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Nach der Schule direkt studieren oder eine Pause einlegen?

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29.09.2026
4 Min.

Nach der Matura stehen viele von uns vor einer schwierigen Entscheidung.

Sollen wir direkt mit dem Studium beginnen oder zuerst ein Gap Year machen? Beide Möglichkeiten haben ihre Vorteile, aber auch Nachteile.

Studieren oder erst einmal die Welt entdecken? Nach der Matura stehen viele vor der Entscheidung, welchen Weg sie einschlagen wollen. (Foto: Laurenz R.)


Wer bereits genau weiß, was er studieren möchte, kann direkt nach der Matura an der Universität beginnen. Man bleibt im Lernrhythmus und kann sich von Anfang an auf seine Ausbildung konzentrieren. Außerdem beginnt man früher mit dem Studium und kann anschließend auch früher ins Berufsleben einsteigen.

Für Rosa N. (19), die ich seit meiner Kindheit kenne, war genau das der wichtigste Grund, direkt nach der Matura mit ihrem Studium zu beginnen.

„Für mich war eigentlich schon seit der Oberstufe klar, dass ich Psychologie studieren möchte. Deshalb hätte es sich für mich komisch angefühlt, plötzlich ein Jahr Pause zu machen.“

Trotzdem war der Start an der Universität Wien für sie eine Umstellung. In der Schule gab es einen relativ festen Tagesablauf. An der Universität muss man selbst entscheiden, wann und wie man lernt.

„Am Anfang dachte ich, dass die Universität einfach eine schwierigere Schule ist. Das stimmt aber überhaupt nicht. Man hat viel mehr Freiheit, muss sich dafür aber auch selbst organisieren.“

Diese Erfahrung finde ich interessant. Ein direkter Studienstart bedeutet zwar, dass man keine Zeit verliert. Gleichzeitig beginnt nach der Matura sofort die nächste große Herausforderung.

Was ich in einem Gap Year machen würde

Ein Gap Year würde mich persönlich sehr interessieren. Ich könnte mir vorstellen, einige Monate zu reisen und dabei Work & Travel zu machen. In einem anderen Land zu arbeiten, neue Menschen kennenzulernen und gleichzeitig meine Sprachkenntnisse zu verbessern, würde mir gefallen.

Ich würde aber nicht das ganze Jahr nur Urlaub machen. Einige Wochen würde ich gerne bei einem sozialen Projekt mithelfen. So könnte ich Erfahrungen sammeln, die ich in der Schule wahrscheinlich nicht machen würde.

Vielleicht würde ich in einem Hostel arbeiten, in einem Café aushelfen oder bei einem Projekt für Kinder oder den Umweltschutz mitarbeiten. Danach könnte ich noch einige Wochen durch das Land reisen.

Gerade diese Mischung würde mir gefallen: arbeiten, selbstständig werden, neue Orte sehen und trotzdem genug Zeit haben, über meine Zukunft nachzudenken.

Ein Jahr kann Orientierung geben

Nach zwölf Jahren Schule finde ich es nicht unbedingt notwendig, sofort zu wissen, welchen Weg man für die nächsten Jahrzehnte einschlagen möchte.

Natürlich muss man auch nach einem Gap Year irgendwann eine Entscheidung treffen. Aber vielleicht fällt sie leichter, wenn man vorher verschiedene Dinge ausprobiert hat.

Genau diese Erfahrung hat Laurenz R. (20 ) ,ein ehemaliger Klassenkollege von meinem Bruder, gemacht. Er hat sich nach der Matura bewusst für ein Gap Year entschieden. Zuerst arbeitete er mehrere Monate, danach ging er für einige Wochen ins Ausland eine Afrika Reise machen.

„Ich wollte nach der Matura einfach einmal etwas anderes machen. Nach zwölf Jahren Schule hatte ich das Gefühl, dass ich nicht sofort wieder in einem Klassenzimmer oder Hörsaal sitzen möchte.“

Besonders wichtig war für ihn, dass er während dieser Zeit selbstständiger wurde.

„Ich musste plötzlich meine Arbeit organisieren, meine Reisen planen und mit meinem Geld auskommen. Das klingt vielleicht nicht besonders spektakulär, aber ich habe dadurch viel über mich selbst gelernt.“


Laurenz R. in Namibia

Laurenz R.

Ganz einfach ist ein Gap Year nicht

Ein Gap Year klingt auf den ersten Blick nach Freiheit und Abenteuer. In der Realität gehört aber auch einiges an Organisation dazu.

Laurenz musste sich beispielsweise selbst um seine Jobs kümmern und seine Reise planen. Nicht jeder Tag war aufregend.

„Manchmal war es auch langweilig. Wenn man keinen festen Stundenplan mehr hat, muss man sich selbst motivieren. Das habe ich am Anfang unterschätzt.“

Auch finanziell muss man ein Gap Year gut planen. Reisen, Unterkunft und Freizeitaktivitäten können teuer sein. Wer Work & Travel macht, muss außerdem damit rechnen, dass nicht jeder Job genau so ist, wie man ihn sich vorgestellt hat.

Dazu kommt: Wer ein Gap Year macht, beginnt das Studium ein Jahr später. Während andere bereits an der Universität sind, sammelt man selbst noch Erfahrungen außerhalb des Studiums.

Für mich wäre das allerdings kein entscheidender Nachteil. Ein Jahr erscheint mir nicht besonders lang, wenn ich dafür Erfahrungen sammeln kann, die mir später bei meiner Studien- und Berufsentscheidung helfen.

Was ich persönlich wählen würde

Für mich überwiegen deshalb die Vorteile eines Gap Years.

Ich würde diese Zeit nicht nur zum Reisen nutzen, sondern bewusst verschiedene Dinge ausprobieren. Einige Monate arbeiten, neue Menschen kennenlernen, meine Sprachkenntnisse verbessern und vielleicht bei einem sozialen Projekt mithelfen: Genau so könnte ich mir mein Jahr vorstellen.

Am Ende würde ich mir wahrscheinlich auch Zeit nehmen, um mich intensiv mit verschiedenen Studienrichtungen zu beschäftigen.

Vielleicht würde ich nach einem Jahr immer noch genau dasselbe studieren wollen. Dann hätte ich zumindest die Sicherheit, dass ich mich bewusst dafür entschieden habe.

Vielleicht würde ich aber auch feststellen, dass meine ursprünglichen Pläne gar nicht zu mir passen. Auch das wäre eine wichtige Erkenntnis.

Zwei Wege, zwei Erfahrungen

Rosa zeigt, dass ein direkter Studienstart gut passen kann, wenn man schon weiß, was man möchte. Laurenz dagegen hat durch sein Gap Year mehr Selbstständigkeit gewonnen und herausgefunden, was ihm wichtig ist.

Beide Wege haben also ihre Herausforderungen.

Wer schon einen klaren Plan hat, kann direkt mit dem Studium beginnen. Wer noch unsicher ist und neue Erfahrungen sammeln möchte, kann ein Gap Year nutzen, um sich zu orientieren.

Für mich wäre die Entscheidung trotzdem klar: Ich würde lieber ein Jahr später studieren und dafür vorher Dinge erleben, die im normalen Schul- und Studienalltag vielleicht keinen Platz haben.

Nach zwölf Jahren Schule würde ich mir diese Zeit gönnen. Nicht als Pause vom Leben, sondern als einen Schritt in eine Richtung, die ich selbst ausgesucht habe.








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