Viele Jugendliche und Studierende kennen das nur zu gut: Nach der Schule direkt in den Supermarkt, am Wochenende kellnern und abends noch Hausaufgaben erledigen. Für immer mehr junge Menschen ist ein Nebenjob nicht nur eine Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen, sondern eine Notwendigkeit.
„Ohne meinen Nebenjob könnte ich mir die Studiengebühren und die Miete nicht leisten“, erzählt Anna M., Studentin an der Fachhochschule in Hall. Sie arbeitet 15 Stunden pro Woche in einem Café, zusätzlich zu ihren Vorlesungen. „Es ist manchmal anstrengend, aber es gibt mir auch ein Stück Selbstständigkeit.“
40 Prozent der Studierenden gehen arbeiten
Laut einer aktuellen Umfrage des österreichischen Jugendinstituts haben rund 40 Prozent der 16- bis 24-Jährigen einen Nebenjob. Die Gründe sind vielfältig: steigende Lebenshaltungskosten, eingeschränkte finanzielle Unterstützung der Eltern und der Wunsch, für Anschaffungen oder Freizeitaktivitäten selbst zu bezahlen.
Doch der Spagat zwischen Schule, Studium und Arbeit ist nicht immer einfach. Experten warnen vor Überlastung: „Wenn junge Menschen regelmäßig mehr als 15 oder 20 Stunden pro Woche arbeiten, kann das negative Folgen für Schlaf, Konzentration und schulische Leistungen haben“, sagt Michael Leitner, Psychologe an der Universität Klagenfurt. „Es ist wichtig, dass Jugendliche lernen, Grenzen zu setzen und Pausen einzuplanen.“
Positive Erfahrungen
Nicht alle Nebenjobs sind reine Belastung. Viele berichten auch von positiven Erfahrungen: Sie erwerben Berufserfahrung, lernen den Umgang mit Geld und entwickeln Verantwortungsbewusstsein. Für manche Jugendliche ist der Job sogar ein Sprungbrett in die spätere Karriere.
Trotzdem bleibt die Frage, wie viel Arbeit junge Menschen wirklich schultern können, ohne dass ihre Bildung oder ihre Gesundheit leidet. Die Balance zwischen Schule, Studium, Freizeit und Job wird für viele immer schwieriger. Eltern, Schulen und Arbeitgeber seien gefordert, die Belastung zu erkennen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die sowohl finanzielle Unterstützung als auch ausreichend Erholungszeit ermöglichen, so Leitner.
Prioritäten setzen
Für Anna M. bleibt die Zeitplanung eine Herausforderung. „Es ist nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Aber ich lerne, Prioritäten zu setzen und meine Zeit besser einzuteilen.“ Ein Schicksal, das viele Jugendliche teilen , und das zeigt, wie sehr das Arbeiten neben der Schule inzwischen Teil des jungen Alltags geworden ist.
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