Jemand schreit beinahe ins Handy, der Lautsprecher ist eingeschaltet. Andere Fahrgäste schauen hin, doch eine Beschwerde höre ich von niemandem. Ich sitze in der U-Bahn und höre unfreiwillig mit. Ausgerechnet heute habe ich meine AirPods vergessen.
Von Wien Mitte zur Neubaugasse ist es keine lange Fahrt. Trotzdem geht mir das Telefonat auf die Nerven. Die Person spricht laut, ich muss es aushalten. Wie die anderen darüber denken, weiß ich nicht. Ihre Blicke allein verraten mir das kaum.
Mit meinen AirPods hätte ich versucht, das Gespräch auszublenden. Dieser Gedanke beschäftigt mich: Ich ärgere mich über etwas, das jemand anderes tut, und denke dabei an etwas, das ich selbst vergessen habe. Meine Kopfhörer sind für mich offenbar auch eine Möglichkeit geworden, Abstand zu schaffen, obwohl ich auf demselben Sitz bleibe.
Gespräche gehören zu einer U-Bahn-Fahrt. Ich erwarte dort die Ruhe einer Bibliothek ebenso wenig wie ein Schweigegebot. Aber zwischen einer Unterhaltung und einem Telefonat über Lautsprecher liegt für mich ein Unterschied. Wer so laut spricht, macht die Menschen rundherum zu Zuhörern, ohne sie zu fragen.
Eigentlich würde ich gern selbst entscheiden, wann ich Musik hören möchte und wann ich einfach nur dasitze. Meine AirPods habe ich vergessen. Ob ich deshalb ein fremdes Telefonat mithören muss, entscheidet jemand anderes.
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