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„Mut bedeutet, Vertrauen in sich selbst zu haben“

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11.02.2026
4 Min.

Kennen Sie eine Person, die für andere sofort alles stehen und liegen lassen würde, dabei aber sich selbst vergisst? Ich kenne eine ganze Menge solcher Menschen, die meisten nennen sie „Mama“. Unsere Mütter sorgen sich ständig um unser Wohlbefinden. Sie pflegen uns, trösten uns und hören zu. Aber wer tut das Gleiche für sie?

Wie gelingt Frauen der Ausgleich zwischen Gesundheit, Beruf und Familie? (Foto: Erstellt mit Gemini KI)

Mütter gelten aufgrund von chronischem Stress im Familienalltag als gesundheitlich besonders gefährdet, was eine Studie aus dem Jahr 2023 der Johannes-Kepler-Universität Linz zu elterlicher Überlastung und Burn-out bestätigt. Zwischen Familie und Beruf bleibt Frauen im Alltag oft kaum Raum für sich selbst. Sie erfüllen ihre beruflichen Aufgaben und tragen zugleich häufig den Großteil des Haushalts sowie die Verantwortung für die Familie. Nehmen sie sich nicht bewusst Zeit für ihre eigene Gesundheit, wirkt sich das früher oder später negativ auf ihr Wohlbefinden und ihre Leistungsfähigkeit aus und letztlich auch auf die Menschen, für die sie da sind. Statt erst auf Symptome und Schmerzen zu reagieren, sollten Frauen ihnen zuvorkommen.

Was bedeutet es wirklich, gut für sich zu sorgen, nicht in der Theorie, sondern mitten im Alltag? Darüber habe ich mit Hakima Hopfgartner gesprochen. Sie ist psychosoziale Beraterin und Mutter und beschäftigt sich beruflich wie persönlich mit der Frage, wie Balance zwischen Familie, Arbeit und eigener Gesundheit gelingen kann.

 Was bedeutet Gesundheitsprävention für dich persönlich?

Hopfgartner: Körper, Geist und Seele bilden für mich eine Einheit, die im Gleichgewicht sein muss. Vernachlässigen wir diese Balance und übernehmen keine Verantwortung dafür, entstehen mit der Zeit Herausforderungen oder gesundheitliche Probleme. Deshalb ist es wichtig, vorbeugend zu handeln und nicht erst aktiv etwas zu unternehmen, wenn bereits etwas passiert ist.

 Wie gelingt es dir im Alltag, Zeit für Familie, Beruf und dich selbst bewusst zu planen, und was hilft dir dabei, diese Balance auch langfristig zu halten?

Hopfgartner: Zeit habe ich nicht einfach, ich nehme sie mir bewusst. Gerade als Mütter realisieren wir schnell, wir können in 24 Stunden nicht alles unterbringen. Deshalb habe ich gelernt, klare Schwerpunkte zu setzen. Wenn die Kinder klein sind, steht die Familie an erster Stelle, andere Dinge können warten.

Woran orientierst du dich dabei?

Hopfgartner: Insgesamt stehen mir hundert Prozent zur Verfügung, die sich auf verschiedene Lebensbereiche verteilen, etwa Zeit für mich selbst, Familie, Beruf, Ernährung und Bewegung. Diese Gewichtung verändert sich im Laufe des Lebens ständig. Entscheidend ist, bewusst zu wählen, was gerade Priorität hat. Gelingt das, entsteht eine Balance, von der nicht nur ich, sondern auch meine Familie profitiert.

Welche Rolle spielen Sport und Bewegung in deinem Leben?

Hopfgartner: Körper, Geist und Seele sind untrennbar miteinander verbunden. Der Körper braucht Bewegung, die Seele Natur und frische Luft. Früher habe ich mir selbst viel Druck gemacht und gedacht, ich müsse ins Fitnessstudio gehen oder einen bestimmten Sport ausüben. Heute geht es eher um Quality Time, vor allem um Zeit für mich selbst.

 Wie integrierst du körperliche Aktivität trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen in deinen Alltag?

Hopfgartner: Zum Beispiel ist mein Sohn, als er noch klein war, mit dem Fahrrad gefahren, während ich daneben gelaufen bin, oder wir haben im Sommer gemeinsam Tennis gespielt. Die Art der Bewegung wechselt, ohne Druck und ohne feste Vorgaben. Wenn ich aufstehe, gehe ich oft sofort laufen. So ist Bewegung für mich zu einem natürlichen Teil des Alltags geworden, ohne zusätzlichen Stress zu verursachen.

Was tust du konkret, um mental abzuschalten und Stress abzubauen?

Hopfgartner: Das Wort Stress allein stresst viele Menschen. Dabei können wir nicht ohne Stress leben, er gehört zum Leben dazu. Entscheidend ist, wie viel Akzeptanz ich ihm gegenüber habe und wie viel positiver Stress im Vergleich zu negativem in meinem Leben vorhanden ist. Die zentrale Frage lautet für mich, was brauche ich, um meinem Gehirn das Gefühl zu geben, alles sei machbar und schaffbar?

Welche Rolle spielt Bewegung dabei, Stress abzubauen?

Hopfgartner: Wenn ich gleich morgens an die frische Luft gehe und mich bewege, hilft das, die Amygdala, das Alarmsystem im Gehirn, zu beruhigen. Dadurch entstehen weniger Ängste und negative Emotionen. Das Stresslevel für den restlichen Tag sinkt. Stress entsteht oft dann, wenn wir nicht im Hier und Jetzt sind, sondern gedanklich in der Vergangenheit oder Zukunft hängen. Sich immer wieder bewusst in den gegenwärtigen Moment zurückzuholen und zu sagen „Jetzt ist alles gut“, hilft enorm.

 Gab es Phasen, in denen deine Balance aus dem Gleichgewicht geriet, und was hast du daraus gelernt?

Hopfgartner: Natürlich. Das Leben schubst uns immer wieder aus unserer Komfortzone heraus. Wir Menschen mögen es sicher und vertraut, doch das Leben ist nicht darauf ausgelegt, immer bequem zu sein. Für mich ist es eher wie ein Spiel, ohne Herausforderungen wäre es langweilig und Wachstum wäre kaum möglich. Ich habe gelernt, schwierige Phasen nicht als Rückschläge zu sehen, sondern als Chance oder Geschenk zur persönlichen Weiterentwicklung. Bei jeder Herausforderung stelle ich mir die Frage, was darf ich dieses Mal lernen?

 Gibt es einen kleinen Tipp, den du Frauen geben möchtest, die sich im Familien- oder Berufsalltag schwertun?

Hopfgartner: Ich würde ihnen sagen: Seid mutig. Veränderung braucht Mut. Mut bedeutet, Vertrauen in sich selbst zu haben und daran zu glauben, Herausforderungen meistern zu können.

 Wie können Frauen diesen Mut im Alltag praktisch umsetzen?

Hopfgartner: Es ist wichtig, die eigenen Kräfte und Fähigkeiten zu entdecken, die oft noch ungenutzt in uns stecken. Erfolg entsteht nicht durch Angst oder Abwarten, sondern durch die Bereitschaft, mutig zu handeln. Besonders als Mütter verfügen wir über enorme Energie und Potenzial. Positive Gefühle erzeugen positive Energie, und wenn wir mutig sind, können wir Veränderungen in unserem Leben bewirken, aufstehen und aktiv handeln.

 Vielen Dank für das Gespräch.







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Kommentare

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    am 12.02.2026 Mitzi Engelbutzeder
    Herzlichen Dank für dein Interview mit Hakima Hopfgartner. Durch die wertvolle Zusammenfassung ihrer Worte ist ein bunter Strauß an Möglichkeiten entstanden, aus dem Mütter aller Altersgruppen für sich wählen können. Wunderbare Anregungen, um sich selbst (je nach Alter der Kinder) wieder an erste Stelle zu stellen, um so für alle anderen wirksam werden zu können. So wie frau sich die Sauerstoffmaske im Flugzeug zuerst selbst aufsetzen sollte, bevor sie zu jener der anderen greift... damit sie noch zu jener der anderen greifen kann. You can`t pour from an empty cup.
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    am 13.02.2026 Hakima Hopfgartner
    Liebe Magdalena,
    herzlichen Dank für das wertschätzende und inspirierende Gespräch. Deine Fragen haben mir noch einmal bewusst gemacht, welche Verantwortung ich als Mutter und psychosoziale Beraterin trage in der Begleitung anderer ebenso wie im eigenen Vorleben von Balance und Selbstfürsorge.
    Gerade Mütter sind durch die Doppelbelastung von Familie und Beruf einem erhöhten Risiko für Überlastung ausgesetzt aktuelle Studien zur elterlichen Erschöpfung bestätigen das deutlich. Umso wichtiger ist es, Gesundheitsprävention nicht aufzuschieben, sondern aktiv zu gestalten.
    Mut bedeutet für mich, Vertrauen in die eigene Kraft zu haben und bewusst Prioritäten zu setzen.
    Danke, dass du diesem Thema Raum gegeben hast.
    Herzliche Grüße
    Hakima