Neue Klasse, neue WhatsApp-Gruppe: Bald muss nicht mehr jeder meine Nummer sehen

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Redakteur · Privates Gymnasium Sacré Coeur Wien
20.08.2026
4 Min.

WhatsApp will Telefonnummern in Gruppen künftig durch selbst gewählte Benutzernamen ersetzen. Das soll unsere Nummern vor Fremden schützen – auch in neuen Klassengruppen. Doch ganz unsichtbar werden wir dadurch nicht.

WhatsApp wird deine Telefonnummer aus neuen Schulgruppen verschwinden lassen. Doch dein Profilfoto kann deine Identität verraten. (Foto: shutterstock)

Eine Woche vor Schulbeginn sitze ich in meinem Zimmer, als mein Handy vibriert. Auf dem Display erscheint eine neue WhatsApp-Gruppe: 25 Mitglieder, 25 Profilbilder und darunter lauter +43-Nummern. Einige Namen kenne ich sofort, bei anderen weiß ich nicht, wer dahintersteckt. Nach der Unterstufe wurden unsere Klassen neu zusammengestellt. Plötzlich hatten Menschen meine Nummer, mit denen ich zuvor kaum gesprochen hatte. Dieses Problem will WhatsApp künftig lösen: Statt der Telefonnummer soll in solchen Gruppen ein selbst gewählter @Name stehen.

Ein @Name statt der Nummer

Am 7. September beginnt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wieder die Schule, eine Woche später in den übrigen Bundesländern. Dann entstehen solche Gruppen erneut. „Als ich in unsere neue Klasse gekommen bin, kannte ich anfangs zehn Leute oder so. Trotzdem hatten sofort alle meine Nummer“, sagt Lena, 15, eine Schulkollegin aus der sechsten Klasse. Sie ist vor einem Jahr in die Oberstufe gekommen und findet den Benutzernamen deshalb sinnvoll.

Seit dem 29. Juni können wir bei WhatsApp einen Benutzernamen reservieren. Dafür öffnen wir Einstellungen, Konto und Benutzername, tragen unseren Wunsch ein und prüfen, ob er noch frei ist. Seit Mitte Juli wird die Funktion laut MacRumors für erste ausgewählte Konten aktiviert.

Bei vielen fehlt der Menüpunkt noch oder der Name lässt sich nur reservieren. WhatsApp will die Funktion nach und nach in einzelnen Ländern freischalten. Für Österreich gibt es keinen Starttermin. Solange die Nachricht von WhatsApp fehlt, bleibt auf unserem Handy alles beim Alten.

Die wichtigste Regel ist einfach: Menschen, die unsere Nummer nicht gespeichert haben, sehen künftig den @Namen. Bereits gespeicherte Kontakte behalten die Nummer.

Ist die Funktion aktiv, kann jemand Lena über @lernchaos26 zur Klassengruppe hinzufügen. Auf dem Display erscheint ihr Profil, aber keine neue Nummer zum Abspeichern. Auch wenn ein Mitschüler erstmals privat mit ihr schreibt oder sie über WhatsApp anruft, soll nur der Benutzername auftauchen.

Einfach „Lena“ eintippen und durch eine Trefferliste scrollen funktioniert nicht. WhatsApp plant weder ein öffentliches Verzeichnis noch Vorschläge für ähnliche Namen. Wir müssen den vollständigen @Namen kennen. Alice Newton-Rex, Produktchefin von WhatsApp, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, das Unternehmen habe die Neuerung als grundlegende Privatsphäre-Funktion entwickelt.

Zusätzlich können wir einen Benutzernamen-Schlüssel aktivieren. Dann braucht ein Fremder neben dem @Namen einen weiteren Code, um den ersten Chat zu öffnen. Innerhalb einer gemeinsamen Klassengruppe greift dieser Schutz allerdings nicht. Wer bereits mit uns in einer Gruppe ist, kann uns laut WhatsApp weiterhin direkt schreiben.

Unsere Nummer ist nicht plötzlich weg

In meiner alten Klassengruppe würde das Update nichts mehr ändern. Die Nummern wurden längst angezeigt und teilweise gespeichert. WhatsApp löscht keine Telefonbücher und holt keine Kontaktdaten aus alten Gruppen zurück. Der Schutz beginnt erst bei Menschen, die unsere Nummer bisher nicht kennen.

Auf Emils Handy ist Lena bereits als „Lena 6B“ gespeichert. Dort bleibt ihre Nummer auch nach dem Update stehen. Auch WhatsApp selbst kennt sie weiterhin. Richten wir die App auf einem neuen Handy ein, kommt der Bestätigungscode noch immer per SMS an unsere Telefonnummer. Ein Konto, das nur aus einem @Namen besteht, ist nicht vorgesehen.

„Wenn mein Profilbild, mein Vorname und der Name unserer Klasse danebenstehen, wissen ohnehin alle, wer ich bin“, sagt Emil, 15. „Aber meine Nummer muss deshalb nicht auf jedem Handy landen.“ Der Benutzername schützt unsere Kontaktdaten, aber nicht automatisch unsere Identität.

Emils Foto im Fußballtrikot reicht im Klassenchat oft schon aus, um ihn zu erkennen. Dazu kommen sein Anzeigename, der Infotext und der Online-Status, falls er diese Angaben nicht eingeschränkt hat. Unsere Nachrichten und Anrufe bleiben Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Der @Name verändert nur die Kontaktangabe über dem Chat.

Wenn das Sekretariat gar nicht das Sekretariat ist

Bei Mitgliedern mit aktiviertem Benutzernamen können Betrüger die Telefonnummer nicht mehr einfach aus der Gruppenliste kopieren. Ayten Öksüz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagte gegenüber ZDFheute: „Bislang gelangen Kriminelle vor allem über große WhatsApp-Gruppen an Handynummern.“

Dafür kann morgens eine Nachricht von @sekretariat_sacrecoeur aufleuchten. Der Elternbeitrag sei offen, steht dort, darunter wartet ein Link zur angeblichen Zahlung. Der Name klingt glaubwürdig, kann aber einem Fremden gehören. Öksüz spricht deshalb von einem „neuen Täuschungsrisiko“.

WhatsApp reserviert Namen bekannter Personen, Behörden und Organisationen. Ein zusätzlicher Buchstabe wird beim schnellen Lesen trotzdem leicht übersehen. Bevor wir zahlen oder einen Code weitergeben, hilft ein kurzer Anruf bei der Schulnummer, die auf der offiziellen Website steht.

Unsere Klassengruppe heißt inzwischen 8A, eine neue wird für mich nicht mehr aufleuchten. Bei anderen könnte im September erstmals nur ein @Name statt ihrer Nummer stehen; wer dahintersteckt, verrät oft schon das Foto daneben.


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