steigen.
Auch darüber habe ich mit meinen Kameraden gesprochen. Die Reaktionen darauf waren ziemlich eindeutig. Mehr Geld für einen längeren Wehrdienst wird grundsätzlich positiv gesehen.
Ich finde das ebenfalls fair.
Wenn ich neun Monate meiner Zeit für den Wehrdienst zur Verfügung stelle, sollte sich das auch finanziell bemerkbar machen. Gerade für junge Menschen ist das Geld nicht unwichtig.
Trotzdem wäre die Bezahlung für mich nicht der Hauptgrund, neun Monate zu befürworten. Wenn die zusätzliche Zeit nicht sinnvoll genutzt wird, würden auch 1.000 Euro pro Monat das für mich nicht ändern.
Die Ausbildung bleibt für mich der entscheidende Punkt.
Was ich selbst aus der Zeit mitnehme
Je länger ich beim Bundesheer bin, desto mehr merke ich, dass es nicht nur um die militärische Ausbildung geht.
Ich habe gelernt, morgens aufzustehen, auch wenn ich müde bin. Ich habe gelernt, meine Sachen rechtzeitig vorzubereiten und Verantwortung für meine Aufgaben zu übernehmen. Und ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, als Gruppe zu funktionieren.
Natürlich gibt es Tage, an denen ich lieber noch länger schlafen würde. Es gibt auch Aufgaben, bei denen ich mich frage, warum ich sie jetzt schon wieder machen muss.
Aber genau darin liegt für mich auch ein Teil der Erfahrung.
Ich kann nicht einfach sagen, dass ich heute keine Lust habe und deshalb nicht mitmache. Ich muss meine Aufgaben erledigen und mich auf meine Kameraden verlassen können. Diese Disziplin nehme ich auch für mein Leben außerhalb der Kaserne mit.
Deshalb bin ich für neun Monate
Nachdem ich selbst einige Zeit beim Bundesheer verbracht und mit meinen Kameraden darüber gesprochen habe, ist meine Meinung ziemlich klar.
Ich halte die Verlängerung des Grundwehrdienstes grundsätzlich für eine gute Entscheidung.
Nicht, weil ich glaube, dass länger automatisch besser bedeutet. Sondern weil ich selbst erlebe, wie viel Zeit Ausbildung braucht. Sechs Monate hören sich auf dem Papier lange an. Wenn man tatsächlich mitten im Grundwehrdienst steckt, vergehen sie erstaunlich schnell.
Die zusätzlichen drei Monate sollten deshalb nicht einfach drei Monate mehr Kaserne bedeuten. Sie sollten drei Monate mehr Ausbildung, mehr Übungen und mehr Erfahrung bedeuten.
Dazu kommt die höhere Vergütung. 1.000 Euro pro Monat machen den längeren Wehrdienst zumindest finanziell attraktiver.
Für mich bleibt aber eine Frage entscheidend: Was wird aus den zusätzlichen drei Monaten gemacht?
Wenn darauf eine gute Antwort gefunden wird, sehe ich die Verlängerung positiv. Denn meine bisherige Zeit beim Bundesheer hat mir gezeigt, dass man hier tatsächlich Dinge lernt, die über den Wehrdienst hinaus wichtig bleiben: Disziplin, Verantwortung, Durchhaltevermögen und Teamarbeit.
Vor meinem Einrücken hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass sechs Monate schon ziemlich lang sind. Heute denke ich anders darüber.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erfahrung, die ich bisher gemacht habe: Erst wenn man selbst mittendrin steckt, merkt man, wie viel man in dieser Zeit tatsächlich lernen kann.
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