Ob beim Bezahlen eines Snacks nach der Schule, beim Kauf eines Kinotickets oder auf einer Reise durch Europa: Euroscheine begleiten uns jeden Tag. Bald könnten sie jedoch ein völlig neues Aussehen bekommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zehn Entwürfe für die nächste Generation der Euro Banknoten vorgestellt und gibt erstmals allen Menschen in Europa die Möglichkeit, ihre Meinung einzubringen.
EZB Präsidentin Christine Lagarde erklärt bei der Vorstellung der Entwürfe: „Euro Banknoten sind mehr als ein Zahlungsmittel. Sie sind eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas.“ Die Zentralbank möchte mit der Abstimmung erreichen, dass die Menschen in Europa stärker in die Gestaltung ihrer gemeinsamen Währung einbezogen werden.
Zwei Themen stehen zur Auswahl
Die zehn Vorschläge teilen sich auf zwei große Themenbereiche auf: „Europäische Kultur“ sowie „Flüsse und Vögel“. Die EZB entschied sich für diese Themen, nachdem zuvor Bürgerbefragungen und ein Auswahlverfahren mit Fachleuten stattgefunden hatten. Mehr als 1.200 Designerinnen und Designer hatten sich laut EZB an einem europaweiten Wettbewerb beteiligt. Eine unabhängige Jury wählte anschließend die zehn Entwürfe aus.
Beim Thema „Flüsse und Vögel“ stehen Natur und Umwelt im Mittelpunkt. Auf den möglichen neuen Geldscheinen wären verschiedene europäische Vogelarten zu sehen. Dazu gehören unter anderem ein Mauerläufer auf dem Fünf Euro Schein, ein Eisvogel auf dem Zehn Euro Schein und ein Weißstorch auf dem Fünfzig Euro Schein. Die Rückseiten zeigen wichtige europäische Institutionen wie das Europäische Parlament, den Europäischen Gerichtshof oder die Europäische Zentralbank.
Die zweite Möglichkeit heißt „Europäische Kultur“. Hier stehen bekannte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Geschichte im Mittelpunkt. Vorgesehen sind unter anderem Komponist Ludwig van Beethoven, Wissenschaftlerin Marie Curie, Künstler Leonardo da Vinci und Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Die Rückseiten zeigen Alltagsszenen rund um Musik, Kunst und gemeinsames Leben.
Warum bekommen die Scheine ein neues Design?
Die aktuellen Euro Banknoten gibt es seit der Einführung des Euro im Jahr 2002. Nun möchte die EZB die Scheine an moderne Anforderungen anpassen. Laut der Europäischen Zentralbank sollen neue Sicherheitsmerkmale Fälschungen erschweren. Außerdem sollen die Banknoten nachhaltiger hergestellt werden und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen leichter erkennen können.
Auch wenn wir immer öfter mit Karte, Smartphone oder Smartwatch bezahlen, bleibt Bargeld wichtig. Eine Untersuchung der Europäischen Zentralbank zeigt, dass 52 Prozent aller Einkäufe im Euroraum im Jahr 2024 weiterhin bar bezahlt wurden. Bargeld verschwindet also nicht einfach aus unserem Alltag.
Warum die Abstimmung für uns wichtig ist
Viele Entscheidungen über Geld wirken auf den ersten Blick weit entfernt. Doch die neuen Euro Scheine werden uns wahrscheinlich über viele Jahre begleiten. Wer heute abstimmt, kann später vielleicht einen Geldschein in der Hand halten und sagen: „Ich habe mitentschieden, wie dieser aussieht.“
Gerade für uns Jugendliche ist die Abstimmung interessant, weil sie zeigt, wie Beteiligung in Europa funktionieren kann. Nicht nur Politikerinnen, Politiker oder Expertinnen und Experten gestalten die Zukunft. Auch unsere Meinung kann bei wichtigen Entscheidungen eine Rolle spielen.
Der 17 jährige Schüler Lukas Schneider aus München findet die Idee spannend: „Ich hätte nie gedacht, dass ich bei der Gestaltung von Geldscheinen mitmachen kann. Es ist ein gutes Gefühl, dass unsere Meinung gefragt ist.“
Entscheidung fällt Ende 2026
Nach dem Ende der Abstimmung wertet die EZB die Ergebnisse aus. Der EZB Rat möchte voraussichtlich Ende 2026 entscheiden, welches Design tatsächlich umgesetzt wird. Danach müssen die neuen Scheine weiterentwickelt, getestet und produziert werden. Bis sie im Alltag auftauchen, werden deshalb noch einige Jahre vergehen.
Bis dahin bleiben die bisherigen Euro Scheine gültig. Doch die nächste Generation unseres Geldes steht bereits in den Startlöchern. Vielleicht sehen wir in einigen Jahren einen Eisvogel, Beethoven oder Marie Curie auf einem Schein, den wir täglich benutzen. Welche Geschichte Europa künftig mit seinem Geld erzählt, können wir diesmal selbst mitbestimmen.
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